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D: Interessenten für Karstadt-Warenhäuser

Für die zum Verkauf vorgesehenen 77 kleineren Filialen des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle gibt es offenbar bereits die ersten Interessenten. Dabei gehe es um mehr als 20 Filialen, so die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ).

Die Essener Immobiliengruppe Brockhoff habe dem Konzern nach eigenen Angaben schon schriftlich ihr Interesse mitgeteilt zwei der Häuser zu kaufen. „Wir wären dazu bereit, unabhängig davon, ob Karstadt als Mieter engagiert bleibt oder nicht“, zitierte das Blatt den geschäftsführenden Gesellschafter Eckhard Brockhoff. Verkaufsperspektiven gebe es aber auch weit darüber hinaus. „Zwei meiner Kunden würden jeweils ein großes Paket von Karstadt-Filialen kaufen wollen“, sagte Brockhoff der Zeitung. Bei den Paketen gehe es um jeweils mehr als zehn Häuser, berichtete die Zeitung.

Die Beschäftigten des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle wollen den vom Management geplanten Verkauf von 77 kleineren Warenhausfilialen aber nicht akzeptieren. „Wir werden innerhalb eines Jahres beweisen, dass die Filialen auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben können“, zitierte die „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe) den Vorsitzenden des Karstadt-Gesamtbetriebsrates, Wolfgang Pokriefke. Immerhin 55 der 77 betroffenen Filialen seien schon jetzt profitabel.

Unterdessen hat der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harald Schartau die Bürgermeister aller Karstadt-Standorte des Landes für den kommenden Dienstag zu einem Gespräch über die möglichen Auswirkungen des Sanierungsprogramms ein. An dem Gespräch sollen auch der Vorstandsvorsitzende der Karstadt Warenhaus AG, Helmut Merkel, und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement teilnehmen.

Unterdessen wuchs der Widerstand gegen mögliche staatliche Hilfen für den maroden Handelsriesen. Handwerkspräsident Dieter Philipp sagte der „Berliner Zeitung“, es sei „skandalös“, wenn jetzt einem Großkonzern mit den vom Mittelstand und seinen Mitarbeitern aufgebrachten Steuer- und Beitragsmitteln geholfen werden solle.

Denn gleichzeitig müssten sich mehr als drei Millionen mittelständische Unternehmen ohne staatliche Hilfe durch die schlimmste Rezession kämpfen, die die Bundesrepublik nach dem Krieg erlebt habe. Allein im Handwerk seien in den vergangenen fünf Jahren eine Million Arbeitsplätze verloren gegangen.

Doch ohnehin scheint die Bereitschaft begrenzt, dem Konzern finanziell unter die Arme zu greifen. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg betonte, die Möglichkeiten für eine Eingreifen der Bundesregierung seien gering und beschränkten sich auf Instrumente der Bundesagentur für Arbeit. In diesem Zusammenhang begrüßte es Steg, dass die BA einen Fallmanager für Karstadt eingesetzt habe, der schnellen und frühen Kontakt zum Unternehmen habe.

Der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD, Klaus Brandner, sieht die Aufgabe der Politik ohnehin eher in einer Vermittlungsfunktion: „Man kann moderieren, mann kann die Parteien zusammenbringen, dafür sorgen, dass insbesondere der Sachverstand der Arbeitnehmer in einem solchen Prozess auch genutzt wird“, sagte Brandner im ZDF-Morgenmagazin.

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