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D: Opelwerk Rüsselsheim gerettet

Mit massiven Zugeständnissen haben die Opel-Beschäftigten die westdeutschen Werke gesichert. Beim härtesten Sanierungsprogramm der Firmengeschichte werden der Abbau von 9.000 Stellen und Einbußen beim Gehalt hingenommen.

Dafür sind bis Ende 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, Rüsselsheim erhält den Zuschlag für die Mittelklasse und in Bochum wird der fünftürige Astra gebaut.

In Europa wird es zudem keine Werksschließungen geben, wie Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Freitag in Rüsselsheim berichtete. Franz erklärte, dass der Druck aus der US-Konzernzentrale „sehr, sehr groߓ gewesen sei. Der gefundene Kompromiss lege nun aber das Fundament für die Zukunft. Opel-Vorstandschef Hans Demant sprach auf der gemeinsamen Pressekonferenz von sehr schwierigen Verhandlungen. „Wir haben aber gezeigt, dass wir kompromissfähig sind und in der Lage, Arbeitsplätze zu sichern – und wir sind stolz darauf.“ Dennoch werde es noch einige Jahre dauern, „bis wir uns aus dieser Situation befreit haben. Aber wir haben einen wichtigen Startpunkt geschaffen.“ Prognosen, wann Opel wieder schwarze Zahlen schreiben wird, wollte er nicht abgeben.

Das Stammwerk Rüsselsheim setzte sich im konzerninternen Wettbewerb bei General Motors um den Zuschlag für den Bau der Mittelklasse gegen das Saabwerk im schwedischen Trollhättan durch. In dem Werk wird ab 2008 die nächste Generation der neuen Modellreihen des Vectra und des Signum sowie ein zukünftiges Saab-Modell gebaut.

„Beide Werke haben überzeugende Studien präsentiert, aber am Ende hatte Rüsselsheim bei dieser Produktionsvergabe leichte Vorteile,“ sagte Fritz Henderson, Europachef von General Motors. Aber auch im schwedischen Trollhättan werde die Produktion fortgesetzt. GM plane den Ausbau der Saab-Modellpalette Cadillac BLS Produktion ab 2006 parallel zu Saab-Modellen in Trollhättan. Darüber hinaus bestätigte GM, mindestens bis 2010 Saab-Modelle in Trollhättan zu produzieren.

Im Gegenzug für den Zuschlag der Mittelklasse erklärten sich die Beschäftigten in Rüsselsheim zu Nullrunden für die Jahre 2004 und 2005 bereit. Außerdem werden die Tarifsteigerungen von 2006 bis 2010 de facto um ein Prozent niedriger weitergeben. Opel-Mitarbeiter im Westen erhalten derzeit nur 20 Prozent über Tarif. Das Weihnachtsgeld der Beschäftigten im Westen wird ab 2006 auf 70 Prozent gesenkt. Erzielt das Unternehmen ein ausgeglichenes Betriebsergebnis oder einen Gewinn, sollen die Beschäftigten wieder 100 Prozent erhalten

Politik und Gewerkschaften begrüßten die Vereinbarung. Die IG Metall forderte allerdings auch, das Opel-Management müsse sich nun massiv zur Überwindung der Krise engagieren. „Die Belegschaften haben mit ihren schmerzvollen Opfern die Grundlage für einen Neubeginn der Marke Opel in Deutschland gelegt“, erklärte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber. Etwa 4.500 Opel-Mitarbeiter haben das Unternehmen bereits mit einer Abfindung verlassen.

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