Partnerschaft Bregenz - Beyoglu

Beyoğlu ist das Zentrum des modernen Istanbul
Beyoğlu ist das Zentrum des modernen Istanbul ©privat

Jugendvereine wollen Städtepartnerschaft mit türkischer Stadt – Politiker nicht abgeneigt. (Ein Bericht von Franz Steiner)

BREGENZ. Eine Städtepartnerschaft mit Beyoglu – der Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises der türkischen Provinz Istanbul und gleichzeitig ein auf der europäischen Seite gelegener Stadtteil Istanbul – streben der “Verein Motif” und das Jugendzentrum “Between”an. Unterstützt werden sie dabei von Mario Lechner, Ersatzmitglied der “Grünen” in der Bregenzer Stadtvertretung. “Schon seit Jahren bestehen freundschaftliche Kontakte zwischen Beyoglu und Bregenz. In den vergangenen Wochen habe ich ein Konzept für eine Städtepartnerschaft zwischen Beyoglu und Bregenz erarbeitet”, erklärt dazu Mario Lechner im Gespräch mit der VN-Heimat.

Austauschprogramme

Die Kontakte zwischen Istanbul bzw. Beyoglu und Bregenz reichen in die 1990er-Jahre zurück. Das damalige städtische Gastarbeiterreferat hatte Kontakt zum Verein zur Betreuung von Straßenkindern in Istanbul (Umut Çoçukları Derneri) aufgenommen. Diese Kontakte wurden bis heute fortgeführt. Von 2004 bis 2009 organisierte das Jugendzentrum Between vier europäische Jugendaustauschprogramme mit Istanbul. Zu Ostern 2010 haben “Between” und “Motif” eine Studienreise in die Kulturhauptstadt Istanbul organisiert, an der über 50 Personen aus Vorarlberg, vorwiegend aus Bregenz, teilnahmen. Die Reise wurde vor Ort von der Stadtverwaltung Beyoglu unterstützt. “Bregenz ist eine Einwanderungsstadt. Mindestens ein Viertel der Bregenzer Bevölkerung – vermutlich aber mehr als 30 Prozent – haben einen Migrationshintergrund”, meint Lechner.

“Wertvoller Beitrag”

“Die größte Gruppe unter den Bregenzer Migranten stammt aus der Türkei. Drei Mitglieder der 36-köpfigen Stadtvertretung sind türkischer Herkunft. Es bestehen daher unzählige informelle und formelle Beziehungen zwischen Bregenz und der Türkei. Integrationspolitik ist eine kommunale Schwerpunktaufgabe. Eine Städtepartnerschaft kann dazu ein wertvoller Beitrag sein”, begründet Mario Lechner den Vorstoß, der auch von der zuständigen Stadträtin Annette Fritsch (SPÖ) begrüßt wird. Zweifel hegt sie allerdings daran, ob Beyoglu die richtige Wahl ist: ” Beyoglu ist eine pulsierende, europäisch geprägte Großstadt mit rund zehn Mal so viel Einwohnern wie Bregenz. Wir sollten die bereits vorhandenen Kontakte jedenfalls weiter pflegen. Ob eine Städtepartnerschaft aber der richtige Weg ist, darüber muss noch mit allen Fraktionen in der Stadtvertretung beraten werden.”

Vorsichtige Zustimmung

Michael Rauth (VP) steht einer Städtepartnerschaft mit Beyoğlu nicht ablehnend gegenüber, möchte diese Frage aber erst in der Fraktion besprechen. “Auch wenn die Partnerschaft mit Akko eingeschlafen ist, stellt sich die Frage, ob eine weitere Städtepartnerschaft neben Bangor sinnvoll ist.” Von den im Stadtrat vertretenen Parteien sieht Mario Lechner jedenfalls “vorsichtige Zustimmung signalisiert”. Beyoğlu ist zwar wesentlich größer als Bregenz, “aber jedenfalls ein kompetenterer Partner als irgendeine unbekannte Kleinstadt in Anatolien” versucht er Bedenken zu zerstreuen.

Bregenz ist eine Einwanderungsstadt. Mindestens ein Viertel der Bregenzer Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund.

Infos über Beyoglu

– Beyoglu wurde im 13. Jahrhundert als genuesische Handelskolonie gegründet. Bekannt wurde es unter seinem griechischen Namen Pera. Im 14. Jahrhundert wurde der Stadtteil umfriedet. Als letzte Spur des Festungswalls blieb der Galataturm erhalten. Das Gebiet des heutigen Stadtteils Beyoglu war jedoch schon Jahrtausenden zuvor bewohnt. Die Stadt wurde nach der Errichtung des Galataturms vom Kaiser Theodosius II. auch Galata genannt. Pera wurde zu einem wichtiger Knotenpunkt für europäischen Händler, vor allem aus Genua und Venedig. – Auch wenn das osmanische Reich und die Republik Venedig öfters Kriege und Schlachten geführt hatten, bestanden doch intensive Handelsbeziehungen. Die Venezianer waren schon vor der Schlacht vor Wien 1683 auf den Geschmack osmanischer Köstlichkeiten wie Kaffee gekommen. Diesen Beziehungen verdanken Venedig und später ganz Italien die heutige reiche Kaffeekultur. – Heute ist Beyoglu das Zentrum des westlich geprägten Istanbul. Übrigens: Der 17-fache türkische Rekordmeister, UEFA-Pokal- und Supercup-Sieger, Galatasaray Istanbul kommt aus Beyoglu, aus dem namensgebenden Viertel Galata. – Beyoglu heißt das gesamte Gebiet zwischen Goldenem Horn und der ersten, Europa mit Asien verbindenden Brücke. Der Stadtteil gilt allgemein als der europäischste unter den Istanbuler Stadtteilen.

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