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Christoph Blocher - Biedermann oder Brandstifter?

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Nun ist der Volkstribun und Milliardär Christoph Blocher wirklich der starke Mann der Schweiz. Nach dem Wahlsieg seiner nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) am Sonntag gibt es wohl niemanden mehr, der ihm seine Position streitig machen könnte.

Das rund eine Drittel an Sitzen, über das die SVP jetzt im Nationalrat des Parlaments verfügt, gibt ihm eine in der Schweiz vorher nie gekannte Macht. Der Pfarrerssohn aus Schaffhausen ist ganz oben.

Der 67-jährige mit der unmodischen Brille gibt sich mal kämpferisch, mal bieder – vor allem aber zumeist unschuldig. Vorwürfe, er heize mit seinen Reden Fremdenfeindlichkeit an und schüre Ängste weist er stets zurück. „Man wird doch die Wahrheit sagen dürfen“, ist sein Credo – ungeachtet der Auswirkungen, meinen Kritiker.

Wenn Blocher etwa fragt, „ob Minarette zur Ausübung der Religionsfreiheit wirklich nötig sind“, so gibt er gleich dazu die Antwort: „Oder sind es Zeichen der Beherrschung, die in einem christlichen Land wie der Schweiz keinen Platz haben?“. Das ist Populismus pur, sagen seine Kritiker – ein Vorwurf, der bei Blocher nicht verfängt.

Wenn man ihm vorwirft, dass er „den Braunen“ mit seinen Thesen Nahrung gebe, dann meint Blocher lediglich, darüber mache er sich auch Sorgen, doch lasse sich dies manchmal gar nicht verhindern. Die Aufregung über das SVP-Wahlplakat mit den drei Schafen, die ein schwarzes Schaf aus der Schweiz herauskicken, versteht Blocher überhaupt nicht.

„Es ist ein schönes und liebevolles Plakat“, wird er zitiert. Die Kritik der Vereinten Nationen, die in dem Plakat einen Aufruf zum Rassismus sehen, weist er mit der Bemerkung zurück, an sich sei es schon falsch, dass sich die UN da überhaupt einmischten – die Schweiz sei schließlich souverän.

Der Milliardär mit bäuerlichem Charme hat sich immer durchsetzen müssen, schon als siebtes von zehn Kindern, für das das Schulgeld nicht reichte. Er will die Schweiz auf seine Art und Weise retten – und rüttelt dabei ganz offenbar an den Grundfesten. Eigentlich ist das Volk der Souverän, die Regierenden sind nur ausführende Organe. Eine große Machtfülle ist in der Schweiz für einen einzelnen Politiker nicht vorgesehen. Blocher ändere das gerade, fürchten Landeskenner.

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