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Bush und Kerry erstmals im TV-Duell

Zwei Kandidaten streiten von Angesicht zu Angesicht um das mächtigste Amt der Welt. Fünf Wochen vor den US-Wahlen stehen sich in der Nacht zum Freitag Präsident Bush und Kerry im ersten von drei TV-Duellen gegenüber.

Themen der ersten Debatte, die an der University of Miami im Bundesstaat Florida stattfindet, werden die Außenpolitik und der Heimatschutz sein. Beide Kandidaten bereiten sich akribisch vor – schließlich wird das 90-minütige Duell von dutzenden Millionen von Wählern verfolgt werden.

Nach den meisten Umfragen liefern sich Bush und Kerry ein knappes Rennen – umso größere Bedeutung messen beide Wahlkampfteams den Fernsehduellen zu. Bei der Vorbereitung bemühen sie sich, kein Detail zu vergessen. Denn die Erfahrung lehrt, dass selbst scheinbare Nebensächlichkeiten die Wählergunst beeinflussen können: Richard Nixons berüchtigter Bartschatten von 1960 beispielsweise ließ ihn im Vergleich zum jugendlichen John F. Kennedy finster und ausgezehrt erscheinen, womit er auf die Verliererstraße geriet; Al Gore setzte sich vor vier Jahren mit seinem ungeduldigen Seufzen und Kopfschütteln dem Gespött aus, was zu Bushs spätem Aufschwung beitrug.

Ein großer Teil der ersten Debatte wird sich um den Irak drehen. Das Thema birgt Fallstricke für beide Kandidaten. Kerry, der im Senat für die Autorisierung des Präsidenten zu der Invasion stimmte, inzwischen aber von einem „falschen Krieg“ spricht, wird dem Eindruck entgegentreten müssen, dass er sein Fähnchen nach dem Wind hängt. Die Gefahr für den Demokraten ist, dass er sich dabei wieder in einer seiner gewundenen Selbstrechtfertigungen verirrt. Der demokratische Stratege Simon Rosenberg rät Kerry deshalb, sich nicht auf eine Diskussion über sein früheres Verhalten einzulassen. Er solle besser darüber sprechen, wie die heutigen Probleme im Irak zu lösen seien.

Bush wiederum, der in seiner Kampagne ein rosiges Bild von der demokratischen Zukunft des Irak zu zeichnen pflegt, muss die Kritik zu widerlegen versuchen, er habe sich in einer Phantasiewelt verloren. Bei seinen bisherigen Wahlkampfauftritten kam der Präsident mit seiner Schönfärberei ungeschoren davon – schließlich war er nur von Bewunderern umgeben, und so blieben ihm harte Fragen zum täglichen Chaos und Blutbad im Irak erspart. Für Bush komme es im Duell mit Kerry darauf an, sich nicht in die Defensive drängen zu lassen, bemerkt der Politologe Jack Pitney, der früher für die republikanische Parteiführung arbeitete: „Er muss vermeiden, wie ein verschrecktes Reh im Scheinwerferlicht auszusehen – denn daran würden sich die Leute erinnern.“

In den Fernsehdebatten geht es natürlich nicht nur um Sachthemen, sondern vor allem auch um die Charakterfrage. Auf diesem Feld hat Bush nach den Umfragen einen Vorsprung. Der Präsident kommt bei vielen Wählern an, weil er volksnah wirkt und sich auch selbst hin und wieder auf die Schippe nimmt – wie beim Parteitag in New York, wo er etwa über seine Probleme mit der englischen Sprache witzelte. Kerry muss dagegen das ihm von Kritikern angehängte Image abschütteln, er sei distanziert, steif und langweilig.

Dass die Debatten authentische Charakterbilder liefern, mag allerdings bezweifelt werden – schließlich ist der Raum für Spontaneität gering. Nicht nur, dass die Kandidaten in tagelangem Training sich auf alle denkbaren Verwicklungen einzustellen versuchen. Auch das in zähen Verhandlungen vereinbarte Regelwerk lässt wenig Spielraum für Improvisation. So dürfen Bush und Kerry beispielsweise den Platz hinter ihren Stehpulten nicht verlassen, und sie dürfen einander keine direkten Fragen stellen.

Da aber nicht alles an den Debatten planbar ist, setzen die Kandidaten ihre Hoffnungen nicht zuletzt darauf, dass dem Rivalen ein Patzer unterläuft. Das Kerry-Lager wünsche sich sicherlich, dass Bush „seine Zwillingstöchter als seine Chefberaterinnen für die Irak-Politik zitiert“, sagt Pitney. Er spielt damit auf Jimmy Carter an: Der stellte sich 1980 selbst ein Bein, indem er seine Tochter Amy als seine Beraterin für Rüstungskontrollfragen nannte.

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