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Bush - Diplomatie nach texanischer Art

Die großen Themen der Weltpolitik bespricht US-Präsident George W. Bush am liebsten bei einem gemütlichen Grillabend auf seiner Ranch in Texas.

Das 648 Hektar große Anwesen nahe dem 700-Seelen-Dorf Crawford ist zur Bühne für schwerwiegende politische Entscheidungen geworden: Hier kündigte Bush gemeinsam mit dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar im Februar 2003 die UN-Resolution an, die den Weg für den Irak-Krieg bereiten sollte.

Der erste ausländische Staatschef, der Bush auf seiner Prairie Chapel Ranch besuchte, war der russische Präsident Wladimir Putin – das war lange vor dem Irak-Krieg, im November 2001. Ob Putin diese Ehre nach seiner heftigen Kritik an der Irak-Politik noch einmal zuteil wird, ist fraglich, denn auf die Gästeliste kommt bei weitem nicht jeder Staats- oder Regierungschef.

Dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder beispielsweise dürfte dies, wenn er im Herbst nicht wiedergewählt wird, nicht mehr gelingen. Und auf die Frage eines Journalisten, ob Jacques Chirac eine Einladung nach Texas erhalten habe, antwortete Bush im Februar nach einem Abendessen mit dem französischen Staatspräsidenten in Brüssel nur ausweichend: „Ich suche einen guten Cowboy.“

Tatsächlich haben es auf die Ranch seit Beginn von Bushs erster Amtszeit im Jänner 2001 nur 14 ausländische Staats- und Regierungschefs geschafft. Während die meisten seiner Vorgänger ihre Gäste entweder im Weißen Haus oder aber auf dem Landsitz der US-Präsidenten, Camp David, empfingen, ist unter Bush die Einladung auf seine Privatranch gewissermaßen zur höchsten Ehre geworden.

Und das gerade wegen der vergleichsweise ungezwungenen Atmosphäre. Während einer Pressekonferenz des Präsidenten mit dem australischen Regierungschef John Howard lief einmal Bushs Hund durchs Bild, bei Putins Besuch spielte eine Swing-Band auf, und statt Anzug und Krawatte ist auf der Ranch ein einfaches Hemd mit offenem Kragen angesagt. Der Gastgeber trägt dazu auch gerne Cowboystiefel und dicke Gürtelschnallen. Wer nach Texas komme, der lerne seine Werte kennen, hat der US-Präsident einmal gesagt. Und: „In sein Haus lädt man nur Freunde ein.“

Ganz so einfach ist es wohl nicht. Bush hat die Einladung nach Crawford auch schon als Lockmittel eingesetzt, beispielsweise gegenüber dem früheren chinesischen Präsidenten Jiang Zemin. Ihn wollte Bush bei gegrilltem Fisch, Rippchen und Bohnensalat dazu bringen, wegen des nordkoreanischen Atomprogramms mehr Druck auf das kommunistische Regime in Pjöngjang auszuüben.

Richtig ist aber, dass die Chance auf einen Besuch der Prairie Chapel Ranch bei Kooperation mit den USA deutlich steigt: So wurden der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi und andere Verbündete mit der Einladung nach Texas für ihre Unterstützung des Irak-Kriegs belohnt. Und auf die besten Besuchszahlen kommt der langjährige US-Partner Saudiarabien: Dessen heutiger Kronprinz Abdullah war schon zwei Mal in Crawford zu Gast, zu einem weiteren Termin wurde der saudiarabische Botschafter in Washington, Prinz Bandar bin Sultan, eingeladen.

Der letzte Besuch eines deutschen Regierungschefs auf einer Präsidentenranch in Texas liegt dagegen schon 42 Jahre zurück. Der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard war 1963 auf dem Privatwohnsitz von Präsident Lyndon Johnson zu Gast, einer Ranch, die rund 160 Kilometer südlich von Bushs liegt.

Auf Johnsons Angebot habe das Bundeskanzleramt zunächst fast gekränkt reagiert, sagt der Historiker Thomas Schwartz von der Universität Vanderbilt: Eine Einladung auf eine Ranch erschien den Deutschen als weniger ehrenvoll als ein Empfang im Weißen Haus. Doch der Besuch entpuppte sich als voller Erfolg. Johnson servierte Erhard Barbecue und schenkte ihm einen großen Cowboyhut.

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