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China erlaubt Drei-Kind-Familie

China will die Zahl der Kinder erhöhen
China will die Zahl der Kinder erhöhen ©APA/AFP (Archiv)
Angesichts der nur noch langsam wachsenden Bevölkerung ändert China seine strikte Geburtenpolitik. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag nach einer Sitzung des Politbüros unter Vorsitz von Präsident Xi Jinping berichtete, soll es verheirateten Paaren künftig erlaubt sein, bis zu drei Kinder zu haben. Ziel sei es, "die Geburtenpolitik weiter zu optimieren", hieß es. Ab wann die Erlaubnis für eine "Drei-Kinder-Familie" gelten soll, blieb zunächst offen.

Erst 2016 hatte China die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik abgeschafft - in der Hoffnung, die Zahl der Babys zu erhöhen. Seither wurde offiziell eine Zwei-Kind-Politik vertreten. Auch soll das Pensionseintrittsalter nun schrittweise angehoben werden. Details dazu wurden jedoch nicht genannt. China hat weltweit eine der niedrigsten Altersgrenzen: Frauen können je nach Beruf mit 50 oder 55 Jahren in Pension gehen - Männer mit 60. Die Regelung stammt aus den Anfängen der Volksrepublik, als die Lebenserwartung niedrig war.

Hintergrund für den Sinneswandel ist die demografische Zeitbombe, die im bevölkerungsreichsten Land der Welt tickt. Die gerade erst veröffentlichte Volkszählung zeigte, dass die Einwohnerzahl im vergangenen Jahrzehnt nur noch um 5,38 Prozent auf 1,41 Milliarden zulegte und damit so langsam wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Grund dafür ist die sinkende Geburtenrate: Statistisch bekommt eine Frau 1,3 Kinder. Zugleich altert die Gesellschaft immer schneller. China liegt damit auf dem Niveau von alternden Gesellschaften wie den Industrieländern Japan und Italien. Sollte der Trend anhalten, dürfte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Bevölkerungsrückgang bevorstehen. Als Grund für den Rückgang der Geburten nannten Experten auch die hohen Kosten für Wohnraum, Ausbildung und Gesundheit.

Auf der Sitzung des Politbüros unter Vorsitz von Staats- und Parteichef Xi Jinping wurden daher "unterstützende Maßnahmen" für die Drei-Kind-Politik angekündigt. So soll die Gesundheitsversorgung vor und nach Geburten verbessert und ein universelles System zur Kinderbetreuung entwickelt werden, kündigte das Politbüro eher vage an. Die Kosten der Familien für Ausbildung sollen reduziert werden.

"Es ist notwendig, den Erziehungsurlaub, den Mutterschutz, die Vorteile bei Steuer, Wohnraum und durch andere Unterstützung zu verbessern und die legitimen Rechte und Interessen der berufstätigen Frauen zu schützen", hieß es in dem Beschluss des obersten Machtorgans der chinesischen Führung weiter.

Allerdings haben sich viele Chinesen längst daran gewöhnt, nur ein Kind zu haben. Fachleute hoben hervor, dass Chinas umstrittene Familienplanung, die durch radikale Maßnahmen das Bevölkerungswachstum bremsen sollte, das Fruchtbarkeitskonzept der Chinesen komplett verändert habe. Die heutigen Eltern stammen meist auch aus Ein-Kind-Familien und finden es aus eigener Erfahrung schon nicht ungewöhnlich, nur ein Kind zu haben.

Die Zentralbank hat in der jüngeren Vergangenheit mehrfach auf die demografischen Veränderungen hingewiesen. Diese könnten zu wirtschaftlicher Stagnation, sinkender Sparquote und fallenden Vermögenspreisen führen, während das derzeitige Pensionssystem schlecht auf den Alterungsprozess vorbereitet sei. Der Anteil der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, lag im Jahr 2020 bei 13,5 Prozent, nachdem es 2010 nur 8,87 Prozent waren.

Ob die jüngste Volkszählung aber überhaupt das wahre Ausmaß der Entwicklung widerspiegelt, blieb unklar. So wiesen Experten auf Widersprüche hin und deuteten an, dass die Lage noch düsterer sein könnte. Die genannten zwölf Millionen Geburten 2020 waren auffallend höher war als die 10,04 Millionen, die das Ministerium für öffentliche Sicherheit im Februar gemeldet hatte. Da in China rund zehn Millionen Menschen im Jahr sterben, deutet der Geburtenrückgang in Richtung Null-Wachstum oder Bevölkerungsrückgang.

Die Rivalität mit den USA hat die Dringlichkeit für China erhöht, eine stärker innovationsgetriebene Wirtschaft aufzubauen. Unter Präsident Xi Jinping zielt die Regierung darauf ab, die Abhängigkeit von ausländischen Märkten und Technologien zu verringern. "Wir sollten einen Übergang von der Bevölkerungs- zur Talentdividende machen", sagte eine mit den Plänen der Regierung vertraute Person. Die Volkszählung zeigte, dass sich die Bildung im vergangenen Jahrzehnt verbessert hat. Der Anteil der Menschen mit Hochschulbildung stieg von 8,9 auf 15,5 Prozent.

(APA/Reuters/dpa)

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