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Cannabis legalisieren? Umfrage auf VOL.AT zeigt ein eindeutiges Ergebnis

Rund 69 Prozent aller Befragten haben sich für eine Legalisierung ausgesprochen.
Rund 69 Prozent aller Befragten haben sich für eine Legalisierung ausgesprochen. ©dpa, Grafik: VOL.AT
Schwarzach - 5.198 Mal wurde die große VOL.AT-Umfrage zum Thema Cannabis beantwortet. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwei Drittel sprechen sich für eine Legalisierung der Droge aus.

Mit 5.198 beantworteten Fragebögen war die Rücklaufquote enorm. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber sie zeigt eine klare Tendenz. Cannabis sollte legalisiert werden. Zumindest haben sich laut VOL.AT-Umfrage zwei Drittel dafür ausgesprochen. 80 Prozent der Beteiligten waren Männer, 20 Prozent Frauen. Eine Ergebnis-Analyse zeigt, dass sich Frauen wie Männer gleichermaßen eine Legalisierung wünschen. Bei den Männern mit einem Wert von rund 71 Prozent, bei den Frauen waren es noch immerhin 60 Prozent. Insgesamt sind 68,4 Prozent Pro Legalisierung, 27,4 Prozent stimmten mit Nein, dem Rest ist es egal.

Gesellschaftlicher Querschnitt

Mit 29 Prozent war die Gruppe der 21- bis 29-Jährigen bei der Umfrage am Aktivsten, recht eindeutig vor den 30- bis 39-Jährigen (19,5 Prozent), den über 49-Jährigen mit 17,5 Prozent und den 17- bis 20-Jährigen (fast 16 Prozent). 31,76 Prozent aller Befragten haben einen Lehrabschluss, 20,67 Prozent einen Studienabschluss und 17,75 Prozent eine Berufsbildende Höhere Schule abgeschlossen. So gesehen scheint die Studie einen gesellschaftlichen Querschnitt zu repräsentieren.

Freigabe ab 18 Jahren

Eine klares Statement gaben die Befragten – im Falle einer Legalisierung – hinsichtlich des Alters ab. Insgesamt 54 Prozent der Männer und Frauen sind für eine Cannabis-Freigabe ab 18 Jahren, nur elf Prozent können sich eine Abgabe an jüngere Personen vorstellen.

Schon mindestens einmal gekifft

22 Prozent “outeten” sich als regelmäßige Cannabis-Konsumenten. In diesem Zusammenhang ist auch interessant zu erwähnen, dass rund 71 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen schon mindestens einmal in ihrem Leben zum Joint gegriffen haben. Geraucht wird dabei am Häufigsten im Freundeskreis (47 Prozent), “nur” 29 Prozent rauchen “alleine und zuhause”, 24 Prozent beim Ausgehen.

Faymann gegen Legalisierung

Das Thema Cannabis-Legalisierung polarisiert. Das zeigen auch die zahlreichen Kommentare im VOL.AT-Forum. Von politischer Seite aus gesehen sind die bürgerlich-konservativen Parteien wie ÖVP, FPÖ und BZÖ dagegen, während sich Die Grünen seit Jahren für eine Entkriminalisierung starkmachen. Die SPÖ unter Bundeskanzler Werner Faymann liegt hier auf Linie der Konservativen. So schrieb Faymann auf eine Frage im hauseigenen Parlaments-Forum: “Ich halte eine Legalisierung bzw. Entkriminalisierung von Cannabis – in Übereinstimmung mit relevanten Studien – nicht für unterstützenswert. Zahlreiche Fälle von psychischer Abhängigkeit sind bekannt und die Zahl jener, die eine Sucht entwickeln, ist nicht zu unterschätzen.”

Cannabis birgt Risiken

Cannabis-Konsum ist gesundheitsschädlich und birgt Risiken für Geist und Körper. Das ist wohl unbestritten, sachlich wird die Diskussion in Österreich jedoch nicht geführt. Zu polarisierend ist das Thema, in Diskussionen bedient man sich schnell der Stereotypen oder schwingt mit der Populismus-Keule: “Vom Joint zur Nadel.”

Diskussion auch in Deutschland

Auf offensichtlich sachlicher Ebene versucht man hingegen in Deutschland zu diskutieren. Hans-Günter Meyer-Thompson bestätigt im Rahmen einer Anhörung vor dem Deutschen Bundestag im April 2013, dass Psychosen und neurologische Schäden bei Jugendlichen bereits früher auftreten. Durch die Prohibition und Kriminalisierung würden die Probleme jedoch noch verstärkt werden, denn das Cannabis sei viel stärker als früher und würde “kriminellen Gesetzmäßigkeiten” unterliegen.

Kein “Freiland-Hanf” mehr

“Es wird versucht das Produkt viel näher an die Konsumenten heranzubringen.” Zudem werde Cannabis im Gewächshaus schneller hergestellt, sei stärker und könne man nicht mehr mit dem “alten Freiland-Hanf” von früher vergleichen. Meyer-Thompson wirft kontroverse Fragen auf: “Was macht man in einer Gesellschaft in der sich Hanf in der Erwachsenenbevölkerung steuerzahlender Familienväter und Wähler ausgebreitet hat? Bis hinein in Altersheime. Man muss sagen: Das ist Realität. Was kann man aus realpolitischer und aus medizinischer Sicht dazu beitragen um es so wenig schädlich wie möglich zu gestalten? Dieser Frage muss man sich stellen.”

Statement der ÖGGP

Ein Expertenstatement zum Umgang mit der Droge Cannabis hat vor einigen Jahren auch die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) – unter anderen mit Primar Reinhard Haller –  verfasst. Die Experten schlagen konkret vor, “dass unter voller Ausnützung der Möglichkeiten des Suchtmittelgesetzes bzw. unter Neuformulierung mancher Bestimmungen bei Erstauffälligkeiten wegen des Konsums bzw. Besitzes geringer Mengen von Cannabis das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft eingestellt bzw. ein Opportunitätsprinzip nach dem holländischen Modell verwirklicht wird. Cannabiskonsum und -handel könnten bis zu bestimmten Grenzen zudem aus dem Strafrecht herausgenommen und als Ordnungswidrigkeiten, die nach Verwaltungsermessen durch Verwarnungs- oder (bedingte) Geldstrafen zu ahnden wären, abgestuft werden. Durch solche Lösungen ließe sich das Signal, das mit einer generellen Drogenfreigabe verbunden wäre, ebenso vermeiden wie die Gefahr von Übermaßreaktion mit desozialisierenden Wirkungen”.

70 Prozent für staatlichen Handel

Laut Bernhard Amann gibt es in Österreich 800.000 Menschen, die Cannabis konsumieren. So gesehen keine unwesentliche Wählerzielgruppe, wodurch das Thema vermutlich auch noch in Zukunft die Politik beschäftigen wird. In der VOL.AT-Umfrage sprechen 72 Prozent sich dafür aus, dass der Staat für den legalen Handel von Cannabis Steuern einnehmen sollte. Angesichts der breiten Legalisierungs-Zustimmung ist die Zahl natürlich nicht überraschend. Laut Amann könnte dies 150 Millionen Euro in die leeren Staatskassen spülen.

“Hanf auf Rezept” in den USA

Dass sich die politische Einstellung in Bezug auf Cannabis jedoch ändern kann, sieht man unter anderen in den puristischen USA. Mehrere Bundesstaaten geben Cannabis auf Rezept ab, in der Schweiz müssen Kiffer mit einer Ordnungsstrafe (100 Franken) rechnen und in Portugal wird Drogenkonsum mittlerweile als Krankheit und nicht Verbrechen gesehen. Man darf gespannt sein wie sich die Situation in Österreich entwicklen wird oder ob gar die EU hier früher oder später die Diskussion – in die eine oder andere Richtung – anstoßen wird. (MSP)

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