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"Da hört sich Demokratie auf"

Das Beispiel Grebenbach in Bezau hat es einmal mehr gezeigt: Wichtige Hochwasserschutz- oder Lawinenschutzprojekte brauchen Zeit. Manchmal sehr viel Zeit.

Nach dem Hochwasser im August des Vorjahres war für das Gebiet entlang des Grebenbaches in Bezau ein umfangreiches Schutzkonzept ausgearbeitet worden. Es wurde beschlossen, den Bach auszuweiten und ein Auffangbecken zu bauen.

Heute, mehr als ein Jahr und ein weiteres Hochwasser später, warten die hochwassergeplagten Bezauer immer noch auf die Schutzeinrichtung. Mit dem Bau des Projekts kann frühestens im Spätherbst begonnen werden. Das liegt daran, dass sich die Gemeinde – sie ist ja der Bauherr – zuerst mit 150 (!) Grundbesitzern einigen musste. Von jedem wurde eine Zustimmungserklärung benötigt. Das kostete Zeit. Und verzögerte das Schutzprojekt.

Auch andere wichtige Schutzprojekte werden verzögert beziehungsweise können nicht in Angriff genommen werden, weil es Probleme mit Grundeigentümern gibt. So etwa in St. Gallenkirch. Die Verbauung der Gweil-Lawine ist hier schon seit vielen Jahren ein Thema. Das Ministerium in Wien signalisierte längst seine Zustimmung. Und das obwohl das Projekt mit 15 Millionen Euro alles andere als billig wäre. Aber die Gweil-Lawine bedroht eine Siedlung (Galgenul) und hat das Potenzial einer massiven Großlawine mit hunderten Metern Breite.

Das bereits fertig ausgearbeitete Projekt scheiterte bislang an der fehlenden Zustimmung der Grundeigentümer. „Wir bräuchten die Zustimmung von zirka 90 Personen. Jeder einzelne müsste dafür sein. Doch einige haben sich gegen die Verbauung ausgesprochen – sei es, weil sie noch uralte Rechnungen mit der Gemeinde offen haben oder weil sie einfach keine Lust hatten. Also können wir nichts tun“, bedauert Bürgermeister Arno Salzmann. Für ihn „hört sich da die Demokratie auf“.

Der Gemeindechef ist verärgert. „Denn Galgenul wäre ein Hoffnungsgebiet für St. Gallenkirch. Diese Siedlung würde explodieren, wenn die rote Zone reduziert würde.“

Auch der Gemeindechef von Schruns, Erwin Bahl, verfolgt seit dem Katastrophenwinter 1999 ein wichtiges Lawinenschutz-Projekt: die Verbauung der Stiefentobel-Lawine. „Wir haben das Projekt politisch durchgebracht. Das heißt: die Finanzierung steht“, freut sich Bahl.

30 Wohnhäuser sind bedroht von der Stiefentobel-Lawine, die sich 1999 auch über die L 188 wälzte und die Verkehrsverbindung ins Hochmontafon für zehn Tage kappte.

Laut Andreas Reiterer, dem Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Vorarlberg, gehört die Verbauung der Stiefentobel-Lawine zu den dringlichen Projekten. „Da gehtÑs um eine Großlawine mit einer Breite von rund 300 Metern.“ Derzeit laufen Gespräche mit den Grundeigentümern.

Die Alpgenossenschaft Vorderkapell – ihr gehören 30 Hektar – fordert von der Gemeinde Schadensabgeltung. „Denn wir sind überzeugt, dass während der Bauarbeiten die Jagd und der Alpbetrieb negativ beeinträchtigt werden. Diese Nachteile wollen wir abgegolten haben“, so Harald Wekerle, der Obmann der Alpgenossenschaft. Wekerle weiter: „Wir wollen kein Geschäft machen, sondern nur eine Schadensabgeltung.“

Christian Fiel von der Fraktion „Metnand för Schru“ befürchtet, dass die Umsetzung des Projekts durch die Forderungen der Jagdpächter und Alpvertreter verzögert und in Frage gestellt wird. Er droht: „Ich als Bürgervertreter werde auf die Barrikaden gehen, wenn dieses Projekt aufgrund dieser Forderungen nicht umgesetzt oder unnötig verzögert wird.“ Es könne doch nicht angehen, dass die Interessen der Bürger weniger wert seien als die Interessen der Jagd und Alpe.

Auch dieses Beispiel aus Schruns zeigt: Es führt kein Weg an den Grundeigentümern vorbei. Ihre Zustimmung brauchen die Gemeinden. Nur im seltensten Fall wird der Grundbesitzer enteignet. „Das passiert höchstens alle zehn Jahre“, so Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler.

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