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Bregenz ohne Gösser

(Beitrag von Hermann Thüringer)

Eine Institution der Gastlichkeit schließt sang- und klanglos, weil sich der kleine Wirt Kaspar Greber nicht den Forderungen des großen, Heineken gehörenden Konzernmultis Brauunion unterwarf. Mit diesem Lokal, das wie kein anderes für echtes Lokalkolorit sorgte, geht wieder ein Stück Altbregenz verloren. Die Lokale werden wie die Läden zu beliebig austauschbaren Abziehbildern und Ketten, wie sie weltweit anzutreffen sind.
Die Gösser in dieser Form ist – bald war – aber einmalig.

Ich erinnere mich vieler genussreicher “Sitzungen” mit Freunden, leider auch mancher Beerdigung, die hier bei Bier und Gulasch einen tröstenden Anstrich erhielt, eines kommunikativen Wirts Kaspar, immer persönlich begrüßend und zu witzigem oder ernstem Gespräch bereit. Nicht zuletzt sei an die glanzvollen Bockbieranstiche erinnert, bei denen Kaspar zu rhetorischer Hochform auflief und kabarettreif die Politik aufs Korn nahm. Vielen Fass anstechenden Spitzenpolitikern bot dieser Abend populäre Auftrittsmöglichkeit. Sie schweigen jetzt auffallend. Beim letzten Mal, November 2010, fielen nochmals vollmundige Versprechen von allen Seiten. Man werde an der Gösser festhalten, sich mit Kaspar sicher einigen, zu wichtig sei dieser Standort. Alles Schall und Rauch.

Wie schon gesagt: ein Stück Altbregenz stirbt weg, damit erleidet Bregenz wieder einen starken Verlust seiner Individualität und seiner sicht- und erlebbaren Geschichte. So betrachtet ist Familie Kinz für den Erhalt des “Hirschen” hoch zu danken.

Die Gleichgültigkeit, wie die Bregenzer Bürger dieses Aus aufnehmen, stimmt mich nachdenklich. Vielleicht nützt doch noch jemand das Forum, um sich mit meinem Bedauern zu solidarisieren.

“VN”-BÜRGERFORUM Bregenz
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