"Charlie Hebdo" und danach: Schau über Catherine Meurisse

Comic-Zeichnerin Catherine Meurisse
Comic-Zeichnerin Catherine Meurisse ©APA/AFP
Catherine Meurisse zählt zu den bekannten französischen Comic-Zeichnerinnen. Dazu trug bei, dass sie 2015 dem Attentat auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" in Paris entkam. Das Basler Cartoon-Museum zeigt nun viele Originalzeichnungen.

Catherine Meurisse war 2005 die erste Frau, die für das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" zeichnete. Im Jänner 2015 entging sie dem Terroranschlag auf die Redaktion in Paris. Die Terroristen töteten zehn Mitarbeiter und einen Polizisten; elf weitere Personen verletzten sie zum Teil schwer. Meurisse verdankt ihr Leben einer unglücklichen Liebesaffäre. In jener Nacht schlief sie so schlecht, dass sie am nächsten Tag zu spät zur Redaktion kam, und ihre Kollegen schon tot waren.

Dieses Erlebnis hat Catherine Meurisse in zwei Comics verarbeitet. "Für mich war es eine Therapie", sagt sie zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Vor allem in "La Légèrté" (Deutsch: "Die Leichtigkeit") erzählt Meurisse autobiografisch, wie ihr Leben vor und nach dem Anschlag aussah. Dabei bringt sie überraschend viel Humor in die brutale Geschichte und zeigt auf witzige Art allerlei Absurditäten auf. So muss man über die Bilder schmunzeln, obschon das Leben für Catherine Meurisse extrem bedrückend war.

Im folgenden Album "Les Grands Espaces" (Deutsch: "Weites Land") beschreibt Meurisse ihre Kindheit auf dem Lande in einem maroden Steingebäude, das ihre Eltern zu einem Bauernhof mit blühenden Garten herrichteten. Die Eltern, die aus Bauernfamilien stammen, beschreibt sie als sehr belesen. Von ihnen lernt die kleine Meurisse die Natur sowie die Literatur und Kunst kennen.

Das Thema Tod findet sich im Album mehrfach. Wenn Schweine geschlachtet oder Bäume gefällt werden, ist es, als wollte Meurisse ausdrücken, der Tod habe sie schon in der Kindheit begleitet; damals sei er aber etwas Natürliches gewesen im Gegensatz zum Terroranschlag auf das Satire-Magazin. Und immer wieder geht es um neues Aufbauen und Weitermachen.

Nach dem Massaker wandte sich Catherine Meurisse von der Tagespolitik ab und und verlegte wieder auf das Illustrieren von Kinderbüchern und Zeichnen von Graphic Novels. Ihre Themenvielfalt ist breit. Natur und Kunst bleiben ihre Hauptthemen. Die Natur als Element, das auch grösste Katastrophen überlebt. Im jüngsten Band philosophiert sie darüber, wie sich Natur ständig verändert.

Die Ausstellung im Basler Cartoonmuseum zeigt zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum Originalzeichnungen aus rund 20 Comic-Alben und vielen Magazin-Beiträgen. "Eine junge Künstlerin mit großem Werk", sagt die Direktorin des Cartoon-Museums, Anette Gehrig.

Die Ausstellung ist auf mehreren Etagen auf kleine Räume aufgeteilt. Dabei kann man den Entstehungsprozess einzelner Bilder verfolgen. "Sie verändert ihren Stil dauernd", so Annette Gehrig. Meurisse zeichnet insbesondere mit Tusch und Aquarellfarben. "Sie verbindet die Einfachheit des Comics mit malerischen Effekten", so Gehrig.

Rechtzeitig zum Ausstellungsbeginn ist der jüngste Comic-Band der 41-jährigen Künstlerin erschienen: "La jeune femme et la mer". Ein ganzer Raum ist dem Album gewidmet, das sich mit der Wahrnehmung der Landschaft und japanischer Lebensart auseinandersetzt.

Ihr Zeichnungsstil wird gerne verglichen mit demjenigen der wohl berühmtesten französischen Comic-Zeichnerin, Claire Bretécher (1940-2020), die mit ihrer Comic-Reihe "Die Frustrierten" ("Les frustrés") die Beziehungen sowie die Frauenbewegung karikierte. Im Unterschied zu Brétecher geht Meurisse liebevoller mit ihren Figuren um. Die (sexuelle) Beziehung zwischen Mann und Frau ist auch bei Meurisse Thema.

Meurisse studierte zunächst zeitgenössische Literatur und später Illustration. Sie zeichnete für Zeitungen und Magazine, wenn sie nicht Kinderbücher illustrierte. Dabei zitiert sie immer wieder literarische Werke und berühmte Gemälde.

Seit 2020 ist Catherine Meurisse Mitglied der französischen Akademie der bildenden Künste. In Frankreich zählen Comics zur etablierten Kunst: Erwachsene Bildungsbürger besitzen in Frankreich selbstverständlich eine grössere Comic-Sammlung. Im deutschsprachigen Raum hingegen werden diese Zeichnungen mit den Texten in Blasen mehrheitlich noch immer als Medium für Kinder abgetan.

(S E R V I C E - Ausstellung im Basler Cartoon-Museum, 6. November 2021 bis 13. März 2022; )

(APA/sda)

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