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D: Erpressungsversuch gegen Walter

Der Gründer des zusammengebrochenen Walter-Bau-Konzerns, Ignaz Walter, sollte nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag) erpresst werden. Ein Unbekannter forderte 300.000 Euro von Walter.

Vor mehreren Wochen habe der 68-Jährige einen anonymen Brief erhalten, in dem ihm mit der Veröffentlichung interner Firmenpapiere gedroht wurde, schreibt das Blatt. Diese Papiere würden ihm angeblich Ärger mit der Justiz bringen. Der Unbekannte forderte 300.000 Euro von Walter. Der Firmengründer habe sofort die Polizei informiert, da er sich nichts vorzuwerfen habe.

Bei den Papieren handelt es sich um interne Unterlagen von Walter Bau, in denen aus Sicht des Erpressers festgehalten wird, dass Walter Anstiftung zur Untreue vorgeworfen werden könne. Der Umstand, dass Walter die Staatsanwaltschaft informiert habe, spreche dafür, dass er sich nichts vorzuwerfen habe, zitiert die Zeitung den leitenden Oberstaatsanwalt in Augsburg, Reinhard Nemetz. Die Polizei in Augsburg verwies am Sonntag auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die sich auch die Auskünfte in dem Fall vorbehalten habe.

Am vergangenen Donnerstag durchsuchte die Polizei die Räume einer Tochterfirma. Die Ermittler vermuten, dass es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Mitarbeiter des Walter-Bau-Konzerns handelt. Insgesamt sieben Mal habe sich der Erpresser bei Walter gemeldet, hieß es. Den letzten Kontakt gab es vor zwei Wochen.

Die Walter Bau-AG hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Der Zusammenbruch zog die Insolvenzen mehrerer Tochterfirmen nach sich. Walter selbst hat sich seit der Insolvenzanmeldung im Februar von allen Ämtern zurückgezogen und ist nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Um Beteiligungen und Tochterfirmen des ehemals großen deutschen Bauimperiums ist ein Machtkampf in der Branche ausgebrochen. Die österreichische Holding Strabag übernimmt wesentliche Teile des Augsburger Konzerns. Auch das nach Hochtief zweitgrößte deutsche Bauunternehmen Bilfinger Berger hatte Interesse für einzelne Bereiche gezeigt. Das Ringen geht speziell auch um das von Walter Bau durch die Bayerische Landesbank gepfändete Paket an dem Stuttgarter Bauunternehmen Züblin von 48,7 Prozent. Neben Strabag gilt dabei Hochtief als Hauptinteressent.

Bei einem Verkauf der Anteile an Strabag erwartet der Betriebsrat der Ed. Züblin AG den Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen. Dem Nachrichtenmagazin „Focus“ sagte der Züblin-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Reinhard Pietrowski: „Wenn die Strabag zum Zug kommt, befürchte ich einen massiven Arbeitsplatzabbau, der in die Tausende gehen kann.“ Züblin hat knapp 8000 Beschäftigte, davon rund 3500 in Deutschland.

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