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"Bleiben Herr im Haus"

Taub zeigt man sich in Vorarlberg auf jenem Ohr, das Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl in der TV-Pressestunde mit seinen Privatisierungs-Appellen zu erreichen sich anschickte.

Landes-Hypobanken und auch Elektrizitätsunternehmen gehörten in private, nicht öffentliche Hände, hatte Leitl angesichts von Bawag- und Hypo Kärnten-Desaster gefordert.

„Der Ruf mag dort Berechtigung besitzen, wo die öffentliche Hand als Unternehmer versagt, schlecht wirtschaftet. Solches kann im Fall Vorarlbergs weder bezogen auf den Energiesektor noch auf die Landes-Hypo behauptet werden“, winkte Landeshauptmann Herbert Sausgruber ab. Im Fall der Illwerke/VKW-Gruppe bedeute Eigenständigkeit einen messbaren Standortvorteil. „Als Eigentümer unserer Wasserkraftnutzung trachten wir die Vorteile an die Wirtschaft und an die Haushalte weiterzureichen – natürlich ohne Wunder wirken zu können. Diese Eigentümerschaft ist aber Voraussetzung einer solchen Strategie: Fremde oder auswärtige Illwerke/VKW-Hauptgesellschafter wären erfahrungsgemäß um die Optimierung anderer Dinge bemüht“, verwies Sausgruber auf gar nicht so entfernte Beispiele.

Auch im Fall der Hypo-Bank gewährleiste das Land als Haupteigentümer, dass „vor allem im Umgang mit der mittelständischen Klientel die Bedienung mit ausreichendem Kapital gerade in kritischen Situationen mit weniger Stress verbunden ist“, grenzte Sausgruber auch hier zu ferngesteuerten, der Region vielleicht in keinster Weise verpflichteten Fremdeigentümern ab. Im Fall der Hypo ist man bekanntlich sehr wohl eine – strategische – Partnerschaft mit der Landesbank Baden-Württemberg eingegangen. „Das funktioniert sehr gut, der Nutzen – von dem auch die Vorarlberger Hypo-Kunden profitieren – liegt auf beiden Seiten“ (Sausgruber).

Auf Distanz zur Leitl-Forderung geht auch die Industrie. DI Fritz Zumtobel, Präsident jener Industriellenvereinigung, die auf Bundesebene sehr wohl mit ins Privatisierungshorn stößt: „Wir tragen seine Forderung nicht mit, weil die Energiepolitik im Bundesland unter dieser Eigentümerstruktur sehr zufrieden stellend funktioniert. So sehr ich im Innersten meiner Unternehmerseele Privatisierungsbefürworter bin, da sich öffentliche Körperschaften generell nicht als Unternehmer gebärden sollten, so gut gefällt mir im konkreten Fall, dass das Land die Eigentümerkontrolle über die Energieversorgungsunternehmen besitzt und es seinen Job gut macht.“ In Vorarlberg, so Zumtobel, stehe man unter keinem Druck, das zu ändern – Beispiele wie die Steiermark würden sogar massiv davon abraten.

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