Cyndi Lauper gegen Ungerechtigkeiten

"Ich wollte eine moderne CD, zurück zum Zeitgeist. Da hat sich Dance angeboten. Ich mag diese Musik, und die Dance-Community ist sehr aufgeschlossen und progressiv." [Videos im Text]

Das sagte Cyndi Lauper über ihr neues Album “Bring Ya To The Brink” (Sony BMG), das die Achtziger-Ikone in einem neuen Soundgewand präsentiert. Beim ersten Wien-Konzert der 55-Jährigen am 30. Oktober im Gasometer wird es aber auch die alten Hits zu hören geben, wie sie im APA-Interview betonte. Die Sängerin kämpft seit Jahren gegen Diskriminierung: “Jeder von uns sollte aufstehen, wenn es um Ungerechtigkeit geht”, lautet ihre Devise.

APA: Sie haben den Stil gewechselt, sich aber nicht nur auf namhafte Produzenten verlassen, sondern an allen Tracks selbst mitgearbeitet. Wie liefen die Aufnahmen?

Lauper: “Es war trotz harter Arbeit ein Spaß, mit all diesen Leuten zu kooperieren. Das Album hat Energie, es baut auf. Natürlich war es wichtig, mich darin zu erkennen. Wenn man sich nicht selbst einbringt, dann erkennt man den Künstler nicht – die Songs klingen dann nach dem Produzenten. Ich habe diesmal ganz anders getextet, sehr auf die Wahl der Worte geachtet. Sie stammen zum Teil aus echten Konversationen, so wie die Leute eben miteinander sprechen.”

APA: Hatten sie ‘Vorbilder’ beim Komponieren, gab es neue Einflüsse?

Lauper: “Das Lied ‘Echo’ ist zum Beispiel von Kraftwerk und Gorillaz inspiriert. Um 1982/83 habe ich mit einem Musiker von Kraftwerk gearbeitet. Ich war immer ein Fan dieser Gruppe. Natürlich kann ich keinen Text wie Kraftwerk schreiben. Und ich bin auch kein Rapper. Aber ich habe mir von den beiden Bands die Art, wie sie Songs komponieren, abgeschaut. ‘Into The Nightlife’ ist wiederum von Henry Miller beeinflusst. Es steckt also wesentlich mehr in diesen Dance-Stücken, als man beim ersten Anhören vermuten könnte.”

APA: Sie könnten eigentlich auch ganz gut damit leben, ihre alten Platten zu kopieren…

Lauper: “Ich versuche, mich nicht zu wiederholen. Ich muss hart arbeiten, damit das nicht passiert. Ich wollte immer als Künstler wachsen, mich selbst fordern und nicht stehen bleiben. Plattenfirmen wollen eine Marke verkaufen. Ich habe dagegen angekämpft, weil ich keine Marke, sondern ein Künstler sein wollte. Ich habe mich sehr bemüht, dass meine Stimme nicht ständig gleich klingt, auch wenn manche Leute das erwarten.”

APA: Waren Sie von Anfang an so zielstrebig?

Lauper: “Nein, zu Beginn meiner Karriere wollte ich eigentlich bloß Background-Sängerin werden. Also habe ich mich vorgestellt, habe gesungen und dazu getanzt – und bin hingefallen, weil meine Fesseln zu dünn waren. Ein Typ hat gemeint: ‘Sie kann nicht tanzen, aber sie hat eine tolle Stimme. Also stellt sie doch einmal in den Vordergrund!’ (lacht) Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, Lead-Sängerin zu sein.”

APA: ‘True Colors’ hat viele Kritiker überzeugt, dass Sie mehr als ein Popsternchen sind. Und viele Kollegen haben ihre Songs interpretiert.

Lauper: “‘True Colors’ ist ein großartiger Song, den ich aber nicht selbst geschrieben, aber so arrangiert habe, dass er wie ein eigenes Lied klingt. Miles Davis’ Cover von ‘Time After Time’ hat mich natürlich sehr berührt. Am liebsten mag ich seine Live-Version.”

APA: Der Text zu “True Colors” bedeutet für Sie wohl sehr viel, schließlich setzen Sie sich für Schwule und Lesben ein.

Lauper: “Ich habe im Leben so viel an Diskriminierung miterleben müssen – egal ob Rassismus oder Homophobie. ‘True Colors’ gab vielen Leuten Hoffnung, wie mir in unzähligen Briefen mitgeteilt wurde. Ich habe mir damals vorgenommen, dass ich irgendwann, wenn ich die Chance bekomme, etwas mehr tun will. Ich begann also den Leuten zu erklären, warum man Schwule und Lesben nicht diskriminieren darf, dass man diese Leute nicht ausgrenzen kann. Entweder die Grundrechte gelten für alle oder für niemanden. Ich bin keine Predigerin, sondern Sängerin, aber meinen Mund mach ich trotzdem auf.”

APA: Ihre abgelaufene “True Colors Tour” in Amerika war eine Art Aufklärungstour in dieser Sache mit vielen Gaststars. Bringen Sie das Programm nach Europa mit?

Lauper: “Nein, das wäre zu aufwendig. Darum werde ich hier nur mit meiner Band auf der Bühne stehen und aktuelles Material, aber auch alte Sachen bringen. Ich bin noch nie in Wien aufgetreten und freue mich daher schon. Ich muss mir gut überlegen, was die Leute hören wollen.”

APA: Wie haben Sie den Wirbel um die Dixie Chicks miterlebt, die nach ihrem Sager gegen George W. Bush von Radiostationen und Fans boykottiert wurden?

Lauper: “Das war eine Zeit zum Fürchten. Wir leben doch in keiner Diktatur. Wo kommt man denn hin, wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf? Es gibt Nachrichtensender in Amerika, die diese Bezeichnung eigentlich nicht verdienen, weil sie nicht objektiv, sondern gezielt in eine Richtung berichten. Sie bringen keine Nachrichten, sondern Meinungen.”

APA: Sie halten mit ihrer Meinung über gewisse Politiker aber nicht zurück…

Lauper: “Da sind Leute am Werk, die arme Leute noch ärmer machen, weil sie sie ausbeuten.”

APA: Wird sich nach den nächsten Wahlen etwas ändern?

Lauper: “Ja, das glaube ich.”

Time After Time mit Sarah McLachlan

True Colors

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