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Calcio Storico: Das brutalste Spiel der Welt

"Calcio Storico" in Florenz.
"Calcio Storico" in Florenz. ©APA
Florenz - Seit dem 16. Jahrhundert wird in Florenz Calcio Storico gespielt - eine Art Rugby mit wenig Regeln. Obwohl der einzigartige Sport oft brutal ist, fasziniert das bunte Spektakel Einheimische und Touristen.
Das brutalste Spiel der Welt

Nur noch wenige Meter bis zum Tor: Der Stürmer der “Weißen” klemmt sich den Ball unter den Arm und sprintet los – doch kurz bevor er sein Ziel erreicht, kommt von rechts ein muskulöser Glatzkopf herangeflogen. Mit voller Wucht rammt der Verteidiger der “Grünen” seinen Gegner um, beide kugeln in einer riesigen Staubwolke über das Feld. Auf dem umzäunten Sandplatz im Zentrum von Florenz spielt heute Weiß gegen Grün – es ist das Finale des traditionellen Calcio Storico, eines der härtesten Mannschaftsspiele der Welt.

Blutige Nasen

Erfunden wurde das Spiel Anfang des 16. Jahrhunderts als Spektakel für das Volk. Heute kämpfen jedes Jahr im Juni die Teams Weiß, Rot, Blau und Grün aus den vier Altstadtvierteln von Florenz um Ruhm und Ehre. Platzwunden und blutige Nasen gehören genauso dazu wie historische Kostüme. Mit modernem Fußball hat das Geschehen wenig zu tun, es erinnert eher an eine Mischung aus Rugby und Wrestling.

Fast alles ist erlaubt

Die Regeln sind simpel: Ein Spiel dauert 50 Minuten, Pausen und Wechsel gibt es nicht. Ziel der beiden Teams, die aus je 27 Spielern bestehen, ist es, den Ball in das gegnerische Tor zu befördern – lange Netze an der Kopfseite des Spielfelds. Um das zu erreichen, ist fast alles erlaubt – prügeln, treten und den Gegner abräumen. Nur bei besonders schweren Vergehen spricht der Schiedsrichter Platzverweise aus, Tritte gegen den Kopf oder Attacken von hinten etwa sind Tabu.

Schlägereien gehören dazu

“Calcio Storico ist sicherlich kein Sport für jeden”, gibt der Chef des Turniers, Michele Pierguidi, zu. Schlägereien abseits des Balls gehören dazu – wer dem Tor zu nahe kommt, wird umgehauen. “Um auf den Platz zu gehen, muss man bereit sein, die Spieler brauchen sehr viel Mut”, erklärt Pierguidi. “Das Spiel kann manchmal sehr hart sein.”

Tausende Zuschauer

Unter den 4500 Zuschauern ist die Stimmung dennoch schon vor dem Anpfiff bestens – sie jubeln ihren Teams zu, zünden Bengalos und stimmen Fangesänge an. Die Spieler marschieren mit entschlossenen Mienen in die Arena, viele präsentieren ihre muskulösen, tätowierten Oberkörper. Kurz vor dem Anpfiff ertönen Schlachtrufe, Salutschüsse und Getrommel, dann geht es los. Schon nach wenigen Minuten gibt es die ersten Platzverweise und blutigen Nasen, immer wieder werden Sanitäter auf den staubigen Platz gerufen, um Verletzte zu behandeln.

Aus allen gesellschaftlichen Schichten

“Man darf keine Angst haben”, sagt Francesco Bogazzo, der das grüne Team anführt. “Wir respektieren den Gegner, aber wenn man Angst hat, darf man nicht spielen.” Auch Verletzungen gehören für ihn dazu. Die sogenannten “Calcianti” sind oft schon seit Jahren dabei und kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten. “Anwälte, Ingenieure, Metzger, das ist sehr verschieden”, erklärt Pierguidi.

Mehr als nur ein Sport

Für die Florentiner ist der Calcio Storico mehr als nur ein Sport. Frenetisch unterstützen sie das Team aus ihrem Viertel, viele werden in die Tradition des Spiels hineingeboren. “Das ist eine große Tradition, oft wird es vom Vater zum Sohn weitergegeben oder vom Opa zum Enkel”, erklärt Bogazzo. Mitspielen darf nur, wer in Florenz geboren wurde oder seit mindestens zehn Jahren in der Region lebt. “Es gibt ein sehr starkes Zugehörigkeitsgefühl”, sagt Pierguidi. “Wer in einem dieser Viertel geboren wird oder lebt, schließt sich diesem Team an. Und wenn man einmal in einer Mannschaft spielt, wechselt man sie nicht mehr.” Die Tickets für das Endspiel waren innerhalb von zehn Minuten verkauft, es gab mehr als zehnmal so viele Anfragen.

Finale abgebrochen

Und das, obwohl der Sport in der Vergangenheit einige Probleme hatte. 2006 musste das Finale nach schlimmen Auseinandersetzungen abgebrochen werden, einige Spieler wurden später vor Gericht gestellt und in erster Instanz verurteilt. Die folgenden Turniere wurden abgesagt, die Zukunft des Calcio Storico war ungewiss, bis die Organisatoren 2010 mit strengeren Regeln einen Neustart wagten.

Ehrenrunde in der Arena

Dieses Jahr standen sich im Finale erstmals seit 47 Jahren die “Weißen” aus Santo Spirito und die “Grünen” aus San Giovanni gegenüber. Am Ende gewinnt das weiße Team verdient mit 4,5 zu 0,5. Blutend, nass geschwitzt und mit Sand beschmiert gehen die Sieger in der Arena von Florenz auf ihre Ehrenrunde, bevor sie in einer riesigen Jubeltraube mit ihren glückseligen Fans verschwinden. (dpa)

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