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Bombenanschlag in Indonesien

Zwei Bombenanschläge auf einen belebten Markt in Indonesien haben am Samstag mindestens 22 Menschen das Leben gekostet. 40 weitere wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Der Anschlag ereignete sich in der vor allem von Christen bewohnten Ortschaft Tentena auf der Insel Sulawesi. Augenzeugen zufolge gab es eine kleinere und dann etwas später eine schwere Explosion, die den ganzen Markt zerstörte.

Die erste Bombe sei in der Nähe einer Bank im Stadtzentrum explodiert, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei. Die Explosion sollte nach Polizeiangaben möglichst viele Menschen an dem Ort zusammenströmen lassen. 15 Minuten später sei vor einer Polizeiwache in der Nähe die zweite Bombe explodiert. Die Fensterscheiben der Gebäude in der Umgebung seien zersplittert. Ärzte im Krankenhaus klagten über fehlende medizinische Versorgung für die Opfer. So gebe es nicht genügend Blutkonserven, um die Verletzten zu versorgen.

Vizepräsident Jusuf Kalla schrieb die Tat Terroristen zu. Die Explosionen hätten keinen Bezug zu den Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen in der Region. Ziel der Täter sei es offenbar, für Unruhe in der Region zu sorgen, erklärte Kalla. In der Nähe einer Kirche wurde etwas später ein nicht explodierter Sprengsatz entdeckt.

Unter den Opfern der Anschläge in Tentana seien keine Ausländer; das Muster und die verwendeten Bomben wiesen aber auf die islamistische Organisation Jemaah Islamiyah (JI) hin, teilte die Polizei mit. Das flüchtige JI-Mitglied Azahari Husin habe womöglich neue Mitglieder auf Sulawesi rekrutieren können. Vor wenigen Tagen hatte die Polizei gewarnt, Husin werde hinter Bombendrohungen gegen Ölfirmen auf der Insel Borneo westlich von Sulawesi vermutet. Vor zwei Tagen schlossen die USA ihre diplomatischen Vertretungen in Indonesien, nachdem es Hinweise auf einen geplanten Anschlag gegeben hatte.

Auf Sulawesi gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Zusammenstöße zwischen Christen und Moslems; mehr als tausend Menschen wurden getötet. Im Dezember 2001 handelte die Regierung ein Friedensabkommen aus, das die Unruhen aber nicht vollständig beendet hat. Die renommierte Friedenforschungs-Organisation International Crisis Group machte im vergangenen Jahr in einem Bericht die Islamistengruppe KOMPAK für den Großteil der Gewalt in der Region verantwortlich. KOMPAK soll auch lose Verbindungen zur Jemaah Islamiyah haben. Die Anschläge sind die folgenschwersten in Indonesien seit drei Jahren, als auf der Insel Bali 202 Menschen starben, vor allem ausländische Touristen.

Die Bevölkerung Indonesiens ist mehrheitlich muslimisch, in der Provinz Mittel-Sulawesi leben aber etwa gleich viele Christen und Muslime. Indonesien ist das bevölkerungsreichste islamische Land.

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