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„Brauchte unbedingt eine Elvis-Kassette“

Hanno Pinter steht seit über 25 Jahren auf der Bühne.
Hanno Pinter steht seit über 25 Jahren auf der Bühne. ©MiK
WANN & WO traf Monroes-Sänger Hanno Pinter im Gasthof Engel zum Sonntags-Talk über sein Leben zwischen Jugendarbeit und der Bühne.

WANN & WO: Du gehörst zu den erfolgreichsten Musikern Vorarlbergs. Stimmt es, dass du fast Skifahrer geworden wärst?

Hanno Pinter: Nach der Hauptschule und einem Jahr in der Handelsschule in Lustenau habe ich in die Skihandelsschule in Stams gewechselt. 84/85 bin ich Schülerstaatsmeister geworden. Danach kam der Sprung von den Kids zur Jugendmannschaft. Nachdem ich mich schwer verletzte – meine Kniescheibe war gespalten –, habe ich nie wieder richtig Anschluss gefunden. Es war der ungünstigste Zeitpunkt für so eine Verletzung und bei dem Niveau, das es bei unseren Talenten im Ländle damals schon gab, war der Zug für mich abgefahren. Leute wie Hermann Maier, Marc Giradelli oder mein guter Freund Mario Reiter, die sich nach noch schwereren Verletzungen wieder zurückgekämpft haben zeigen, was der Unterschied zwischen Champion und Talent ist.

WANN & WO: Hattest Du Dein ganzes Leben viel mit Sport zu tun?

Hanno Pinter: Ich komme aus einer sportlichen Familie, meine Mutter rennt heute noch jeden Berg hinauf. Ganz früh habe ich mit Judo begonnen, der Verein in Lustenau hat sich aber aufgelöst. Damals war Eishockey sehr populär in der Schmugglergemeinde. Das hätte mich gereizt, aber da meine Mutter Skifahrerin war, sind wir öfter in die Berge gegangen.

WANN & WO: Angeblich gibt es von Dir ein legendäres EHC-Trikot. Was ist das Besondere an diesem mysteriösen Shirt?

Hanno Pinter: Ich hatte drei, du meinst aber sicher das „Bourbon Joe“-Trikot (lacht). Ich weiß nicht mehr genau, wie der Spitzname entstanden ist. Ich bin in der Berufsschule neben einem heutigen W&W-Mitarbeiter gesessen. Das muss auf seinem Mist gewachsen sein. Ein Lehrer kam dann mit „Bourbon Joe“ daher.

WANN & WO: Bist du immer noch ein großer Whiskey-Liebhaber?

Hanno Pinter: Ehrlich, ich vertrage dieses Zeug nicht mehr. Damals waren aber gerade „Guns n‘ Roses“ aktuell und als Jungmusiker hast Du gedacht, dass Du bei der Whiskey-Sache mitmachen musst. Die Zeiten der „Six Bottles of Whiskey“ sind aber vorbei – was bleibt ist die Stimme, die immer noch danach klingt (lacht).

WANN & WO: Wie hat das mit der Musik angefangen?

Hanno Pinter: Ich habe mit Harry Kräuter in der Offsetdruckerei Schwarzach eine Lehre gemacht. Er hat mich dann mit auf eine der Blues-Sessions im Jazzhaus mitgenommen. Mit 17, 18 Jahren sind wir da hingegangen und hatten riesigen Spaß. Dort habe ich die Woodstocker, Christof Waibel und Michael Percinlic, kennengelernt. Das mit der Band „Woodstock“ lässige Zeiten und ich wünsche allen Jungen, dass sie auch so eine Zeit erleben dürfen. Wir waren eine riesige Clique und überall dabei. Jeder, den man in Lustenau kannte, war in einer Band oder im Umfeld einer Band. Da hat es riesige Feste gegeben. An diese Zeit denke ich gerne zurück.

WANN & WO: Warum die Vorliebe für die 50er- und 60er-Jahre?

Hanno Pinter: Das wurde uns in die Wiege gelegt. Unsere Väter sind in dieser Zeit groß geworden. Die erste Kassette habe ich mir auf der Kilbi gekauft – ich brauchte unbedingt eine Elvis-Kassette.

WANN & WO: Hat dieser Sound im Gegensatz zu moderner Musik eine andere Halbwertszeit?

Hanno Pinter: Er hat überhaupt keine Halbwertszeit. Twist oder Rock ’n’ Roll kommen beim Skater gut an, oder bei denen, die die Zeit erlebt haben. Das Flair aus dieser Zeit hat etwas Besonderes. Bei Autos und Motorrädern kommt der Retro-Style zurück. Hersteller wie Moto Guzzi, Harley Davidson, Kawasaki oder Triumph bauen wieder alte Motorräder. Die Kulturwelt holt sich Einflüsse von früher, die damals schon cool waren und es heute noch sind. Es kommt auch sicher wieder die Zeit für lange Haare, Koteletten und Trompetenhosen.

WANN & WO: Fährst Du Motorrad?

Hanno Pinter: Ich bin momentan wieder auf der Suche nach einem guten Moped, nach etwas, das zu mir passt. Angefangen habe ich mit einer Kawasaki W650, so einem Triumph Bonneville-Verschnitt. Später hatte ich eine Honda 750 Four, dann lange eine Harley. Als nächstes kam eine Triumph Bonneville. Ich muss sagen, dass mir momentan eine Moto Guzzi ganz gut gefallen würde.

WANN & WO: Welche Tour ist dir am meisten im Gedächtnis geblieben?

Hanno Pinter: Auf dem Rückweg von Kroatien hat es einmal geschneit – im August! Das war die kalte Hölle und zuhause habe ich mich erst mal zwei Stunden in die Badewanne gelegt. Wenn ich daran zurückdenke, friere ich heute noch.

WANN & WO: 2005 gab es einen beruflichen Ausflug in die Politik. Du warst Sportgemeinderat in Lustenau. Würdest Du heute auch wieder für die FPÖ in den Ring steigen?

Hanno Pinter: Ich würde überhaupt nicht mehr politisch aktiv werden. Es ist eine super Erfahrung, wenn man in der eigenen Gemeinde etwas bewegen kann. Politiker muss man aber mit Leib und Seele sein, wofür ich der Falsche war. Ich gehe in der Musik und in meinem Beruf als Jugendarbeiter auf. Ich habe niemals bereut, dass ich gekündigt habe. Politik lebt von Schlagzeilen und verliert dadurch viel an Hausverstand und Handschlagqualität. Die Leute werden mit so vielen Eindrücken bombardiert, da ist es nicht verwunderlich, wenn am Ende nur ein plakativer Satz hängenbleibt.

WANN & WO: Wie gefällt Dir Dein Job als Jugendarbeiter?

Hanno Pinter: Ich mache ihn seit 19 Jahren und habe viel erlebt. Am wichtigsten ist, dass die Jugendlichen wissen, dass sie sich auf Dich verlassen können. Dann bist Du eine Person, der sie vielleicht nicht alles, aber auf jeden Fall mehr erzählen. Wenn sie ein Problem haben, kommen sie auf den zu, dem sie vertrauen. Wenn sie Mist gebaut haben, muss man sich auch mal vor sie stellen und sie verteidigen, auch wenn es nicht die eigene Meinung ist. Es ist wichtig, dass sie wissen: ,Hoppla, zum Hanno kann ich gehen.‘ Das zeichnet einen guten Jugendarbeiter aus. Er muss auch mal komplett abseits des Mainstream agieren und das Schulbuch mal Schulbuch sein lassen können. Sich hinstellen und es mit Leidenschaft machen, ist genau der Punkt. Ich war nie so ein leidenschaftlicher Politiker wie Jugendarbeiter! Wenn ich einmal merke, dass mir die Jungen nicht mehr vertrauen, ist es Zeit, aufzuhören.

WANN & WO: Hilft es, wenn man selbst nicht das brävste Kind war?

Hanno Pinter: Das ist etwas, das viele Erwachsene vergessen: Dass sie selbst auch mal junge Lauser waren und auch ihre Feste gefeiert haben. Es hilft auf alle Fälle, wenn man selbst Dinge erlebt hat. Man versteht die Jugendlichen besser, wenn man sich das vor Augen hält und weiß z.B. genau, wenn sie nicht die Wahrheit sagen. Das sind coole Momente, wenn man sagen kann: ,So, jetzt haben wir uns genug angelogen, jetzt reden wir mal Tacheles.‘ Wenn sie dann auspacken, weißt Du, dass du einen Draht zu ihnen hast. Dann ist es auch wert, für sie einzustehen, vielleicht auch mal für sie Prügel einzustecken. Wenn sie dadurch nur ein bisschen in die richtige Richtung gelenkt werden, ist es wert, mit ihnen zu arbeiten.

WANN & WO: Hast Du auch schlechtere Zeiten erlebt?

Hanno Pinter: Abgesehen von privaten Dingen, über die ich in diesem Rahmen nicht weiter sprechen möchte, eigentlich kaum. Klar gibt es Rückschläge, aber im Vergleich zu anderen Problemen ist das Pipifax.

WANN & WO: Wie sieht es mit Groupies aus?

Hanno Pinter: Wir alle sind glücklich verheiratet oder in Beziehungen und es ist auch wichtig, in ein gutes Nest heimkehren zu können. Was das anbelangt, sind die Monroes immer sehr solide und unspektakulär gewesen – sehr vorarlbergerisch eben. Die Band spielt bei uns allen zuhause eigentlich kaum eine Rolle. Ich weiß von meinem Vater Bruno, dass es oft nicht lustig ist, Profimusiker zu sein. Bei Wind und Wetter, in Höhen und Tiefen muss man auf der Bühne stehen, immer lächeln. Bei uns ist es etwas anderes, denn die Monroes sind wir nur, wenn wir die Krawatte anhaben. Profi zu sein, würde auch oft heißen, abhängig zu sein.

WANN & WO: Wie meinst Du das?

Hanno Pinter: Wir hatten beispielsweise einen Auftritt beim Harley-Treffen in Faak am See, auf den wir uns sehr gefreut hatten. Als wir auf der Bühne standen, wusste der Veranstalter nicht einmal, wer wir sind! Wir marschierten in Anzug und Krawatte auf und er sagte nur: ,Seid ihr wahnsinnig? Wisst ihr überhaupt, wo ihr hier seid? Wenn es nach zwei, drei Songs nicht passt, drehe ich euch den Strom ab! Dann könnt ihr euren Kram packen und verschwinden!‘ Das ist, als ob Hubi Nagel zur Austria sagt: ,Ab aufs Spielfeld, ihr verliert eh.‘ Nach dem dritten Song hat es gut geklappt und es war die größte Party, die dieser Typ je hatte. Auf sein ,Supa! Moachma next Joa wieda!‘, haben wir nur gesagt, er braucht uns nie wieder anrufen. Wir sind ein Zelt weiter gegangen, in dem wir seit 14 Jahren spielen – auch heuer wieder. Der beißt sich heute noch in den Hintern, aber als Profimusiker hätten wir uns das wohl nicht leisten können. Wir können Dinge auf Handschlag machen, was Vieles einfacher macht.

WANN & WO: Kann man mit Musik noch finanziell erfolgreich sein?

Hanno Pinter: Es ist wichtig zu machen, wovon man überzeugt ist. Ein Gaballier, dem jeder gesagt hat: ,Mit dem Namen und steirischem Dialekt? Vergiss es!‘, hat sein Ding durchgezogen und der Erfolg gibt ihm Recht. Ähnlich verhält es sich auch beim HMBC. Die sind fantastische Musiker und haben auch als sie eingeschlagen haben gesagt: ,So Freunde, wir machen aber weiter unser Ding!‘ Das finde ich geil und es zeigt jungen Bands, dass es geht. Egal was Du machst, tu was Dir gefällt! Ob du Hardcore, Death-Metal oder Volkstümliche Musik machst, tu es! Reinhold Bilgeri hat mal gesagt: ,Egal ob du vom Nordpol oder vom Südpol kommst, wenn Deine Zeit da ist, ist sie da!‘ Das gehört eigentlich in Stein gemeißelt.

WANN & WO: Apropos Bilgeri, ich habe gelesen Du schreibst Drehbücher?

Hanno Pinter: Ja, ich schreibe schon länger und den Krimi „Hinterland“ habe ich mit Robert Buchschwenter, meinem Autorenpartner, schon länger in der Pipeline. Wir sind vor ein paar Monaten wieder mit Stefan Ruzowitzky zusammen gesessen. Wir denken an einen Veröffentlichungstermin 2018, aber das so zu sagen, traue ich mich erst, wenn ich im Kino sitze und der Film läuft. Mit Ruzowitzky habe ich mich 2006 das erste Mal getroffen. Er wollte den Film „Hinterland“ nach meinem Drehbuch machen, der Produzent nicht. Das Buch drehe sich um einen historischen Stoff und stattdessen haben sie dann ,Die Fälscher‘ gemacht – keine schlechte Entscheidung (schmunzelt). Ich habe Stefan vor einem Jahr angerufen und ihm die Unterlagen nochmal geschickt. Er möchte den Film immer noch machen und wir haben auch einen Produzenten gefunden, mit dem ich in die Drehbuchschule gegangen bin.

WANN & WO: Worum geht es in „Hinterland“?

Hanno Pinter: Es ist ein Thriller, der 1922 im Wien der Zwischenkriegszeit spielt. Ein Kriminalbeamter kommt nach sieben Jahren aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Es gibt eine mysteriöse Mordserie und er merkt plötzlich, dass sie mit ihm zu tun hat.

WANN & WO: Geht es oft darum, sich einfach etwas zu trauen? Ich hab gehört, dass ihr mal bei Krokus wegen einem Song angerufen habt.

Hanno Pinter: Krokus, die Schweizer Hard-Rocker, haben vor einiger Zeit ihr Comeback gefeiert. Die waren mit Größen wie AC/DC, Def Leppard oder Twisted Sister auf der Bühne. Wir haben in der Zeitung von ihrem Comeback gelesen und beim Management in Hamburg angerufen, ob sie Interesse an einem fremden Song haben. ,Wenn der Song gut ist‘, hat es geheißen. Wenn er nicht gut wäre, hätten wir nicht angerufen. ,Na gut, schickt mal her!‘ Eine Viertelstunde später ging das Telefon: ,Hallo, hier Chris von Rohr, Bandgründer von Krokus. Wir haben nur gesagt, er braucht sich nicht vorzustellen, wir kennen ihn wahrscheinlich besser als er selbst, haben seine Bücher gelesen etc. Der Song hat was!‘ Schlussendlich wurde ,Hoodoo Woman‘ der Titelsong des Albums und gewann Platin. Es hat sich gezeigt: machen, nicht reden! Da sind sind Leute wie Harry Kloser, Marque oder unsere Skiasse echte Vorbilder. Wir haben mit Marc Girardelli, Patrick Ortlieb, Anita Wachter, Kitty Greber und Co. Typen, die trotz Rückschlägen nie den Kopf in den Sand gesteckt haben. Das sind Vorbilder für die Jungen, das sind auch Vorbilder für mich. Sie sind echte Champions!

WANN & WO: Was kommt von den Monroes in nächster Zukunft?

Hanno Pinter: Wir arbeiten an einer neuen EP, die wahrscheinlich im Herbst erscheinen wird. Im Sommer sind wir wieder mit Andi Gaballier unterwegs, beim Stadtfest in Krems sind wir wieder dabei und in Faak am See natürlich auch. Außerdem sind wir auch bei der einen oder anderen TV-Show mit von der Partie. Langweilig wird uns bestimmt nicht.

Hanno Pinter

Geboren: 1970

Herkunft: Lustenau

Wohnort: Dornbirn

Karriere: Sänger bei „Woodstock“, heute bei „The Monroes“; 2005 bis 2010 Sportgemeinderat (FPÖ) in Lustenau; Drehbuchautor; Jugendarbeiter in Liechtenstein

Homepage: www.monroes.cc

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