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China sieht „Katastrophe“ durch SARS

Die Zahl der SARS-Fälle steigt in China weiter stark an: Innerhalb eines Tages kletterte die Anzahl der Erkrankten um 157 auf 2.158. Die Todesfälle nahmen um fünf auf 97 zu.

Vor allem für Peking gehen Experten von einem weiteren starken Anstieg der registrierten Fälle aus. Die Lungenkrankheit sei eine „Katastrophe“, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao, der Fehler im Umgang mit SARS einräumte.

Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigte ein Bericht der Pekinger Abendzeitung „Beijing Wanbao“, dass die Hauptstadt 1.000 Krankenhausbetten für SARS-Patienten vorbereite. Neue Gebäude und auch Einrichtungen außerhalb der Stadt würden in Betracht gezogen. Fast 1.000 Beatmungsmaschinen, 30 neue Krankenwagen und eine halbe Million Schutzanzüge seien bestellt worden.

Nach der Kehrtwende in ihrer Informationspolitik zu SARS hat die chinesische Regierung die Bekämpfung der Lungenkrankheit verstärkt. Nach Angaben der staatlichen Medien entsandte sie Ärzteteams in die Provinzen, um verbesserte Schutzmaßnahmen einzuleiten und den betroffenen Regionen Hilfe zu leisten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lobte die neue Entschlossenheit. Die Entlassung zweier ranghoher Behördenmitarbeiter zeige, dass die chinesische Führung nun ernst nehme, dass Transparenz beim Umgang mit der SARS-Epidemie unerlässlich sei, hieß es auf der Internet-Seite der WHO. Die beiden Entlassenen hätten „die Brisanz von SARS heruntergespielt“.

Die WHO schickte ein zweites Team nach China. Die sechs Experten wollten in Schanghai Kliniken besuchen und auch in ländliche Gebiete gelangen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Ein weiteres WHO-Team befindet sich derzeit in Peking. China hatte am Sonntag ein deutlich größeres Ausmaß der Krankheit eingeräumt. In der 14 Millionen Menschen zählenden Hauptstadt, wo Hunderte von Fällen bis Sonntag verheimlicht worden waren, wurde am Dienstag ein neuer Anstieg um 106 Patienten auf 488 gemeldet. Die Zahl der Todesopfer nahm um drei auf 28 zu.

Singapurs Armee verzichtet wegen der Lungenkrankheit SARS vorübergehend auf Manöver im Ausland. Damit solle Befürchtungen befreundeter Regierungen begegnet werden, dass durch eine Übung SARS-Erreger in ihr Land eingeschleppt werden könnten, sagte Verteidigungsminister Tony Tan. In dem tropischen Stadtstaat wurden bisher 184 Erkrankungen und 14 SARS-Tote gemeldet.

Trotz aller Schutzmaßnahmen breitet sich die Lungenkrankheit vor allem in Asien weiter aus. Malaysia und Singapur meldeten weitere Todesfälle, die möglicherweise mit SARS zusammenhängen, Indien bestätigte drei SARS-Fälle, Japan meldete erstmals zwei Verdachtsfälle.

In Hongkong stieg die Zahl der SARS-Todesopfer um fünf auf 99. Trotz der anhaltenden Gefährdung und 32 neuer SARS-Fälle am Dienstag nahmen in Hongkong rund 400 Schulen nach mehrwöchiger Schließung den Unterricht auf. Die Schüler erschienen mit Atemschutzmasken und mussten vor Unterrichtsbeginn ihre Körpertemperatur messen.

In Kanada, dem am stärksten betroffenen Land außerhalb Asiens, fürchteten die Behörden die Gefährdung hunderter Menschen in der Region Toronto. Ein großer Personenkreis könnte mit dem SARS-Erreger in Berührung gekommen sein, weil zwei Krankenhausmitarbeiter trotz Symptomen in der Öffentlichkeit aufgetreten seien, so die Gesundheitsbehörden.

Japans größte Fluggesellschaft Japan Airlines streicht nach Passagierrückgängen wegen der Lungenkrankheit und der Irak-Krise weitere Flüge. Im Mai wird die Zahl der Flüge zwischen Tokio und Hongkong abermals um die Hälfte auf sieben pro Woche reduziert.

US-Popdiva Mariah Carey verschob wegen SARS ein für Juni geplantes Konzert in Singapur. Zuvor hatte sie Auftritte in China und Hongkong abgesagt. Der Schwimm-Weltverband FINA hat zwei in China geplante Langstrecken-Weltcups gestrichen.

Die WHO plant am 17. und 18. Juni eine internationale Expertenkonferenz in Genf. Dort sollen Forschungsergebnisse und Strategien zur Eindämmung der Krankheit diskutiert werden. Die WHO registrierte bis Montagnachmittag weltweit 3.861 SARS-Fälle und 217 Todesopfer.

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