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"Brauchen keine Anwälte mehr"

Mäder (VN) - Die Beziehung von Walter und Monika Sch. – ein aufwühlendes Protokoll des Scheiterns.
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Am 7. oder 8. September dieses Jahres erschoss der 68-jährige Walter Sch. seine Ehefrau Monika, 54, und richtete sich anschließend selbst. Es war der Schlusspunkt einer völlig zerrütteten Beziehung. Die Probleme des Paares, das nur zwei Jahre beisammen war, fingen schon vor der Verehelichung am 27. November des Vorjahres an. Und setzten sich danach mit immer größer werdender Härte fort. Schon drei Tage nach der Hochzeit wandte sich Monika Sch. an ihre Anwältin Gabriele Pfandlsteiner. Ihr Mann habe ihr erklärt, dass er die im Ehevertrag (dieser liegt den VN vor) fixierte monatliche Unterhaltszahlung von 700 Euro nicht leisten könne, weil er nur 1200 Euro im Monat als Pension beziehe. Der Ehevertrag sah überdies vor, dass Walter Sch. für Monika Sch. im Falle einer Scheidung eine komplette Wohnung im ersten Obergeschoss des Hauses einzurichten habe.

Anzeige an PI Altach

Immer wieder ging es um Materielles. So forderte Monika Sch.’s Anwältin Pfandlsteiner Walter Sch. noch im Juli dieses Jahres auf, die Bankomatkarte für ihre Mandantin wieder freizuschalten. Zuvor, am 27. April 2010, war es zu einem aktenkundigen Konflikt gekommen. Monika Sch. erstattete bei der Polizeiinspektion Altach Anzeige wegen Körperverletzung gegen ihren Mann. Dieser habe sie am Vortag an die Wand gestoßen, wo sie mit dem Kopf hart aufgeschlagen sei. Auch habe er ihr einen Faustschlag in den Bauch versetzt. Im Zuge dessen kam es zu einer Anzeige gegen Walter Sch. bei der Staatsanwaltschaft. Beide Eheleute wurden daraufhin einvernommen – am 18. Mai stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren dann allerdings ein. Anwältin Pfandlsteiner wandte sich mit einem Schreiben an die Gewaltschutzstelle des Instituts für Sozialdienste in Feldkirch. Darin erwähnte sie auch, dass Walter Sch. seiner Mandantin mit Erschießen gedroht habe.

„Es geht uns gut“

Die Vorwürfe, die Monika Sch. in Besprechungen mit ihrer Anwältin gegen ihren Gatten äußerte, reichten bis zu tiefen persönlichen Vorhaltungen. Er würde sich nicht waschen und duschen, neben das WC pinkeln, um sie zu ärgern, sexuelle Übergriffe durchführen – sind nur einige der erwähnten Vorwürfe. Doch auch Walter Sch. suchte schon bald einen Anwalt auf – den bekannten Strafverteidiger German Bertsch. Dieser bezeichnet den späteren Mörder und Selbstmörder als sehr scheuen Mann. „Er wollte bis zu seinem Tod nie, dass ich ein Schreiben aufsetze, in dem das Wort Scheidung auftaucht. Es sollten Briefe sein, welche seine Gattin zu einem besseren Verhalten auffordern. Bertsch hatte zufällig auch mit Monika Sch. Kontakt. „Sie kam einmal mit einer Freundin zu mir, die ich verteidigte. Da sagte ich noch scherzhaft zu ihr: Sie sind ja meine Gegnerin.“ Am 4. August, einen Monat vor der Tragödie, traf Bertsch Monika Sch. bei der Verhandlung ihrer Freundin wieder. „Sie erzählte mir, es ginge ihr mit ihrem Mann jetzt gut. Anwälte würden keine Geschäfte mehr mit ihnen machen.“ Das Blutdrama überraschte beide Anwälte. „Ich bin immer noch total geschockt und muss mich erst wieder sammeln“, gestand Gabriele Pfandlsteiner den VN am Mittwoch.

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