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Buchhalterin im Kaufrausch zweigte 700.000 Euro ab - Prozess

Eine langjährige Buchhalterin der Wiener Mietervereinigung ist am Donnerstag am Landesgericht rechtskräftig wegen Untreue zu zweieinhalb Jahren Haft, davon zehn Monate unbedingt verurteilt worden. Die 44-Jährige zweigte zwischen Februar 2011 und Oktober 2019 insgesamt 700.000 Euro ab, indem sie in 78 Fällen fingierte Buchungen erstellte und die entsprechenden Beträge aus der Handkasse entnahm. In 103 Fällen tätigte sie Überweisungen auf ihr Konto bzw. Konten ihrer Gläubiger.

1997 hatte die Angeklagte eine Lehre bei der Mietervereinigung begonnen. Sie arbeitete sich von der Sekretärin zur Buchhalterin empor. Dass ihr großes Vertrauen geschenkt wurde und man ihr nicht penibel auf die Finger sah, machte sie sich zunutze, als sich bei ihr eine Kaufsucht herausbildete, die sie mit ihrem Einkommen allein nicht mehr finanzieren konnte.

"Das ist eine ernsthafte, jahrelange Erkrankung gewesen. Diese psychische Erkrankung ist ärztlich bestätigt. Sie hat auch eine Therapie gemacht", sagte Verteidigerin Astrid Wagner. Die Buchhalterin erwarb im Lauf der Zeit nicht nur 200 Kleider, die sie sich in ihre Garderobe hängte, sie bedachte auch ihre Freunde regelmäßig mit großzügigen Geschenken, gönnte sich kostspielige Urlaube und investierte in ihr Haus samt Garten im Bezirk Wiener Neustadt.

"Ich wäre froh gewesen, wenn die Kontrollen besser funktioniert hätten. Mir tut das Ganze furchtbar leid", stellte die Angeklagte fest. Als ihre Malversationen aufflogen, hatte die Therapie gegen ihr Suchtverhalten bereits gegriffen - seit dem Frühjahr 2019 war es ihr gelungen, nicht mehr überbordende Einkäufe zu tätigen.

Georg Niedermühlbichler, Wiener Landesvorsitzender und Präsident der Mietervereinigung Österreichs (MVÖ), wies als Zeuge Unterstellungen zurück, der Angeklagten wäre es zu leicht gemacht worden, sich am Vermögen der Mietervereinigung zu vergreifen: "Wenn man keinen Anker hat, keinen Anhaltspunkt, ist das schwer zu finden. Über unsere Konten gehen sieben Millionen Euro im Jahr, und das bei sieben verschiedenen Konten." Einige tausend Überweisungen fielen da an, die man nicht einzeln überprüft habe. "Sie war eine sehr vertrauenswürdige Mitarbeiterin. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als das aufgekommen ist", betonte Niedermühlbichler. Die Angeklagte habe ihre Manipulationen "sehr gut verschleiert".

Mittlerweile hat man bei der Mietervereinigung das Buchhaltungssystem geändert. Heute wäre es nicht mehr möglich, jahrelang unbemerkt Geld auf fremde Konten zu transferieren, bekräftigte Niedermühlbichler.

Um den angerichteten Schaden gutzumachen, hat die nach Bekanntwerden ihrer Machenschaften fristlos entlassene Buchhalterin ihr Haus zum Verkauf ausgeschrieben. Über eine beliebte Online-Plattform hat sie auch ihre 200 Kleider veräußert. "Sie ist sicher bestraft genug. Es ist ihre Existenz weg. Ihr Leben ist zerbrochen", bemerkte Verteidigerin Wagner abschließend.

(APA)

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