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Bregenz boomt, Riezlern leidet

Bregenz/Riezlern - Sehr unterschiedlich bewertet Casino- und Lotterien-Generaldirektor Karl Stoss die beiden Niederlassungen in Vorarlberg: "Bregenz ist nach wie vor unser bester Standort. Ich würde mir wünschen, dass es überall so gut läuft", erklärt der gebürtige Vorarlberger im Gespräch mit den "VN.

Das Casino im Kleinen Walsertal hat dagegen stark an Attraktivität verloren: „Der Tourismus spürt die Wirtschaftskrise, als Finanzplatz hat das Walsertal auch an Bedeutung eingebüßt und im Allgäu wurden Automatenhallen eröffnet. Wenn es so wie heuer im Winter an 90 Tagen stark schneit, überlegen sich Tagesgäste leicht einmal, ob sie die Fahrt ins Kleinwalsertal auf sich nehmen.“ An eine Schließung beziehungsweise Verlagerung des Standorts denkt Stoss derzeit ebenso wenig wie beim Casino in Bad Gastein, das gleichfalls zu den Sorgenkindern zählt. „Die Lizenzen für die insgesamt zwölf österreichischen Casinos laufen Mitte 2012 (Bregenz, Wien, Innsbruck, Graz) beziehungsweise Mitte 2015 (Kleinwalsertal) aus. Sie müssen EU-weit ausgeschrieben werden, und bevor da keine Entscheidung gefallen ist, werden die Casinos keine großen Investitionen oder Veränderungen vornehmen.“

117 Euro Spielertrag

Das gilt auch für das „Mus­tercasino“ in Bregenz. „Wir werden 2010 den Gastronomiebereich renovieren, aber sonst keine größeren Investitionen vornehmen.“ Die geringe Investitionsbereitschaft hängt insgesamt wohl auch mit der Gesamtentwicklung zusammen: Der „Brutto-Spielertrag“ pro Besuch – das ist die Summe, die ein Gast jeweils im Durchschnitt am Spieltisch oder am Spielautomaten verliert – ist gegenüber dem Vorjahr von 120 auf 117 Euro zurückgegangen. Insgesamt haben heuer 800.000 Besucher einmal oder mehrmals ein Casino besucht. Im Schnitt sind sie dreimal gekommen: Es wurden 2,4 Millionen Einzelbesuche registriert, um 0,8 Prozent weniger als 2008. Sorgen bereitet Karl Stoss die Entwicklung des „Kleinen Glücksspiels“: In ganz Österreich stehen in Gaststätten knapp 20.000 Glücksspielautomaten, von denen nur 8000 legal zugelassen sind. Zum Vergleich: Die Casinos betreiben in ihren Casinos insgesamt 1850 legale Automaten. Erlaubt ist das „Kleine Glücksspiel“ überhaupt nur in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und in Kärnten. Allein in Vorarlberg stehen 500 bis 700 „illegale“ Automaten, schätzt Stoss. Für die „verbotenen“ Automaten werden naturgemäß auch keine Steuern entrichtet.

Glücksspielnovelle

Stoss hofft, dass die längst überfällige Novelle des Glücksspielgesetzes Ordnung schafft. Am liebsten wäre ihm, dass die Automaten über einen Computer im Finanzministerium laufen, sodass alle Umsätze kontrolliert werden können. Gegen eine bundeseinheitliche Regelung legt sich vor allem die Wirtschaftskammer quer, weil zahlreiche Gastronomen um eine einträgliche Einnahmequelle fürchten. „Im Frühjahr 2010 sind Kammerwahlen“, gibt Stoss zu bedenken. Jene Bundesländer, in denen das Automatenspiel erlaubt ist, fürchten bei einer Neuordnung um ihre Abgaben. Vom internationalen Teil der Casino-Aktivitäten (Casinos Austria International) will Stoss möglichst schnell 49 Prozent verkaufen. Der Erlös soll in neue Aktivitäten in Nord- und Südamerika sowie in Südostasien investiert werden. Stoss kann sich sowohl einen strategischen Partner als auch einen Finanzinvestor als neuen Partner vorstellen.

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