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Deutscher Wirtschaft steht 2023 nur milder Abschwung bevor

Nagel: Kein Zweifel, dass Deutschland zu stabilen Preisen zurückkommt
Nagel: Kein Zweifel, dass Deutschland zu stabilen Preisen zurückkommt ©APA/dpa
Trotz anhaltender Inflationsgefahr und der massiven Coronawelle in China droht Deutschland im neuen Jahr voraussichtlich kein tiefer Wirtschaftseinbruch. Dies sieht die Bundesbank so und auch die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier. Die Top-Ökonomin erwartet zwar zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge: "Aber mittlerweile bin ich so optimistisch zu sagen: Wir erleben keine Megarezession und schon gar nicht eine Deindustrialisierung Deutschlands."

Das sagte Malmendier im Gespräch mit dem "Handelsblatt" am Montag. Auch Bundesbank-Chef Joachim Nagel geht davon aus, dass Deutschland mit einem milden Abschwung davonkommt.

"Und ich bin zuversichtlich, dass wir die hohe Inflationsrate mittelfristig in den Griff bekommen werden. Der EZB-Rat ist sich seiner Verantwortung sehr bewusst", sagte Nagel in einem Interview der "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" (ZfgK). Das Statistikamt Eurostat legt am Freitag die Daten zu den Verbraucherpreisen in der Eurozone im Dezember vor. Experten erwarten einen Rückgang der Inflationsrate auf 9,7 von 10,1 Prozent im November.

Auch wenn der Preisauftrieb damit nicht mehr im zweistelligen Prozentbereich liegt, ist für die Europäische Zentralbank (EZB) noch keine Entwarnung angesagt. Nach der jüngsten Erhöhung um einen halben Prozentpunkt liegt der Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, bei 2,00 Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde machte deutlich, dass die Zinsen für eine gewisse Zeit weiter im Tempo von 0,50 Prozentpunkten steigen müssen, um den Preisauftrieb zu dämpfen.

Laut Malmendier stellen die hohen Energiepreise eine enorme Belastung für die Wirtschaft dar: "Die Unternehmen sind aber auch äußerst anpassungsfähig. Die Preise gehen schon wieder zurück." Sie treibe zugleich eine andere Sorge um: "Mich beunruhigt die Lage in China", sagte die Ökonomie-Professorin von der US-Universität Berkeley, die seit September Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ist.

Angesichts der Coronawelle in der Volksrepublik nach der abrupten Abkehr von dem strikten Null-Covid-Kurs und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen gelte es für Deutschland einen Notfallplan aufzustellen: "Wenn die chinesischen Häfen und Fabriken geschlossen werden, weil fast alle Beschäftigten krank sind, zieht das dramatische wirtschaftliche Folgen nach sich", warnte die Ökonomin. Nach ihrer Ansicht würden dann die Lieferketten wieder einbrechen und damit die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte enorm in die Höhe treiben. "Ich hoffe sehr, dass die Bundesregierung für diesen Fall schon Notfallpläne entwickelt." Deutschland brauche einen "China-Schutz-Crashkurs".

Chinas Staatschef Xi Jinping habe gemerkt, dass seine Null-Covid-Politik gescheitert sei: "Jetzt schwingt das Pendel auf die andere Seite aus: Peking verfolgt offenbar statt einer Null-Covid- eine Hundert-Prozent-Covid-Politik. Wenn aber die Lockerungen in China zu weit gehen, werden die Infektionszahlen explodieren", warnte das Mitglied in dem Expertengremium, das die deutsche Regierung in Wirtschaftsfragen berät. Es gebe bereits Befürchtungen, dass es mehrere Millionen Tote geben könnte. Denn die Volksrepublik habe keinen funktionierenden Impfstoff.

Da es in Europa einen solchen gebe, wäre es aus Sicht Malmendiers gut, wenn China diesen zulassen und kaufen würde, um seine Bevölkerung zu schützen: "Gleichzeitig wäre das enorm wichtig für die Wirtschaft, sowohl in China als auch bei uns und anderen Handelspartnern."

(APA/Reuters)

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