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Conchita Wurst gewinnt für Österreich den Song Contest 2014

Bärtige Dragqueen triumphiert in Kopenhagen über die Konkurrenz .
Bärtige Dragqueen triumphiert in Kopenhagen über die Konkurrenz . ©AP
Österreich ist der Gewinner des 59. Eurovision Song Contests in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen: Conchita Wurst triumphierte im Finale des größten Musikwettbewerbs der Welt am Samstagabend über die Konkurrenz und errang mit ihrer Glamourballade "Rise Like A Phoenix" souverän die Sangeskrone.

Die bärtige Dragqueen hatte sich bereits in den Tagen vor der Show zur Topfavoritin gemausert.

Conchita Wurst hat damit das geschafft, was noch vor wenigen Wochen in weiter Ferne schien: Den Eurovision Song Contest tatsächlich zu gewinnen. Doch dank einer maßgeschneiderten Performance im Halbfinale und im großen Finale errang die Vollbartträgerin vor den Niederlanden Platz 1. Auf Platz 3 schaffte es Schweden.Dabei konnte Wurst alleine 13 Mal die Höchstpunktzahl von 12 Punkten für sich verbuchen. Mit der heutigen Entscheidung ist jedenfalls klar: Der 60. Eurovision Song Contest wird im kommenden Jahr in Österreich ausgetragen.

Conchita Wurst zunächst sprachlos

Conchita Wurst sprachlos: Dieses ungewohnte Bild gab es unmittelbar nach dem Triumph für Österreich beim Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen: “Ich habe keine Worte” und “Mir fällt auch nichts ein” war das Einzige, was die 25-Jährige zunächst herausbrachte. Erst mühsam konnte sie sich zu einer Widmung ihres Sieges hinreißen – für all jene, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben. “Diese Nacht steht für eine Einheit, die aus Liebe, Toleranz und Respekt besteht”, verkündete sie kurz nach ihrem Gewinn im offiziellen Siegerinterview: “Für alle anderen: Tut mir leid, für Euch haben wir keine Zeit.”

Conchita Wurst – Eine Kunstfigur am Siegespodest

Als Neuwirth hatte er Erfolg, als Wurst den absoluten Durchbruch: Der gebürtige Oberösterreicher Tom Neuwirth hat auch im bürgerlichen Outfit Erfahrungen mit Shows im ORF gesammelt – mit seiner Kunstfigur Conchita Wurst samt Perücke und Vollbart hat der 25-Jährige nun beim Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen seinem Siegerlied alle Ehre gemacht: “Rise Like A Phoenix”.

“Starmania” und “Die Große Chance”

Thomas Neuwirth, am 6. November 1988 in Gmunden geboren, wuchs im steirischen Bad Mitterndorf auf. 2006 trat der Modeschüler erstmals vor die nationale Fernsehgemeinde, als er an der dritten Staffel von “Starmania” teilnahm und dort Zweiter hinter Nadine Beiler wurde. Im Jahr darauf war er Mitglied der Kurzzeit-Boyband “jetzt anders!” – gemeinsam mit Falco De Jong Luneau, Johannes “Johnny” K. Palmer und Martin Zerza.

Nach deren Auflösung wurde es wieder einige Zeit ruhiger um den 1,72 Meter großen Künstler, der 2011 die Modeschule in Graz abschloss. Im gleichen Jahr trat er dann in der ORF-Talentshow “Die große Chance” erstmals als bärtige Diva Conchita Wurst ins Rampenlicht – ein Kunstname, der verschiedenste Assoziationen ermöglicht, auch jene, dass sich zwei Geschlechter in einem Menschen verstecken können. Oder, dass der Mensch zählt, nicht sein Geschlecht, das eben “wurst” ist. “Conchita” soll der schwule Entertainer übrigens von einer lateinamerikanischen Freundin genannt worden sein.

Im ersten Versuch gescheitert

Conchita Wurst nahm 2012 auch am österreichischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teil, wo sie aber den Trackshittaz unterlag. Im Vorjahr ging es für Conchita dann hart zur Sache, engagierte sie sich einerseits für die ORF-Reihe “Die härtesten Jobs Österreichs” als Fischverarbeiterin und andererseits für die RTL-Sendung “Wild Girls” in der Wüste, um dort Platz 7 zu erreichen. Als Song-Contest-Teilnehmerin Österreichs keine Castingshow absolvieren. Die Diva der besonderen Art wurde von Fachleuten gekürt, und ist nun tatsächlich wie ein Phönix aus der Asche gestiegen. Von gleich dreizehn Ländern wurde sie heute mit der Maximalpunktezahl von 123 Punkten bedacht.

Schon vor seiner Abreise nach Kopenhagen hatte Neuwirth verlauten lassen, die Figur der bärtigen Diva nicht so bald aufgeben zu wollen. “Prinzipiell schließe ich auch nicht aus, dass ich irgendwann die Perücke zuhause lasse, aber das wird in näherer Zukunft sicher nicht passieren. Meine Mission ist dann erreicht, wenn wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, wen wir lieben dürfen.” Und da prognostiziere er seiner Frau Wurst noch ein langes Leben.

“Conchita verdankt ihre Geburt dem Umstand, dass Tom Zeit seines Lebens mit Diskriminierung zu kämpfen hatte”, heißt es auf der Website der Künstlerin. “Also schuf er eine Frau mit Bart. Als auffälliges Statement. Als Katalysator für Diskussionen über Begriffe wie ‘anders’ oder ‘normal’. Als Ventil, mit dem er seine Botschaft unübersehbar und unüberhörbar in alle Welt tragen will.” Das hat er bzw. sie heute eindrucksvoll geschafft.

Song Contest 2014: Das Ergebnis

01. ÖSTERREICH: 290 Punkte
02. NIEDERLANDE: 238
03. SCHWEDEN: 218
04. ARMENIEN: 174
05. UNGARN: 143
06. UKRAINE: 113
07. RUSSLAND: 89
08. NORWEGEN: 88
09. DÄNEMARK: 74
10. SPANIEN: 74
11. FINNLAND: 72
12. RUMÄNIEN: 72
13. SCHWEIZ: 64
14. POLEN: 62
15. ISLAND: 58
16. WEISSRUSSLAND: 43
17. GROSSBRITANNIEN: 40
18. DEUTSCHLAND: 39
19. MONTENEGRO: 37
20. GRIECHENLAND: 35
21. ITALIEN 33
22. ASERBAIDSCHAN: 33
23. MALTA: 32
24. SAN MARINO: 14
25. SLOWENIEN: 9
26. FRANKREICH: 2

Die erfolgreichsten Song Contest Länder

Eines ist fix: Irland bleibt auch nach Kopenhagen das bis dato erfolgreichste Song-Contest-Land: Der Inselstaat führt auf der Allzeitbestenliste der Gewinner seit 1956 uneinholbar mit 7 Siegen. Österreich näherte sich mit dem Sieg von Conchita Wurst und damit insgesamt 2 Triumphen langsam an.

In der Liste auf Irland folgen allerdings Schweden, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg, die auf je 5 Siege zurückblicken. Auf der ewigen Bestenliste folgen die Niederlande (4 Siege); Dänemark, Israel und Norwegen (je 3); Deutschland, Italien, nun Österreich, die Schweiz und Spanien (je 2) sowie Aserbaidschan, Belgien, Estland, Finnland, Griechenland, Jugoslawien, Lettland, Monaco, Russland, Serbien, die Türkei und die Ukraine (je 1).

Conchita pusht Österreichs magere Bilanz

Seien wir ehrlich: Österreichs Erfolgsbilanz beim Eurovision Song Contest war bisher überschaubar. Nur einmal konnte bis dato ein Sieg verbucht werden: Udo Jürgens errang 1966 mit “Merci Cherie” Platz 1. Nun holt Conchita Wurst die Kohlen aus dem Feuer und schraubte Österreich in Kopenhagen in die Reihe jener Länder, die bereits zweimal den Contest gewonnen haben.

Negativrekordhalter sind hingegen die Interpreten der Jahre 1981 (Marty Brem), 1984 (Anita), 1988 (Wilfried) und 1991 (Thomas Forstner), die auf dem letzten Platz landeten. 2007 schied Eric Papilaya mit “Get a life – get alive” allerdings bereits im Semifinale aus und wurde dort mit 4 Punkten Vorletzter. Anschließend verzichtete man 2006 sowie 2008 bis 2010 gänzlich auf eine Teilnahme. Beim neuerlichen Antritt 2011 in Düsseldorf kam Nadine Beiler schließlich auf Platz 18, bevor im Vorjahr die Trackshittaz mit ihrer Hip-Hop-Nummer “Woki mit deim Popo” im Halbfinale die geringste Punkteanzahl aller Länder erhielten. Im Vorjahr musste sich dann Nathalia Kelly in Malmö mit Platz 14 von 16 Teilnehmern in ihrem Halbfinale begnügen.

Für diese Länder vergab Österreich Punkte

12 Punkte Armenien
10 Punkte Niederlande
8 Punkte Rumänien
7 Punkte Ungarn
6 Punkte Schweden
5 Punkte Ukraine
4 Punkte Finnland
3 Punkte Schweiz
2 Punkte Island
1 Punkt Norwegen

Von diesen Ländern hat Österreich Punkte erhalten

Belgien – 12 Punkte
Finnland – 12 Punkte
Griechenland – 12 Punkte
Großbritannien – 12 Punkte
Irland – 12 Punkte
Israel – 12 Punkte
Italien – 12 Punkte
Niederlande – 12 Punkte
Portugal – 12 Punkte
Schweden – 12 Punkte
Schweiz – 12 Punkte
Slowenien – 12 Punkte
Spanien – 12 Punkte
Frankreich – 10 Punkte
Georgien – 10 Punkte
Island – 10 Punkte
Litauen – 10 Punkte
Malta – 10 Punkte
Norwegen – 10 Punkte
Ungarn – 10 Punkte
Dänemark – 8 Punkte
Rumänien – 8 Punkte
Ukraine – 8 Punkte
Deutschland – 7 Punkte
Moldawien – 7 Punkte
Lettland – 6 Punkte
Albanien – 5 Punkte
Russland – 5 Punkte
Estland – 4 Punkte
Mazedonien – 3 Punkte
Montenegro – 2 Punkte
Aserbaidschan – 1 Punkt

Die Gewinner seit 1956

1956 Schweiz Lys Assia “Refrain”
1957 Niederlande Corry Brokken “Net Als Toen”
1958 Frankreich Andre Claveau “Dors, Mon Amour”
1959 Niederlande Teddy Scholten “Een Beetje”
1960 Frankreich Jacqueline Boyer “Tom Pillibi”
1961 Luxemburg Jean-Claude Pascal “Nous Les Amoureux”
1962 Frankreich Isabelle Aubret “Un Premier Amour”
1963 Dänemark Grethe og J. Ingmann “Dansevise”
1964 Italien Gigliola Cinquetti “Non Ho l’Eta”
1965 Luxemburg France Gall “Poupee De Cire, Poupee De Son”
1966 Österreich Udo Jürgens “Merci Cherie”
1967 Großbritannien Sandie Shaw “Puppet On A String”
1968 Spanien Massiel “La La La”
1969 (vier punktegleiche Sieger)
Großbritannien Lulu “Boom Bang A Bang”
Niederlande Lenny Kuhr “De Troubadour”
Frankreich Frida Boccara “Un Jour, Un Enfant”
Spanien Salome “Vivo Cantando”
1970 Irland Dana “AllKinds Of Everything”
1971 Monaco Severine “Un Banc, Un Arbre, Une Rue”
1972 Luxemburg Vicky Leandros “Apres Toi”
1973 Luxemburg Anne-Marie David “Tu Te Reconnaitras”
1974 Schweden ABBA “Waterloo”
1975 Niederlande Teach-In “Ding-A-Dong”
1976 Großbritannien Brotherhood of “Save Your Kisses Man For Me”
1977 Frankreich Marie Myriam “L’Oiseau Et l’Enfant”
1978 Israel Izhar Cohen and The Alphabeta “A-ba-ni-bi”
1979 Israel Gali Atari and Milk and Honey “Hallelujah”
1980 Irland Johnny Logan “What’s Another Year”
1981 Großbritannien Bucks Fizz “Making Your Mind Up”
1982 Deutschland Nicole “Ein bißchen Frieden”
1983 Luxemburg Corinne Hermes “Si La Vie Est Cadeau”
1984 Schweden Herreys “Diggi-loo Diggi-ley”
1985 Norwegen Bobbysocks “La Det Swinge”
1986 Belgien Sandra Kim “J’aime La Vie”
1987 Irland Johnny Logan “Hold Me Now”
1988 Schweiz Celine Dion “Ne Partez Pas Sans Moi”
1989 Jugoslawien Riva “Rock Me”
1990 Italien Toto Cutugno “Insieme: 1992”
1991 Schweden Carola “Fangad Av En Stormvind”
1992 Irland Linda Martin “Why Me?”
1993 Irland Niamh Kavanagh “In Your Eyes”
1994 Irland Paul Harrington & McGettigan “Rock’n’Roll Charlie Kids”
1995 Norwegen Secret Garden “Nocturne”
1996 Irland Eimear Quinn “The Voice”
1997 Großbritannien Katrina & the Waves “Love Shine A Light”
1998 Israel Dana “Diva” International
1999 Schweden Charlotte Nilsson “Take Me To Your Heaven”
2000 Dänemark Olsen Brothers “Fly On The Wings Of Love”
2001 Estland Tanel Padar & Dave Benton “Everybody”
2002 Lettland Marie N “I Wanna”
2003 Türkei Sertab Erener “Everyway That I Can”
2004 Ukraine Ruslana “Wild Dances”
2005 Griechenland Helena Paparizou “My Number One”
2006 Finnland Lordi “Hard Rock Hallelujah”
2007 Serbien Marija Serifovic “Molitva”
2008 Russland Dima Bilan “Believe”
2009 Norwegen Alexander Rybak “Fairytale”
2010 Deutschland Lena “Satellite”
2011 Aserbaidschan Ell & Nicki “Running Scared”
2012 Schweden Loreen “Euphoria”
2013 Dänemark Emmelie de Forest “Only Teardrops”
2014 Österreich Conchita Wurst “Rise Like A Phoenix”

ESC-Sieg: Riesiges Medien-Echo

Der Liveticker vom Song Contest

(APA)

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