Brennpunkt Marktplatz Dornbirn

Brennpunkt Dornbirner Marktplatz - W&W sprach mit Opfern und Verantwortlichen.
Brennpunkt Dornbirner Marktplatz - W&W sprach mit Opfern und Verantwortlichen. ©Andreas Uher
Dornbirn - Häufen sich unte der Woche Übergriffe auf dem Dornbirner Marktplatz? Am Wochenende sorgen Securitys für Sicherheit. Der 49-jährige Helmut* wurde in einer Donnerstag Nacht Opfer einer Prügelattacke. W&W hat mit ihm darüber gesprochen.

WANN & WO: Was genau ist dir am Marktplatz passiert?

Helmut: Ich bin selbst Gastronom und war in Hugos-Bar nach dem Feierabend am Donnerstag mit ein paar Kollegen noch etwas trinken. Gegen 2 Uhr habe ich das Lokal verlassen und wollte durch die Passage beim Kleinen Luger gehen. Dort wurde ich von hinten niedergeschlagen. Es waren mindestens zwei Personen, könnten aber auch mehr gewesen sein. Nach dem ersten Schlag bin ich mit dem Kopf auf die Pflastersteine geknallt und war bewusstlos. Als ich wieder aufgewacht bin, war ich blutüberströmt. Die meisten Wunden sind rasch verheilt, aber von dem Tag werde ich wohl auch eine Narbe im Gesicht behalten.

WANN & WO: Was war der Grund für den Angriff?

Helmut: Sie prügelten mich ohne Grund. Persönlich war es sicher nicht, sonst hätte ich glaube ich mehr abbekommen. Ziemlich rampuniert war ich aber trotzdem. Ich hatte auch ein paar hundert Euro dabei, die wurden mir auch nicht abgenommen. Ich gehe davon aus, dass die Angreifer ausschließlich darauf aus waren, jemand X-Beliebigen krankenhausreif zu schlagen, was echt schockierend ist.

WANN & WO: Was hast du gemacht, nachdem du aufgewacht bist?

Helmut: Ich bin erst mal nach Hause gegangen und habe mich notdürftig selbst versorgt. Daran, zur Polizei zu gehen, habe ich auch gedacht, aber wen sollte ich denn anzeigen? Was sollte ich der Polizei sagen? Das Einzige, was ich gesehen habe, war ein Schatten, dann hat es schon geknallt. Ich kann nicht einmal sagen, ob es zwei, drei, oder mehr Angreifer waren. Ich habe schon sehr wild ausgesehen, bin am nächsten Tag trotzdem arbeiten gegangen. Das ist für mich die beste Therapie. Das Ganze hab ich unter „Zur falschen Zeit am falschen Ort” verbucht.

WANN & WO: Ist Dornbirn um 2 Uhr in der Nacht an einem Donnerstag die falsche Zeit und der falsche Ort?

Helmut: Ich bin schon lange am Marktplatz unterwegs und kenne das eigentlich nicht so. Früher war am Donnerstagabend noch mehr los in der Stadt, aber auch damals hab ich nie von so etwas gehört. Wenn sich so etwas häuft, fände ich das schon sehr besorgniserregend. Unter der Woche rechnet man aber sicher nicht damit, dass man vollkommen grundlos krankenhausreif geschlagen wird!

* Name von der Redaktion geändert

Weiteres Opfer am Dornbirner Marktplatz

3 Fragen an Wolfgang (35), der ebenfalls am Dornbirner Marktplatz überfallen und schwer verletzt wurde.

Wie hat sich der Überfall zugetragen?

„Ich war an einem Donnerstag mit ein paar Kumpels etwas trinken. Als wir gegangen sind, bin ich als einziger in die andere Richtung gegangen. Aus heiterem Himmel wurde ich von hinten angesprungen und zu Boden geworfen. Es war ein junger Mann, vermutlich Anfang 20. Nach der ersten Attacke ist er mir innerhalb weniger Sekunden mit voller Absicht mit beiden Beinen auf meinen linken Knöchel gesprungen.”

Warum hat der Täter von dir abgelassen?

„Ich habe gleich ordentlich Lärm gemacht, meine Kollegen haben mich gehört und sind zurückgekommen. Der Angreifer hat dann in Windeseile das Weite gesucht. Ich habe mich aber gefragt, warum er ausgerechnet mich attackiert hat. Hat er mich verwechselt? Dem ist es sicher nicht um Geld gegangen. Er wollte mich vollkommen unnötig, aber mit voller Absicht einfach nur schwer verletzen.”

Welche Verletzungen hast du erlitten?

„Ich habe die Schwere meiner Verletzung erst am nächsten Tag realisiert. Mein linker Knöchel war mehrfach gebrochen. Mir mussten sieben Schrauben und eine Metallplatte eingesetzt werden. Das Ganze war natürlich mit mehreren Operationen verbunden. Insgesamt hatte ich etwa sechs Wochen lang einen Gips. Nachdem die Schrauben in einer weiteren Operation entfernt worden waren, war ich noch weitere zwei Wochen im Krankenstand.”

„Vor Lokalen für Sicherheit zu sorgen, ist nicht Aufgabe der Stadt”

Hubert Winder,, Kommandant Stadtpolizei Dornbirn: „Wir stellen keine auffällige Häufung solcher Vorfälle fest. Das kann aber auch daran liegen, dass hier oft keine Anzeige erstattet wird. Auch wenn die Chancen zur Aufklärung gering sind, ist es doch wichtig, es auf jedem Fall zu melden. Wenn wir etwas nicht wissen, können wir auch nichts dagegen unternehmen. Wir können auch nicht ständig am Marktplatz stehen, denn es gibt noch andere Brennpunkte in Dornbirn, zum Beispiel am Bahnhof. Grundsätzlich ist es aber nicht Aufgabe der Stadt, vor Gewerbelokalen für Sicherheit zu sorgen. Darum haben wir auch die Lösung mit den privaten Securitys empfohlen.

„Von einer ,unsicheren Situation’ kann keine Rede sein.”

Ralf Hämmerle, Stadtkommunikation Amt der Stadt Dornbirn: „Laut Auskunft der Stadtpolizei Dornbirn wurde in den vergangenen Monaten keine signifikante Zunahme von Straftaten auf dem Dornbirner Marktplatz verzeichnet. Klar ist, dass sich auf stärker frequentierten Plätzen mehr Menschen treffen und es bei diesen Begegnungen auch zu Konflikten kommen kann. Von einer ,unsicheren Situation’ kann jedoch keine Rede sein. Die Stadtpolizei Dornbirn ist regelmäßig vor Ort und patrouilliert laufend durch die Innenstadt.

Statements von Lokalbetreibern am Marktplatz

Oliver, Hugos-Bar: „Früher war am Marktplatz teilweise schon sehr viel los. Besonders als das Vismut abgebrannt ist, waren auch immer mehr Jugendliche in der Stadt unterwegs. Auch das Klientel von manchen Lokalen, die es heute nicht mehr gibt, war teilweise für Radau verantwortlich. Es gab Fälle von Vandalismus, Leute wurden angepöbelt und es gab auch Gewalt. Damals konnte man in der Dunkelheit kaum mehr über den Marktplatz gehen. Wir Lokalbetreiber haben dann beschlossen, dass wir mit der Stadt gemeinsam etwas unternehmen müssen, um für eine gewisse Grundsicherheit zu sorgen. Es ging auch um das allgemeine Gefühl, das die Leute mit dem Marktplatz verbinden. Daher haben sich ein paar Lokale zusammengetan und bezahlen einen privaten Sicherheitsdienst, der am Freitag und Samstag am Marktplatz präsent ist. Mir war das auch ein persönliches Anliegen – schließlich gehe ich ja mehrmals die Woche in der Nacht über den Marktplatz nach Hause. Die Zusammenarbeit der Securitys mit der Stadtpolizei funktioniert sehr gut.An den Wochenenden ist es seit der Installation der privaten Securitys merkbar ruhiger geworden.”

Florian, Anziehbar: „Wir bezahlen jeden Monat schon relativ hohe Summen für die Sicherheit in und vor unserem Lokal. Es ist aber scheinbar notwendig und nicht nur wir sind froh, wenn in der Innenstadt für Sicherheit gesorgt ist. Dass hier gleich mehrere Lokale an einem Strang ziehen und gemeinsam dafür aufkommen, finde ich eine coole Lösung. Wir Barbetreiber sind ja am arbeiten und können nicht ständig alles beobachten. Die Sicherheitsleute sind genau dafür da, auch untereinander mit Funk vernetzt und können so viel schneller vor Ort sein, als die Polizei. So können sie schon im Vorfeld für Ruhe sorgen und wenn nötig auch noch die Polizei verständigen. Das klappt wirklich sehr gut. Dass es am Dornbirner Marktplatz einigermaßen ruhig ist, liegt im Interesse von uns allen. So profitieren eigentlich alle, die am Marktplatz unterwegs sind. Wenn man nicht einmal mehr am Marktplatz sorglos um Mitternacht unterwegs sein kann, ist das wirklich schlimm. Natürlich würde ich mir wünschen, dass die Stadt hier auch etwas aktiver wird und sich zumindest mit einem finanziellen Beitrag an der Sache beteiligt.”

Ike, Mr. John’s: „Jährlich gebe ich rund 20.000 Euro für Security aus. Das ist ein ganz schöner Batzen. Ich glaube aber, das Geld ist gut und sinnvoll investiert. Als wir vor einigen Jahren diesen Sicherheitsdienst am Marktplatz ins Leben gerufen haben, hat das sehr positive Resonanz gebracht. Die Fälle von Vandalismus oder Ruhestörung haben am Wochenende weitestgehend aufgehört. Aus dieser Gemeinschaft der Lokale ist auch noch mehr entstanden, wie zum Beispiel das Event ,Hörbar’. Indem wir uns zusammengetan haben, können sich auch kleinere Betriebe beteiligen. Das Stadtmarketing übernimmt für uns die Administration und gibt uns auch sonst Rückendeckung. Die Stadt selbst will sich leider nicht direkt beteiligen. Natürlich kann nach wie vor etwas passieren, besonders, wenn um 2 Uhr alle Lokale schließen müssen und dann 300 bis 400 Leute gleichzeitig auf dem Marktplatz sind. Da braucht es nur einen ganz kleinen Prozentsatz an Krawallmachern. Gerade vor ein paar Tagen wurde einer meiner Mitarbeiter überfallen und ausgeraubt. Eine Verlagerung dieser Vorfälle auf Wochentage wäre allerdings sehr besorgniserregend.”

Hier die ganze WANN & WO-Ausgabe online lesen.

(WANN & WO)

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