"Briefe von radikalisierten Verfassern im Rathaus"

Bgm. Andrea Kaufmann zeigt sich besorgt, gerade wenn es um die Situation vor Krankenhäusern gehe.
Bgm. Andrea Kaufmann zeigt sich besorgt, gerade wenn es um die Situation vor Krankenhäusern gehe.
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Die Dornbirner Bürgermeisterin und Gemeindeverbandspräsidentin Andrea Kaufmann über Drohgebärden von Maßnahmen-Kritikern und den Schutz von Krankenhauspersonal.

VOL.AT: Als Präsidentin des Gemeindeverbands: Wurden Sie oder weitere Bürgermeister-KollegInnen in Vorarlberg bereits offen bedroht? Wie geht man von kommunalpolitischer Seite mit solchen Anfeindungen um?

Andrea Kaufmann: Ich spreche täglich mit den Bürgerinnen und Bürgern und erhalte dabei viel Zuspruch. Kritik und Frustration an der aktuellen Situation sind selbstverständlich auch dabei. Persönliche Anfeindungen habe ich noch keine erlebt, wenngleich deutlich spürbar ist, dass die Menschen nach fast zwei Jahren Pandemie müde werden. In den vergangenen Wochen sind bei uns im Rathaus immer wieder Schreiben eingelangt, die eine gewisse Radikalisierung der Verfasser aufzeigen. Die Absender der Briefe existieren gar nicht, weshalb wir von einer organisierten Aktion Einzelner ausgehen können. Dieselben Schreiben haben auch andere BürgermeisterkollegInnen erhalten. Drohungen sind mir nicht bekannt. Es ist wichtig, dass wir die aktuelle Entwicklung gut im Auge behalten und den Menschen, die teilweise verunsichert und skeptisch sind, positive Perspektiven anbieten. Sollten Grenzen überschritten werden, muss natürlich gehandelt werden. Für mich völlig unverständlich sind Aktionen, mit denen die derzeit wirklich nicht einfache Arbeit unserer Krankenhausmitarbeiter:innen diskreditiert wird.

VOL.AT: Wie ist die allgemeine Stimmung im Gemeindeverband angesichts der Corona-Maßnahmen-Politik von Land und Bund?

Andrea Kaufmann: Die Städte und Gemeinden tragen die Maßnahmen selbstverständlich mit, weil sie notwendig sind. Ich gehe davon aus, dass das von den Kolleg:innen in den Vorarlberger Rathäuser auch so gesehen wird und bekomme auch entsprechende Rückmeldungen. Das wichtigste ist nach wie vor die Absicherung unseres Gesundheitssystems und wir sehen derzeit einmal mehr, wie schnell sich die Situation in den Krankenhäusern zuspitzen kann. Der Gemeindeverband ist eine zuverlässige Stütze sowohl für das Land als auch für den Bund und ein wichtiger Ansprechpartner für die Vorarlberger Gemeinden. Als Servicestelle und Kommunikationsdrehscheibe konnten wir die Gemeinden in den bereits fast zwei Jahre Pandemie sehr gut unterstützen. Das ist letztlich auch unsere Aufgabe, der wir mit einem gut aufgestellten und professionell arbeitenden Team gerne nachkommen.

VOL.AT: Wie kann man die entstandenen Risse in unserer Gesellschaft kitten?

Andrea Kaufmann: Dass die Corona-Pandemie, mit den fast schon zwei Jahre andauernden Einschränkungen, die Menschen ermüdet, ist nachvollziehbar. Wir werden genau darauf achten müssen, dass die Frustration vieler Menschen nicht weiter angefeuert und politisch missbraucht wird. Gerade jetzt ist es wichtig, Solidarität zu zeigen und zusammenzustehen, denn nur so kommen wir als Gesellschaft aus dieser Krise heraus. Die angespannte Situation ist spürbar und ich hoffe, dass wir nach der Krise wieder zu einem wertschätzenden Miteinander zurückfinden werden.

"Kein Verständnis für Aktionen, die Krankenhauspersonal schlecht machen"

Kein Verständnis habe ich für Aktionen, bei denen die Arbeit der Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die in dieser Krise ihr Bestes geben und sich für die Pflege und Betreuung von CoronapatientInnen aufopfern, schlecht gemacht wird. Wir werden darauf achten, dass hier keine Grenzüberschreitungen erfolgen. Ich diskutiere täglich mit vielen DornbirnerInnen; der Großteil der Mitbürger:innen zeigt sich solidarisch. Ängste und Bedenken Anderer sind selbstverständlich ernst zu nehmen und zu respektieren. Die Radikalisierung einiger weniger, die wir natürlich auch sehen, ist problematisch, weil sie auch auf andere einwirken. Vielfach geht es dabei gar nicht mehr um die Pandemie, sondern um ganz andere Themen und oft auch um die persönliche Frustration einzelner. Die neuen Medien bieten hier Plattformen, die ihnen eine leider überproportional laute Stimme geben. Auch darauf sollten wir achten und den Menschen Perspektiven und Auswege anbieten. Es wird einiges an Gesprächen und Zeit benötigen, die Risse, die sich derzeit in der Bevölkerung auftun, wieder zu schließen. Hier werden wir alle gefordert sein.

Alle Infos zur Corona-Pandemie im umfangreichen Special.

(VOL.AT)

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