D: Jubel für Angie - Watschn für Edi

Jubel für Angela Merkel und ein leichter Dämpfer für Edmund Stoiber: Die CSU bot auf ihrem Parteitag in Nürnberg ein ungewohntes Bild. „Angela Merkel Kanzlerin, Deutschland im Aufbruch.

Dafür lasst uns kämpfen!“ schloss Stoiber am Samstag seine Rede in der Frankenhalle unter dem Beifall der rund 900 Delegierten. Kein Wort davon, dass er der Kanzlerkandidatin im Wahlkampf mehrfach in die Parade gefahren war. Jetzt gehe es nicht mehr um „irgendwelche Kleinigkeiten“. Jetzt gehe es um eine stabile Mehrheit mit einer „starken CDU, einer starken CSU, und FDP“, rief Stoiber und beschwor seine Partei, im Schlussspurt alles zu geben: „Weg mit dem rot-grünen Mehltau!“

Diese Botschaft kam an. Mit satten 13 Minuten Beifall, „Angie“-Chören und Lao-Ola-Wellen hatte die Parteibasis am Vorabend die Kanzlerkandidatin Merkel gefeiert. Dagegen scheint die Begeisterung für Stoiber momentan ein wenig nachgelassen zu haben: Mit 93,1 Prozent blieb Stoiber unter den 97 Prozent, die er vor der Landtagswahl 2003 eingefahren hatte. Es war sogar sein zweitschlechtestes Ergebnis seit dem Amtsantritt 1999. Warum der Dämpfer? „Ein solches Spitzenergebnis kann man nicht zur Regel machen“, erklärte ein oberbayerischer Kommunalpolitiker trocken. Mit seinem harten Sparkurs in Bayern war der Ministerpräsident manchen Bürgermeistern und manchen Interessengruppen auf die Füße getreten. Und auch seine Querschüsse im Unions-Wahlkampf nahmen ihm einige Delegierte übel.

Dabei hatten die Bezirksfürsten und Verbandschefs ihre Delegierten auf Zustimmung eingeschworen, damit das erwünschte Signal der Geschlossenheit bloß nicht gefährdet wird. Jede Stimme für Parteichef Stoiber stärke die ganze CSU – auch bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin, mahnte der oberbayerische Bezirksvorsitzende Alois Glück. Beim Delegiertenabend nahm sich Stoiber sehr viel Zeit, ging von Tisch zu Tisch, plauderte hier, diskutierte da.

Eine Frage, die alle umtreibt, ließ er aber auch weiterhin offen: Bleibt er in München, oder geht er nach Berlin? Die CSU werde in Berlin „entscheidend mit dabei sein“, kündigte Stoiber in seiner Rede an und fügte vieldeutig hinzu: „Ich will alles in die Waagschale werfen, was ich da reinwerfen kann!“

Ein bayerischer Minister meinte, die Tendenz gehe eher in Richtung Bleiben. Ein CSU-Chef müsse frei sein, sich jederzeit zu allen Themen zu äußern. Als Minister aber müsste er dann damit rechnen, „dass am Mittwoch in der Kabinettssitzung ein anderer Minister aufsteht und protestiert: ’Das ist mein Ressort!“ Für das Profil der CSU wäre es deshalb besser, wenn er in München bliebe.

Ein CSU-Vorstandsmitglied hielt es zudem für schwer vorstellbar, dass Stoiber sich nach 13 Jahren als Regierungschef mit absoluter Mehrheit im Freistaat plötzlich in die Kabinettsdisziplin einfügen und „unter Merkel“ arbeiten könne.

Wenn es nach der Bevölkerung geht, müsste er ebenfalls bleiben. In einer soeben veröffentlichten Umfrage sprachen sich 63 Prozent für seinen Verbleib aus, nur 14 Prozent sähen ihn lieber in Berlin. „Stoiber muss in Bayern bleiben, den brauchen wir hier“, sagte ein CSU-Kreisvorsitzender aus der Oberpfalz. Das Zugpferd Stoiber genieße hohes Ansehen: „Ich wüsste keinen Nachfolger.“

Ein bayerisches Kabinettsmitglied verwies auf Merkels erneutes Lob für Innenminister Beckstein, den sie bereits in ihr Wahlteam berufen hat. „Dass Beckstein und Stoiber gehen, kann ich mir nicht vorstellen.“ Aber auszuschließen sei nichts – „es hängt vom Wahlergebnis ab“.

Ein CSU-Bundestagsabgeordneter meinte allerdings, Stoiber müsse nach Berlin, „wo die Entscheidungen getroffen werden“. Zeitweise war Stoiber als Superminister für Wirtschaft und Finanzen im Gespräch. Inzwischen hat Merkel Paul Kirchhof als ihren Finanzminister nominiert. Aber wenn die CSU stärker als die FDP sei, könnte sie zum Beispiel auch das Außenministerium beanspruchen – „so ist das nun mal in der Politik“, sagte der Parlamentarier. Dass die FDP das Außenamt anstrebt und die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper meinte, Stoiber habe sich mit seiner Attacke an den ostdeutschen Linkspartei-Wählern für ein Ministeramt in Berlin disqualifiziert, kratzt die CSU wenig.

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