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Burmas Militärjunta weiter gegen internationale Katastrophenhilfe

©AP
Knapp eine Woche nach dem verheerenden Wirbelsturm "Nargis" in Burma zögern die Militärmachthaber noch immer, ausländische Hilfe ins Land zu lassen. Ein erstes UN-Flugzeug landete zwar am Donnerstag in Burma. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der UNO (WFP) warteten aber drei weitere Transportflugzeuge mit 38 Tonnen Hilfsgütern noch in Bangkok, Dhaka und Dubai auf ihren Abflug.

Die Militärregierung hat um internationale Hilfe gebeten, bremst zugleich aber bei der Visa-Erteilung für ausländische Katastrophenhelfer. Kurzzeitig keimte Hoffnung bei den Helfern auf, als ein thailändischer General und die US-Botschaft in Bangkok erklärten, das US-Militär dürfe Hilfsgüter in das Land fliegen. Später sagte US-Botschafter Eric John aber, die Landeerlaubnis sei doch noch nicht erteilt worden. Man bemühe sich weiter um sie.

Viele Staaten hatten eindringlich an Burma appelliert, die Helfer und Hilfsgüter endlich ins Land zu lassen, wo nach dem Wirbelsturm und der nachfolgenden Flutwelle 100.000 Todesopfer befürchtet werden. Millionen Menschen sind obdachlos geworden.

Das Auswärtige Amt in Berlin zitierte den Botschafter des Landes ins Ministerium, um eine Öffnung der Grenzen zu erreichen. Die Regierung in Burma müsse Hilfen zum Wohle der Menschen zulassen, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Diesen Appell habe man gegenüber dem Botschafter wiederholt und zugleich “eindringlich gebeten, diese Botschaft seiner Regierung zukommen zu lassen”.

Auch die Europäische Union hat die Militärjunta erneut aufgefordert, Hilfsgüter und internationale Helfer für die Opfer der Wirbelsturm-Katastrophe ins Land zu lassen. Ein Sprecher der EU-Kommission äußerte sich jedoch kritisch zum Vorschlag des französischen Außenministers Bernard Kouchner zu prüfen, ob die Möglichkeit zur Hilfeleistung nicht erzwungen werden könne: “Wir können Hilfeleistung nicht erzwingen.”

“Der Zugang nach Birma bleibt unsere größte Sorge”, sagte der Sprecher der EU-Behörde. Zwar sollten drei Mitarbeiter der EU- Hilfsagentur ECHO noch am Donnerstagabend nach Rangun einreisen dürfen. Es reiche jedoch nicht aus, ein Hilfsflugzeug der UN mit Hilfsgütern ins Land zu lassen: “Wir erwarten natürlich, dass auch andere humanitäre Organisationen solche Erlaubnisse bekommen.

Augenzeugen berichteten, im am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta sei bisher kaum etwas von Hilfsaktionen zu sehen. “Wir werden verhungern, wenn uns nichts geschickt wird”, sagte Zaw Win, ein 32-jähriger Fischer, der auf der Suche nach einem Boot durch das Wasser watete, in dem Leichen und Tierkadaver schwimmen. “Wir brauchen Essen, Wasser, Kleider und Unterkünfte”, sagte er einem Reuters-Reporter.

“Sie brauchen heute Hilfe, sie haben sie schon gestern gebraucht”, sagte der Asien-Direktor des WFP. “Sie können nicht warten, und man sollte sie nicht bitten, bis morgen zu warten.” Von entscheidender Bedeutung sei, dass die Betroffenen sofort Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung bekämen.

Eine bereits in Burma aktive britische Hilfsorganisation will ein 55 Meter langes Fluss-Kreuzfahrschiff in das Irrawaddy-Delta schicken, um dort als Hospital-Schiff Kranke zu versorgen. Das Schiff fährt ansonsten Touristen auf dem Irrawaddy zu Sehenswürdigkeiten. Jetzt werden die Kabinen zu Krankenzimmern umfunktioniert. Derzeit werde es mit Versorgungsgütern beladen; am Sonntag solle es in der Stadt Laputta eintreffen, teilte die Hilfsorganisation Merlin mit. “Das Schiff wird ein echter Lebensretter sein”, sagte Merlin-Chefin Carolyn Miller.

Die Hilfsorganisation World Vision erklärte, höchste Priorität habe die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Deren Vertreter und Gesundheitsexperte in Burma, Dr. Kyi Minn, sagte in einer Telefonkonferenz, dazu benötige man dringend Anlagen zur Wasseraufbereitung. Nach seinen Worten ist es nach wie vor schwierig, in die besonders betroffenen Gebiete zu gelangen, da die Straßen überschwemmt oder durch Bäume blockiert sind. Die Menschen in den Nachbargebieten versuchten, ihren Landsleuten zu helfen. In der weniger betroffenen Metropole Rangun normalisiere sich das Leben allmählich wieder, sagte Minn. Die Strom- und Wasserversorgung werde wiederhergestellt. Bis die Folgen des Unwetters in der Delta-Region überwunden seien, werde es aber Monate oder gar Jahre dauern.

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