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Bundesdenkmalamt plant Marktstraße unter Ensembleschutz zu stellen.

©Kathrin Galehr
„Die sensationelle Stadtplanung ist einzigartig in Europa. Hohen- ems ist ein Stadtdenkmal“. Renate Madritsch, Leiterin des Bundesdenkmalamtes in Vorarlberg, wirft geradezu mit Superlativen um sich, wenn sie von Hohenems spricht. Das Besondere an der Nibelungenstadt sei die Struktur ihrer Anlage.

Gründer Graf Kaspar ging vor mehr als 400 Jahren stadtplanerisch vor: zuerst wurde der Palast errichtet, dann die Dompropsteigasse (später Christengasse und nunmehr Marktstraße) angelegt und später das jüdische Viertel gebaut. Bereits vor Jahren wurde das jüdische Viertel unter Ensembleschutz gestellt. Nun plant Madritsch den Ensembleschutz auch auf die Marktstraße auszuweiten. „Ensembleschutz hat den Vorteil, dass auch weniger bedeutende Häuser unter Schutz gestellt werden, die einzeln gesehen nicht unter Denkmalschutz fallen würden. Viele Häuser zusammen bilden ein Denkmal“, erläutert die Leiterin. Derzeit laufen intensive Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt. Diese halten sich über ihre Position allerdings noch bedeckt. „Jetzt müssen zuerst noch viele offene Fragen geklärt werden“, heißt es aus dem Rathaus. Doch Ende September soll es dann eine Bürgerinformation geben.

„Ist bereits tot“

Dass ihr Ansinnen nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, das weiß auch Madritsch. „Es stehen jetzt schon viele Häuser in der Marktstraße leer und verfallen zusehends. Diese Straße ist bereits tot,“ nimmt sie den Gegnern den Wind aus den Segeln, die eine Entvölkerung der Straße befürchten. „Wir wollen keinesfalls verhindern, dass schönes Wohnen möglich ist. Unser Interesse gilt einzig der Erhaltung der Struktur der einzigartigen Gasse,“ so Madritsch. „Mein Wunsch ist, dass wieder Leben in die Stadt einzieht und die Stadt von den Bewohner und Menschen aus der Umgebung als Treffpunkt zum Ausgehen, Einkaufen und zum Leben angenommen wird.“

Geteilte Meinungen

„Eine Renovierung wird unerschwinglich, wenn das Denkmalamt erst einmal mitredet. Dann gibt es Vorgaben über Vorgaben“, gibt sich der Geschäftsmann Georg Märk von der gleichnamigen Buchhandlung in der Marktstraße erzürnt. „Sollte es wirklich so weit kommen, dass die Straße unter Ensembleschutz gestellt wird, dann werde ich mein Haus verfallen lassen.“ Die Bereitschaft zum Ensembleschutz seitens der Hauseigentümer, so Märks Einschätzung, fehle weitgehend. Ganz anders als diese skeptische Stimme hört sich die Einschätzung einer Bewohnerin des angrenzenden jüdischen Viertels an, die bereits Erfahrung mit dem Denkmalamt gemacht hat. „Die kostenlose Beratung und die Erfahrungen des Denkmalamtes mit Alt- haussanierungen waren sehr wertvoll“, berichtet Nina Willam und verweist auf den Aufschwung, den das jüdische Viertel seit den denkmalpflegerischen Impulsen genommen hat.

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