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Chronologie der schleppenden Fahndung

Bregenz - Seit Freitag darf die Polizei den Sextäter verhaften - 49 Tage nach seiner Flucht stellte das Gericht nun einen Haftbefehl gegen den Vergewaltiger aus. VN-Berichterstattung

Seit Freitag Vormittag läuft nach dem flüchtigen Vergewaltiger Ralf Linder die internationale Fahndung. Sechs Wochen nach dem Verschwinden des Vergewaltigers hat die Polizei damit endlich die Handhabe, über die Grenzen Österreichs hinaus nach dem flüchtigen Verbrecher zu suchen und ihn zu verhaften. Der Straftäter wird in der Schweiz im Kanton St. Gallen vermutet.

27.3. 2006: Der 20-fach vorbestrafte Ralf Linder wird wegen Vergewaltigung seiner zum jeweiligen Zeitpunkt schwangeren Lebensgefährtinnen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Mann hatte die Frauen schwer misshandelt und gequält. Eine der beiden verlor durch den psychischen Stress ihr Baby. Ralf Linder geht in Berufung. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz der Richterin Karin Dragosits entscheidet, den Verurteilten nicht in U-Haft zu nehmen. Es seien keine Haftgründe vorhanden. Ralf Linder bleibt auf freiem Fuß.

November 2006: Berufungsverhandlung am OLG Innsbruck. Das Oberlandesgericht bestätigt das erstinstanzliche Urteil, Ralf Linder muss fünf Jahre in Haft. Er bekommt die Aufforderung, binnen eines Monats in der JA Feldkirch zum Haftantritt zu erscheinen. Sein Verteidiger beantragt jedoch Haftaufschub, dieser wird vom Gericht gewährt. Ralf Linder soll erst am 11. Jänner in der Justizanstalt erscheinen.

11.1.2007: Ralf Linder taucht unter und entzieht sich der Strafe. Das Landesgericht Feldkirch bekommt einige Tage später eine Mitteilung von der Justizanstalt. Routinemäßig ergeht dieAufforderung zur Aufenthaltsermittlung an die Polizei. Einen Haftbefehl gibt es nach “VN”-Informationen bis gestern vormittag nicht. Das heißt, dass Linder bei einer eventuellen Polizeikontrolle nur seine Daten (Wohnsitz, Aufenthaltsort, etc.) angeben muss – diese werden wiederum dem zuständigen Gericht gemeldet. Befürchten muss er bei der Kontrolle aber nichts. Diese Maßnahme wird zum Beispiel bei säumigen Alimentenzahlern angewendet, es wird dabei nicht aktiv nach dem Täter gesucht.

28.2.2007: Die “VN” erfahren vom Fall des untergetauchten Vergewaltigers und berichten zum ersten Mal darüber.

1.3.2007: Zweiter “VN”-Bericht: Gerichtssprecher Dr. Reinhard Flatz verteidigt die Entscheidung des Gerichts, den Täter nicht in U-Haft zu nehmen. Der Mann sei sozial integriert gewesen, außerdem würden die Taten schon lange zurückliegen. Eines der Opfer äußert gegenüber den “VN”, dass Ralf Linder bereits zuvor vor Antritt einer Haftstrafe geflohen sei und er ihr mit Mord gedroht habe. Dem Gericht lagen diese Information nicht vor.

2.3.2007: Dritter “VN”-Bericht: Justizpannen bei der Fahndung nach dem Flüchtigen werden deutlich. Die Recherchen ergeben: bis Freitag Vormittag existierte kein internationaler Haftbefehl gegen Ralf Linder. Gerichtssprecher Reinhard Flatz dementiert den “VN”-Bericht und äußert gegenüber dem ORF, dass es bereits am Donnerstag einen internationalen gerichtlichen Haftbefehl gegeben habe. Die Recherchen belegen jedoch zweifelsfrei: tatsächlich wurde der Haftbefehl erst am Freitag ausgestellt. Ein Anruf bei der Kantonspolizei St. Gallen ergab am Freitagnachmittag: Es gibt dort zwar seit einiger Zeit ein Fahndungsbild von Ralf Linder, aber immer noch keinen Haftbefehl. Ohne diesen hätte der Flüchtige auch in der Schweiz nicht festgenommen werden können.

Ralf Linder

Alter: 33 Jahre
Vorstrafen: 20, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten
Aktuelle Verurteilung: Vergewaltigung und Misshandlung
Auf der Flucht: seit 11. Jänner

Hinweise zum Flüchtigen an jede Polizeidienststelle.

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