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Viele Deutsche wollen heuer nicht verreisen

Camper-Demo in Berlin vor Abfahrt
Camper-Demo in Berlin vor Abfahrt ©APA/dpa
Fast jeder dritte Verbraucher in Deutschland (rund 31 Prozent) ist einer aktuellen Umfrage zufolge angesichts der Corona-Pandemie noch unentschlossen, ob er heuer auf Urlaub fahren soll oder nicht. Für etwa 28 Prozent der Verbraucher im für den österreichischen Tourismus mit Abstand wichtigsten Herkunftsland sind Reisen im Corona-Jahr 2021 schlicht kein Thema. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC.

Nur gut 15 Prozent der Befragten gaben an, bereits eine Urlaubsreise gebucht zu haben. Weitere 27 Prozent haben zwar noch nicht gebucht, planen aber eine Urlaubsreise.

Doch auch bei denen, die trotz Corona Urlaubspläne schmieden, hat die Pandemie spürbare Auswirkungen auf die Ferienplanung. Mehr als zwei Drittel würden nach eigener Aussage ihre Reise wahrscheinlich oder sogar sicher stornieren, wenn am Urlaubsort ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht oder sie bei der Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne gehen müssten. Jeder dritte Befragte machte bei der Umfrage die Urlaubsreise davon abhängig, vor dem Reiseantritt eine Corona-Impfung erhalten zu haben.

Die Mehrheit der reiselustigen Deutschen möchte heuer am liebsten in Deutschland Urlaub machen. Auf Rang zwei im Reiseranking liegt das europäische Ausland. Erst auf dem dritten Platz folgen weiter entfernte Reiseziele außerhalb des alten Kontinents.

Immerhin die heimischen Campingplatzbetreiber erwarten eine gute Saison. Gerade die Pandemie habe den Trend zum Camping verstärkt, heißt es von steirischen Betreibern laut ORF-Steiermark. "Ich hoffe, die Grenzen gehen auf", gab sich ein Kärntner Betreiber am Sonntag gegenüber der APA etwas vorsichtiger. Der Absatz von Campingfahrzeugen in Deutschland und Österreich ist jedenfalls weiterhin deutlich im Plus.

Und: In Deutschland gab es sogar eine Camper-Demonstration. Viele Hundert Camping-Freunde haben in Berlin mit Wohnmobilen und Wohnwagen für eine sofortige Öffnung der Stell- und Campingplätze demonstriert. Sie wollen "coronakonform" reisen.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) versucht indes, den coronabedingt darniederliegenden Tourismus Mut zu machen und lädt für 29. April zu einer virtuellen "Kick-Off-Veranstaltung" unter dem Motto "Auf geht's - Zum Comeback des heimischen Tourismus". Gemeinsam mit Praktikern sollen die Ausgangslage, Herausforderungen und Schwerpunkte diskutiert werden. Interessierte können sich unter anmelden. Dank Impfungen und wärmeren Wetters soll es ab Mai Öffnungsschritte geben.

Nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsministers Peter Altmaier (CDU) tragen die Impfungen dazu bei, schneller in die Normalität zurückzukommen. Das heiße aber nicht unbedingt, dass Geimpfte reisen dürfen: "Beim Thema Privilegien bin ich vorsichtig. Das ist erst zu rechtfertigen, wenn jeder Impfwillige tatsächlich geimpft werden kann", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". So weit sei es noch nicht. "Die Geimpften machen Party, die anderen schauen zu? Das würde nicht zum gesellschaftlichen Frieden beitragen", sagte Altmaier. Zudem müsse darauf geachtet werden, dass es mit Blick auf die Reiseregeln keine Widersprüche gibt, sagte er. "Das war zuletzt nicht immer so."

Der deutsche Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich trotz der dritten Coronawelle optimistisch, dass die Menschen im Sommer in den Urlaub fahren können. "Ich hoffe sehr, dass auch Urlaubsreisen im Sommer möglich sein werden", sagte er der "Welt am Sonntag". Das hänge unter anderem davon ob, wie die Pandemie sich in Deutschlands Nachbarländern entwickle. "Noch ist das Bild zu unklar, um genauere Prognosen zu wagen - gerade stecken wir mitten in der dritten Welle. Ich rechne aber fest damit, im Sommer im Biergarten sitzen und die nächste Bundesligasaison auch mal im Stadion verfolgen zu können", betonte der SPD-Chef und -Kanzlerkandidat

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), blickt optimistisch auf die anstehende Urlaubssaison im Sommer. "Wir erwarten für Deutschland bis Ende Juni die Lieferung von knapp 80 Millionen Impfdosen und verbessern kontinuierlich unsere Teststrategien", sagte Bareiß der "Welt am Sonntag." Deshalb sei er davon überzeugt, dass Reisen in Deutschland und Europa wieder einfacher und sicherer möglich sein werden. "Die Menschen wollen endlich wieder raus."

Es sei allerdings unumgänglich, bestimmte Sicherheitsmaßnahmen weiter aufrechtzuerhalten. Bareiß fordert, sich wie bei der Festlegung von Risikogebieten dabei nicht allein auf die Inzidenzwerte zu fokussieren. "Wichtig ist, dass wir wegkommen von den Quarantäneregeln und das Testen eine größere Rolle spielt."

Grundsätzlich sind der deutschen PwC-Umfrage zufolge Individualreisen heuer in allen Regionen beliebter als Pauschalreisen. Dazu passt, dass Appartements mit eigener Verpflegung in diesem Jahr eindeutig die bevorzugte Art der Unterkunft darstellen. Klassische Hotelzimmer folgen erst auf Rang zwei der Beliebtheitsskala.

Für die An- und Abreise zum Urlaubsziel sind das eigene Auto oder ein Mietwagen mit Abstand die beliebtesten Transportmittel. Auf Rang zwei folgt - erst mit einigem Abstand - das Flugzeug. Bahnen und Busse haben hier das Nachsehen.

Bei den deutschen Verbrauchern, die 2021 keine Reise planen, hat das laut Umfrage häufig ebenfalls mit der Pandemie zu tun. Immerhin 58 Prozent von ihnen gaben an, ihnen sei das Ansteckungsrisiko zu hoch. Und rund 39 Prozent fanden die zu erwartenden Einschränkungen am Urlaubsort zu einschneidend. Knapp jeder Dritte gab allerdings auch an, sich keinen Urlaub leisten zu können. Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich.

Von den Österreichern will auch nur ein Fünftel der Österreicher heuer im Ausland urlauben. Ebenso lediglich 27 Prozent wollen den Urlaub im eigenen Land verbringen. 39 Prozent haben gar keine Urlaubspläne im Sommer, berichtet das Magazin "profil".

(APA/dpa/AFP)

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