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Chodorkowski ist in Berlin

Ex-Öl-Milliardär will offenbar krebskranke Mutter besuchen.
Ex-Öl-Milliardär will offenbar krebskranke Mutter besuchen. ©AP
Der russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski ist am Freitag in Berlin gelandet. Das bestätigte ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes. Der 50-Jährige war am Freitag nach zehnjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem ihn Präsident Wladimir Putin begnadigt hatte.
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Zuvor hatten russische Gefängnisbehörden erklärt, der Chodorkowski sei auf dem Weg nach Deutschland. Er habe um seine Ausreisepapiere gebeten und dann Russland auf einem Flug nach Deutschland verlassen, teilte die Behörde auf ihrer Webseite mit. Das Auswärtige Amt in Berlin kommentierte die Angaben zunächst nicht. Die Zentralstelle der Bundespolizei in Berlin wollte sich ebenfalls nicht äußern. In deutschen Diplomatenkreisen hieß es, die deutsche Botschaft in Moskau sei an der Vorbereitung der Ausreise beteiligt gewesen. Vertreter des Auswärtigen Amtes seien auch bei den Einreiseformalitäten in Berlin behilflich gewesen.

Chodorkowski begnadigt

Chodorkowski war am Morgen nach zehn Jahren Haft aus dem Gefängnis nahe der Grenze zu Finnland vorzeitig freigelassen. Der 50-Jährige sollte eigentlich in acht Monaten freikommen. Dem früheren Ölmagnaten wurde unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen. Kritiker sprachen von politisch motivierten Prozessen, weil er Putin herausgefordert hatte. Experten sehen in der Wende den Versuch Putins, Kritiker vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Februar zu besänftigen. Putin hatte eine Begnadigung des einst reichsten Russen aus humanitären Gründen unterzeichnet und war damit einer entsprechenden Ankündigung vom Donnerstag nachgekommen. Die deutsche Bundesregierung äußerte sich über den Schritt erfreut.

Der frühere Öl-Milliardär habe darum gebeten, nach Deutschland fliegen zu dürfen, weil dort seine krebskranke Mutter behandelt werde, teilte die russische Strafvollzugsbehörde am Freitag mit. “Seiner Bitte wurde entsprochen”, hieß es zunächst.

“Ich kann es noch gar nicht fassen”

Der Kremlchef machte humanitäre Gründe für die Freilassung seines seit 2003 inhaftierten Gegners geltend. “Seine Mutter ist krank”, hatte er am Vortag gesagt. “Ich kann es noch gar nicht fassen”, hatte Chodorkowskis 79 Jahre alte Mutter Marina dem Staatsfernsehen gesagt, nachdem sie von den Neuigkeiten erfahren hatte. Sie sprach mit zitternder Stimme und musste nach eigenen Angaben Beruhigungsmittel nehmen, weil sie die Freilassung ihres Sohnes “wie eine Bombe” getroffen habe.

Verwirrung um Chodorkowski-Mutter

Die Mutter von Michail Chodorkowski befinde sich derzeit bei sich zu Hause im Kreis Odinzowo bei Moskau, teilte wiederum eine gut informierte Quelle am Freitag nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti mit. “Marina Filippowna (Chodorkowskaja) wird zwar in der Tat in Berlin medizinisch behandelt, derzeit befindet sie sich aber zu Hause im Kreis Odinzowo im Moskauer Umland”, teilte der Gesprächspartner der zu RIA Novosti gehörenden juristischen Nachrichtenagentur RAPSI mit.

Zuvor hatte RIA Novosti im Pressebüro der Strafvollzugsbehörde Russlands erfahren, dass Chodorkowski bei der Freilassung persönlich gebeten hatte, ihm Dokumente für die Ausreise ins Ausland auszustellen. Wie der Sprecher der Behörde bekanntgab, sei der ehemalige Ölmagnat nach seiner Freilassung nach Deutschland abgeflogen, wo seine Mutter medizinisch behandelt werde.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Chodorkowskis Mutter mit den Worten, sie sei nach wie vor in Moskau. Sie werde ihren Sohn aber im Ausland treffen sollte dies nötig sein. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos war am Freitag nach der Begnadigung durch Präsident Wladimir Putin aus der Haft entlassen worden.

Die krebskranke Mutter des begnadigten Kremlkritikers ist nach eigenen Angaben weiterhin in Russland. Sie sei zwar vor einiger Zeit in Deutschland behandelt worden. “Aber ich bin in Romaschkino im Gebiet Moskau”, sagte Marina Chodorkowskaja am Freitag der Staatsagentur Itar-Tass. Ihr Sohn habe sich bisher nicht bei ihr gemeldet, sagte die 79-Jährige. “Ich weiß nicht, warum sie mitteilen, dass Michail zu mir nach Deutschland geflogen ist”.

(APA)

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