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"Chance, dass Bauern umsteigen"

©VOL Live/Klaus Hartinger
Bregenz - Ein Viertel der Lebensmittel in der EU landen im Müll. Konsumenten von Bio-Produkten handeln anders, sagt ein Ländle-Biobauer.

In welche Richtung soll sich die Vorarlberger Landwirtschaft entwickeln? Soll Vorarlberg ein reines Bioland werden? Dieses Fragen waren in den vergangenen Tagen lebhaft und kontrovers debattiert worden, auch vor dem Hintergrund des Dioxin-Skandals in Deutschland und so manch anderer bedenklicher Entwicklung in Europa.

Ein Viertel landet im Müll

So landet mittlerweile ein Viertel der von Haushalten in der EU gekauften Lebensmittel im Müll. Diese Zahl wurde erst diesen Mittwoch bei der Präsentation einer Studie zur Abfallreduzierung in Brüssel bekannt gegeben. Studien wie diese sind freilich ein Argument für die Biobauern. Warum? „Es heißt immer wieder, dass sich Haushalte BioProdukte nicht leisten könnten“, sagt der Dünserberger Biobauer Armin Rauch. In Wahrheit aber würden Bioprodukte von den Menschen wesentlich bewusster konsumiert: „Menschen, die Bio-Produkte kaufen, werfen diese nicht weg – nicht so wie die konventionell erzeugten Produkte.“ Und so hebe sich das Argument, Bio-Produkte seien teurer, auch wieder auf. Rauch ist in der Landwirtschaftskammer für die BioBetriebe im Land Vorarlberg zuständig – und selbst bereits seit 1995 praktizierender Biobauer.

„Positive Erfahrungen“

Er stelle „alles Mögliche“ her, sagt Rauch, „und die Erfahrungen bisher waren ausschließlich positive.“ Auch wenn die Auflagen streng sind. Nur Bio-Betriebe werden einmal jährlich kontrolliert, von einer eigenen Firma – zusätzlich zu den Kontrollen der Agrar Markt Austria im Übrigen. Der Dünserberger ist von der Bio-Produktion überzeugt: „Es wird sich im Bio- Bereich in Vorarlberg noch einiges tun – vor allem, wenn der Konsument mit solchen Skandalen, wie dem aktuellen in Deutschland, richtig umgeht – und auf Billigprodukte verzichtet.“ Ändere sich das Konsumverhalten, steige die Nachfrage, werde auch das Angebot steigen: „Dann sehe ich die Chance, dass die Vorarlberger Bauern umsteigen.“ Wobei die Landwirtschaft in Vorarlberg nach der Landwirtschaft in Salzburg bereits den zweithöchsten Anteil an Bio-Betrieben in ganz Österreich aufweist. Von den 2850 produzierenden Betrieben im Ländle sind bereits 570 BioBetriebe – das sind durchaus beeindruckende 18 Prozent. Diese 570 Betriebe teilen sich nach Angaben der Zuständigen zu je einem Drittel in milchproduzierende Betriebe, in „Mutterkuh-haltende“ Betriebe und sonstige Betriebe – Kleintiere, Obst, oder Gemüse – ein. Im Handel gibt es bereits eine entsprechend breite Palette an Bio-Produkten zu kaufen. Wer will, kann beispielsweise eigene Bio-Fleischpakete oder Bio-Gemüsekisten abonnieren. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von einem kleinen Boom sprechen: 2004 beispielsweise gab es in Vorarlberg erst 320 Bio-Betriebe. Dass sich deren Anteil innert weniger Jahre so erhöhte, ist auch mit den Förderungen im Rahmen eines Programmes (ÖPUL) zu erklären, das den Umstieg von konventioneller Landwirtschaft hin zu einer Bio-Landwirtschaft entsprechend förderte. „Dieses Programm“, sagt Rauch, „ist mittlerweile ausgelaufen, wird erst 2013 erneuert“. Das hat Folgen: Landwirte steigen im Ländle derzeit nur noch auf Bio um, wenn sie sich selbst entsprechende Vorteile in der Vermarktung erwarten, oder wenn sie selbst total überzeugte Biobauern sind.

„Klimawandel stoppen“

Wie eben der Dünserberger einer ist. Denn Bio-Produkte seien nicht nur gesünder für den Konsumenten, sondern auch in energiepolitischer Hinsicht eine alternativlose Produktionsweise. „Erst vor kurzem“, berichtet Rauch, „hat ein Weltagrarrat bei einer Tagung gesagt, dass nichts, aber auch gar nichts, an einer kleinstrukturierten biologischen Landwirtschaft vorbeiführt, um den Klimawandel zu stoppen.“ Bei allen Vorteilen – Grünen-Chef Johannes Rauch fordert ein reines Bioland Vorarlberg – gibt es eben auch Argumente, die gegen einen kompletten Umstieg, vor allem gegen einen Umstieg mit Zwang sprechen. So sagte Agrar-Landesrat Erich Schwärzler letzthin: „Bauern als Unternehmer sollen selbst entscheiden, welche Produkte sie am Markt entsprechend den Konsumentenwünschen und Markterfordernissen anbieten.“

“Biobauern gelassen gegenüber dem Skandal

Biobauer. Brüssel und Wien definieren ganz genau, welche Auflagen ein Biobauer erfüllen muss, um sich auch so nennen zu dürfen. Zusätzlich gibt es auch noch die Bio Austria, den österreichischen Biobauernverband – ein Verband, der über die ohnehin schon strengen Vorschriften nochmals eigene strikte Regeln stellt. Ein Beispiel gefällig? Ein Biobauer in der Bio Austria darf Futtermittel nur aus Österreich verwenden; Futtermittel, die daher absolut gentechnikfrei sind und beispielsweise auch garantiert keine tierischen Fette enthalten. Das ist teuer, sagt Rauch: „Konventionelles Futtermittel kostet 20 bis 25 Cent pro Kilogramm, Bio-Futtermittel das Doppelte.“ Nur bringt das eben auch die notwendige Ruhe: „Dem deutschen Dioxin-Skandal stehen wir Biobauern in Vorarlberg gelassen gegenüber – wir sind nicht betroffen.“

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