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Chile: Pinochet nicht verhandlungsfähig

Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet ist nach Angaben eines Arztes zu schwach für ein Rechtsverfahren. „Meine persönliche und berufliche Meinung ist, dass er einen Prozess nicht aushält."

Das sagte der chilenische Neurologe Sergio Ferrer am Donnerstag. Pinochets Zustand sei „viel schlechter“ geworden; besonders sein Geisteszustand habe sich „bemerkenswert verschlechtert“. Ferrer gehört zu einer Gruppe von Ärzten, die den ehemaligen Militärmachthaber im Auftrag von Ermittlungsrichter Juan Guzmàn Tapia untersucht haben. Das medizinische Gutachten wurde am Donnerstag an Tapia übermittelt, hieß es in Gerichtskreisen.

Ein von Pinochets Verteidigung benannter Gutachter hatte dem 88-jährigen Pinochet Anfang des Monats bescheinigt, dass sich sein körperlicher und geistiger Gesundheitszustand erheblich verschlechtert habe und er unter „vollständigem Gedächtnisverlust“ leide. Der Richter will aufgrund der Gutachten entscheiden, ob er einen Prozess gegen Pinochet anstrengt oder nicht. Wie aus Gerichtskreisen verlautete, könnte Tapia in der kommenden Woche einen Beschluss fassen.

Dem früheren Diktator soll wegen seiner Beteiligung an der „Operation Condor“ zur Beseitigung von lateinamerikanischen Oppositionellen in den 70er und 80er Jahren der Prozess gemacht werden. Bislang musste er sich für keines seiner Verbrechen vor Gericht verantworten. Pinochet regierte Chile nach einem Militärputsch von 1973 bis 1990. Während seiner Diktatur wurden mehr als 3000 Menschen ermordet oder verschwanden.

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