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Börsengang für scheidenden Spar-Chef Drexel "absolutes Tabu"

Drexel leitete 20 Jahre den Spar-Konzern.
Drexel leitete 20 Jahre den Spar-Konzern. ©APA
Nach 31 Jahren als Spar-Vorstand und 20 Jahren als Firmenchef übergibt Gerhard Drexel (65) per Jahresende sein Amt an Fritz Poppmeier (55) und wechselt in den Aufsichtsrat. Damit führt erneut ein Mitglied der Gründerfamilien den österreichischen Handelskonzern. "Wir wollen nicht an die Börse und werden nie an die Börse gehen. Das ist bei uns ein absolutes Tabu", sagte Drexel im APA-Interview.

Die Spar-Österreich-Gruppe befindet sich zu 93 Prozent im Besitz der heimischen Gründerfamilien Drexel, Poppmeier und Reisch und einigen weiteren österreichischen Klein-Gesellschaftern, die teilweise ebenso zu den Gründerfamilien gehörten oder durch spätere Übernahmen dazukamen. "Wenn man an die Börse geht, hat man einen ganz anderen Fokus als Unternehmer. Man fokussiert sich auf die Entwicklung des Börsenkurses statt auf die Erfüllung der Kundenbedürfnisse", so der scheidende Spar-Vorstandsvorsitzende. "In den Eigentümerfamilien war es nie ein Thema, wir sind nur öfters von Externen gefragt worden."

Der Spar-Chef hat sich in der Vergangenheit öfters kritisch zu gesellschafts- und gesundheitspolitischen Themen zu Wort gemeldet, unter anderem zu Umweltschutz und Freihandelsabkommen. "Sicher wird das fortgesetzt werden, das ist in unserer Firmen-DNA drinnen, dass wir gesellschaftspolitische Missstände aufzeigen. Das können vermutlich nur wir im Lebensmittelhandel, weil wir keine Konzernzentrale in Deutschland oder Amerika haben", sagte Drexel. Spar hat sich unter anderem öffentlich gegen Gentechnik in Lebensmitteln ausgesprochen, gegen Glyphosat in der Landwirtschaft, gegen Palmöl und gegen zu viel Zucker in Lebensmitteln und Getränken. "Wir haben uns auch erlaubt, Missstände bei möglichen Freihandelsabkommen aufzuzeigen. Da bin ich oft missverstanden worden, ich bin nicht gegen Freihandel", sagte der Spar-Chef. "Freihandel hat Vorteile und hat insgesamt einen hohen Wohlstand gebracht."

Zu wenig berücksichtigt sieht Drexel die Umweltauswirkungen bei Freihandelsabkommen. "Wenn aber auf dem Altar des Freihandels, beim Mercosur-Abkommen der Amazonas-Regenwald in Brasilien brandgerodet wird, damit Rinderfarmen und Sojaanbauflächen entstehen, da spielen wir nicht mehr mit."

In der Amtszeit von Drexel expandierte der Spar-Konzern mit seinen Supermärkten und Hervis-Sportgeschäften kräftig im In- und Ausland und wurde auch zu einem großen Einkaufszentren-Betreiber in Zentral- und Südosteuropa. Zuerst eröffnete Spar Supermarkt-Filialen in Norditalien, Slowenien und Ungarn, Mitte der 2000er-Jahre folgte Kroatien. Der Umsatz stieg von 1,7 Mrd. Euro Anfang 1990 auf voraussichtlich rund 17 Mrd. Euro im Jahr 2020, die Mitarbeiterzahl stieg in diesem Zeitraum von 12.000 auf 86.000 Mitarbeiter.

In Österreich profitierte Spar von der Konsolidierung des Lebensmitteleinzelhandels und übernahm zwischen 1995 und 2016 viele Standorte von Mitbewerbern, unter anderem von Konsum, Familia, Meinl und Zielpunkt. Der Marktanteil von Spar wuchs von 15 Prozent im Jahr 1990 auf heuer 34 bis 35 Prozent. Im Jahr 2020 überholte Spar erstmals den bisherigen Marktführer Rewe (u.a. Billa, Merkur, Penny).

1995 übernahm Spar das größte Filial-Teilpaket vom insolventen Konsum, damals der langjährige Marktführer im heimischen Lebensmittelhandel und im Jahr 2000 wurden 93 Meinl- und Meinl-Gourmet-Filialen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gekauft, mit Ausnahme des Flaggschiffes Julius Meinl am Graben. Mitte der 2010er-Jahre schied die Handelskette Zielpunkt aus dem Markt aus und meldete im Herbst 2015 Insolvenz an. "Da ist wirklich kein Stein auf dem anderen geblieben in den letzten 30 Jahren", sagte der Spar-Chef.

Die Supermärkte in Österreich haben sich in den vergangenen Jahrzehnten auch strukturell verändert, etwa bei der durchschnittlichen Verkaufsfläche pro Geschäft und beim Warenangebot. Zum Vergleich: Ein Spar-Geschäft hatte Anfang der 1970er-Jahre eine Fläche von im Schnitt rund 80 Quadratmetern und heute von 800 Quadratmetern. "Die Branche hatte in den 1990er-Jahren noch ein straffes Sortiment, nicht besonders viel Auswahl. Heute ist der Lebensmittelhandel gekennzeichnet durch eine opulente Vielfalt", sagte der scheidende Spar-Vorstandsvorsitzende.

Ein wichtiger Umsatz- und Gewinnbringer war für den Handelskonzern auch der Ausbau des Eigenmarken-Sortiments (u.a. S-Budget, Spar Premium, Spar Veggie, Spar Natur pur). Der Eigenmarken-Umsatzanteil von Spar stieg in den vergangenen 15 Jahren von 20 auf über 40 Prozent. "Über 45 Prozent wird der Eigenmarken-Anteil mittelfristig vermutlich nicht steigen", erwartet Drexel. "Der Grund, warum wir in den letzten 15 bis 20 Jahren so stark unsere Eigenmarken forciert haben, liegt darin, dass die internationalen Markenartikelkonzerne den fundamentalen neuen Konsumentenbedürfnissen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt haben", so der Spar-Chef. Die Konzerne hätten die Bedürfnisse der Konsumenten nach Bio, zuckerreduzierten Lebensmitteln und Getränken, palmölfreien Produkten, regionalen Produkten, nach Premium- und Convenience-Produkten, gluten- und laktosefreien Lebensmitteln zu wenig berücksichtigt. "Wir haben uns gedacht, dann entwickeln wir mit unseren Partnerlieferanten entsprechende Eigenmarken einfach selbst", so Drexel.

Eine Schlappe erlitt der Spar-Konzern bei der rechtlichen Auseinandersetzung mit der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). 2015 und 2016 wurden Kartellstrafen in Höhe von insgesamt etwas mehr als 40 Mio. Euro wegen vertikaler Preisabsprachen, also jene zwischen Lieferanten und Händlern, fällig. "Wir waren zutiefst überzeugt, dass wir in unserem Verhalten gegenüber den Lieferanten nichts Unrechtes getan haben", sagte Drexel im Rückblick auf den Rechtsstreit. "Wir haben die Rechtsmittel genutzt, aber nicht gewonnen. Das ist in einem Rechtsstaat zu akzeptieren. Was im Umgang mit Lieferanten erlaubt und was nicht erlaubt ist, das war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar."

(APA)

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