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Caritas wird an allen Ecken und Enden gebraucht

Schwarzach - In Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen leistet die Caritas 830.000 Stunden Dienst am Menschen in Vorarlberg.

„Die Caritas schaut dorthin, wo man normalerweise nicht hinsieht. Wir haben den Auftrag „Hilfe zu leisten, Hilfe zu organisieren und zu Hilfe zu befähigen“, unterstreicht Caritasdirektor Peter Klinger. Als gesellschaftspolitischer Seismograph ist die Caritas dort unterwegs, wo Menschen im In- und Ausland mit Notlagen konfrontiert sind, setzt sich für sie aktiv ein und bietet Kompetenz und Menschlichkeit. Ein breites Dienstleistungsangebot für Klienten und Kunden wird in Vorarlberg flächendeckend angeboten. Die Caritas hört auch dort auf, wenn Angebote nicht mehr benötigt werden.

Im Jahr 2006 hat die Caritas etwa 18.000 Menschen im Inland geholfen, sie ausgebildet, sie begleitet oder betreut. Im Ausland wurde tausenden Menschen bei Katastropheneinsätzen und mit Entwicklungspartnerschaften geholfen. Das vergangene Jahr war von vielen Schwerpunkten geprägt.

Mehr Sozialhilfeempfänger

In der Inlandshilfe wurde seitens der SOS Stellen festgestellt, dass immer mehr Menschen Hilfe in Anspruch nehmen, die früher der Mittelschicht zugerechnet wurden. In Vorarlberg wurde innerhalb von vier Jahren eine Zunahme von rund 35 Prozent an Empfängern der offenen Sozialhilfe sowohl Einmalunterstützung, wie auch Dauerunterstützung festgestellt. „Diese Tendenz wurde von uns aufgezeigt und seitens der zuständigen Landesrätin wurde rasch mit Maßnahmen reagiert, wie z. B. mit der Vollerfassung der Sozialhilfeempfänger und einer laufenden Systemevaluation oder der Installierung einer Expertengruppe zum Thema Armut mit den Strategien gegen die Armutsgefährdung“, so Peter Klinger.

Asylverfahren verkürzen

Die Caritas hat 2006 insgesamt 1.542 Personen in der Flüchtlings- und Migrantenberatung betreut. Die beiden größten Gruppen stellen die AsylwerberInnen in der Grundversorgung und die Konventionsflüchtlinge dar, also jene Personen, die einen positiven Asylbescheid erhalten haben und dauerhaft in Österreich bleiben dürfen. Eine große Belastung für unsere AsylwerberInnen stellen die viel zu lange dauernden Asylverfahren dar. Der Großteil der Menschen, die ohne Arbeitsberechtigung sind, warten viele Jahre auf den Ausgang ihres Asylverfahrens und sind ständig in Angst vor einem negativen Bescheid. „Wir fordern schon lange eine Verkürzung der Asylverfahren, denn dies würde die Belastung der AsylwerberInnen verringern und hohe Kosten einsparen. Zudem sind wir dafür, dass Familien, die über fünf Jahre hier leben, automatisch das Bleiberecht erhalten. Es ist verantwortungslos diese Familien nach der Integration in Schule und Beruf wieder aus diesem System zu reissen“, so Caritasdirektor Peter Klinger.

Ausbau der Hospizarbeit

In den letzten letzten Jahren wurde viel erreicht in Vorarlberg: Ein flächendeckendes Begleitungs- und Beratungsangebot für schwerkranke, sterbende und trauernde Menschen. Eine hervorragende stationäre Betreuung auf der Palliativstation Hohenems. Ein umfassendes Qualifzierungsangebot für Ärzte, Pflegefachkräfte und andere Berufsgruppen. Das Projekt „Palliative Care im Pflegeheim“. Das Projekt „Mobiles Palliativteam“ zur Beratung und Unterstützung von Hausärzten, die Hauskrankenpflege und Pflegeheimen steht kurz vor der Umsetzung und wird als Kooperationsprojekt von Hospizbewegung Vorarlberg und Palliativstation Hohenems angeboten werden. Durch dieses Trägermodell soll die gute Vernetzung von Hospizbewegung Vorarlberg und Palliativstation gefestigt werden. „Das nächste Etappenziel winkt schon in der Ferne: ein stationäres Hospiz“, so Caritasseelsorger Elmar Simma mit Blick auf den weiteren Ausbau der Hospizbewegung in den nächsten Jahren.

Auslandshilfe: Ein Netzwerk der Hilfe

Die Auslandshilfe der Caritas leistet wichtige konkrete Hilfe in den Partnerländern. Wo immer möglich arbeitet die Caritas mit Partnerorganisationen aus dem betroffenen Land zusammen. So wird sichergestellt, dass die Bedürfnisse der Menschen richtig erkannt und ihre kulturellen und gesellschaftlichen Bräuche bei der Hilfe nicht verletzt werden. Zu den Schwerpunktprojekten der Caritas Vorarlberg zählten im Jahr 2006 vor allem die Errichtung von Wohnangeboten für Strassenkindern in Rumänien, die Bildungsarbeit in Afrika und der Ausbau von Kindertagesstätten in Mosambik. Die Caritas Vorarlberg ist österreichweit federführend in Mosambik, Äthiopien und Ecuador tätig. Insgesamt wurden in zehn Ländern Projekte mit insgesamt 2.480.000 Euro unterstützt. Vermehrt werden EU-Projekte und Partnerprogramme mit dem Aussenministerium umgesetzt. Mit einer Entwicklungsfinanzierung setzten sich reiche Länder bis 2015 das Ziel, mindestens 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE) mittels Entwicklungsfinanzierung an arme Länder zu zahlen. Österreich liegt derzeit bei 0,4 % und die Erreichung der 0,7 des BNE ist nach wie vor mehr als fraglich. Bis zum Jahr 2010 wurde mit der EU eine Erhöhung auf 0,51% vereinbart – das sind insgesamt 8 Mio jährlich mehr. Kinderpatenschaften Unter dem Motto „Damit Kinder sich eine schöne Zukunft ausmalen können“ startet die Caritas nun ihr neues Kinderpatenschaftsprogramm. Damit kann vielen Kindern weltweit geholfen werden. Denn die Patinnen und Paten helfen verlässlich mit, dass die Caritas die Kinder mit dem Lebensnotwendigsten versorgen kann – mit Essen, einem Dach über dem Kopf, medizinischer Hilfe und einer Schulausbildung. Die Caritas hilft mit Zentren der Mitmenschlichkeit: mit Waisenhäusern, Straßenkinderzentren, Behinderteneinrichtungen und Schulen, damit auch alleingelassene und benachteiligte Kinder eine Zukunftschance haben. Die Patinnen und Paten übernehmen jeweils symbolisch den monatlichen Unterhalt eines Kindes, in dem von ihnen ausgesuchten Projekt. Die Höhe des monatlichen Betrags ist vom Projekt abhängig und liegt zwischen 15 und 40 Euro. Die Patenschaft kann als Dauerauftrag oder Einziehungsauftrag laufen und jederzeit storniert werden. Infos zu rund 30 Kinderpatenschaftsprojekten der Caritas gibt´s unter: www.patenschaften.at oder der Hotline: 0800/880 280.

Innovationen und Herausforderungen 2007

Caritas zeichnet sich als Organisation aus, die schnell und innovative auf neue soziale Herausforderungen reagiert. Die Herausforderungen 2007 sind einerseits im Jugendbereich mit den Projekten Startbahn und einem Pilotprojekt für Komatrinker im LKH Bregenz und Stadtspital Dornbirn. Zum anderen in der Hospizarbeit. Die Caritas scheut aber auch nicht davor zurück Angebote, die heute nicht mehr so stark gefragt sind, wieder zu schließen wie die Wohngemeinschaft Herberge in Bürs

Anfang April mit Jugendprojekt Startbahn begonnen:

Im Durchschnitt waren 2006 rund 1.700 junge VorarlbergerInnen unter 25 Jahren als arbeitslos beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet. Es gibt daneben Jugendliche, die keinen geregelten Tagesablauf kennen, keinen Schulabschluss haben und gar nicht in der Statistik aufscheinen. Die Caritas macht diesen Jugendlichen seit 1. April 2007 unter dem Titel „Startbahn“ ein Angebot für einen Jobeinstieg: Sie können nach dem Taglöhnerprinzip – jeden Abend werden die Stunden ausbezahlt – in der Caritas Tischlerei mitarbeiten. Das Projekt wird sehr gut angenommen.

Pilotprojekt „Komatrinker“

Als Krisenintervention bei jugendlichen KomatrinkerInnen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, wurde in Bregenz ein Pilotprojekt gestartet. Alkoholisierte Jugendliche werden im Krankenhaus auf der Kinderstation betreut. Im Jahr 2006 wurden rund 80 Jugendliche in die fünf Krankenhäusern eingeliefert. Der Sozialmedizinische Dienst bietet eine 24-Stunden-Rufbereitschaft an, um nach der Einlieferung eines/r jugendlichen Komatrinkers/in und vor allem auch mit den Eltern weiterzuarbeiten bzw. sie zu beraten.

Zukunftsorientierte Unterbringungsmöglichkeiten für wohnungslose Menschen

13 Jahre lang bot die Caritas-Wohngemeinschaft „Herberge“ in Bürs ein vorübergehendes Zuhause für wohnungslose Menschen. Über 120 Frauen und Männer waren seit dem in der für zehn BewohnerInnen konzipierten Wohngemeinschaft untergebracht. Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen machen nun neue Wohnformen möglich. „Vorrangiges Ziel der Wohnungslosenhilfe der Caritas ist es, betroffene Menschen in reguläre Wohnungen zu integrieren. Nun könne man die Früchte der geleisteten Arbeit ernten“, neue Konzepte seien gefragt, so Caritasdirektor Peter Klinger. Für die betroffenen Frauen und Männer wurden dabei individuelle Lösungen gefunden: Ältere, pflegebedürftige BewohnerInnen sind zwischenzeitlich in Senioren- und Pflegeheime übersiedelt, andere konnten wiederum eigene Wohnungen beziehen und werden künftig in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen ambulant betreut.

Zahlen und Fakten

Die Statistik sowie die Bilanz des vergangenen Jahres zeigen die hohe Notwendigkeit der Caritas mit ihrem Beratungs- und Dienstleistungsangebots sowie der Hilfe im In- und Ausland.

309 hauptamtliche CaritasmitarbeiterInnen haben 2006 rund 384.000 Stunden, 54 TransitmitarbeiterInnen insgesamt 86.400 Stunden und geringfügig Beschäftigte haben weitere 83.500 Stunden geleistet. Inklusive der Zivildiener mit 60.800 Stunden und jenen 215.000 Stunden der 360 Ehrenamtlichen leistete die Caritas rund 830.000 Stunden Dienst am Menschen.

Die Gesamtaufwendungen betrugen 24,14 Mio. Euro. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe wird vorwiegend durch öffentliche Kostensätze über das Land Vorarlberg aufgebracht. Der Rest stammt aus privaten Eigenerlägen, kirchlichen Beiträgen, Subventionen und Spenden.

(Quelle: Caritas Vorarlberg)

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