D: Ausweitung des Ärztestreiks

Nach dem erneuten Abbruch der Tarifverhandlungen für die deutschen Ärzte müssen sich die Patienten an Landeskrankenhäusern und Unikliniken in Deutschland auf eine Notfallversorgung einstellen.

Der Chef der Ärztegewerkschaft, Frank Ulrich Montgomery, kündigte eine massive Verschärfung der Streiks an, die ab Montag nun wochen- und nicht mehr nur tageweise stattfinden. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Länder warfen sich gegenseitig Kompromissunfähigkeit vor.

Nach den Worten von MB-Chef Frank Ulrich Montgomery sollen von Montag an 35 Universitätskliniken und psychiatrische Landeskrankenhäuser bestreikt werden. In den Kliniken werde es nur noch Notfalloperationen geben. Der TdL-Vorsitzende Hartmut Möllring, den Montgomery für den negativen Ausgang der Verhandlungen verantwortlich machte, werde „eine bundesweite Streikwelle erleben, die sich gewaschen hat“. Leider werde es „am Komfort etwas mangeln“, sagte der MB-Chef mit Blick auf die Patienten.

Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren war, konnten sich die Tarifpartner in der Nacht zum Freitag in Dresden erneut nicht auf das Ausmaß der Gehaltserhöhungen einigen. Möllring sagte nach dem Scheitern der Gespräche, der Marburger Bund habe ein Angebot abgelehnt, das deutlich über der bisherigen Bezahlung für Ärzte liege. Die Länder hätten für einen Assistenzarzt im ersten Jahr ab 1. Juli 510 Euro pro Monat mehr angeboten und für einen im dritten Jahr 750 Euro. Ferner wolle man die Tarife im nächsten Jahr und 2008 um jeweils zwei Prozent anheben.

„Damit sind wir an die Grenze dessen gegangen, was überhaupt innerhalb von Kliniken verantwortbar ist“, sagte der niedersächsische Finanzminister. Ansonsten sei man sich in vielen Punkten einig gewesen, sagte Möllring. Es könne aber nicht angehen, „dass wir in einem Schritt mehr als 15 Prozent Gehaltssteigerung anbieten“. Die Länder würden ihr Angebot nicht weiter verbessern. Zu den Arbeitsniederlegungen sagte Möllring: „Wir lassen uns nicht erpressen.“

Montgomery erklärte dagegen, das „großspurig angekündigte Angebot“ Möllrings habe sich leider „als sächsischer Treppenwitz herausgestellt“. Die Arbeitgeberseite habe eine große Chance verstreichen lassen, den Tarifkonflikt an den Unikliniken mit einem fairen Angebot zu entschärfen. Möllring habe „alles genommen und wollte nichts geben“, sagte der Gewerkschaftschef. Nach seiner Darstellung sollten die Ärzte ihre Gehaltserhöhung mit der Streichung des Weihnachtsgeldes und mehr Arbeit selbst finanzieren.

MB-Sprecher Athanasios Drougias ergänzte, dass das Angebot der TdL hinter dem zurückgeblieben sei, was die Länder vor zwei Monaten angeboten hätten und was den Marburger Bund zum Streik bewogen habe. Zwar habe die TdL mehr Geld in Aussicht gestellt, dafür aber verlangt, dass die Ärzte dafür deutlich länger arbeiten sollen. Unterm Strich würde die vom Marburger Bund abgelehnte Offerte der Länder bedeuten, dass die Ärzte lediglich 1,1 Prozent mehr verdienen würden. Dies sei nicht hinnehmbar.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, appellierte am Freitag in Berlin an die Tarifpartner, sich schnell zu einigen. Mit jeder weiteren Stunde, in der auf Grund der Streiks kaum operiert werde, vergrößere sich die Verunsicherung der Patienten. „Ein Spiel auf Zeit darf es in diesem Bereich nicht geben, denn es geht um die Gesundheit der Menschen“, sagte die SPD-Politikerin.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • D: Ausweitung des Ärztestreiks
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen