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Bittere Lektion für Wesley Clark

Mit der Autorität eines Generals und dem Charme eines politischen Outsiders hatte Wesley Clark gehofft, die Herzen der US-Demokraten im Sturm erobern zu können.

Die Strategie des Generals ist nicht aufgegangen. Seine Kampagne kam nie so richtig in Schwung. Bei den Vorwahlen am Dienstag in den Bundesstaaten Tennessee und Virginia musste der 59-Jährige weitere bittere Niederlagen gegen Senator John Kerry einstecken – kurz danach zog er die Konsequenz und stieg aus dem Rennen aus.

Clark musste lernen, dass seine Führungserfahrung im Militär nicht ohne Weiteres auf die Politik übertragbar ist.

Das rasche Aus für Clark ist eine von mehreren überraschenden Wendungen in diesen Vorwahlen. Denn der General war mit vielen Vorschusslorbeeren in das Rennen gestartet. Nicht wenige in der Partei hielten ihn für den Idealkandidaten.

Clark ist hoch intelligent, redegewandt, charmant und gut aussehend – und seine Kritik am Irakkrieg kann er mit der Autorität des früheren Oberbefehlshabers im Kosovo-Krieg vortragen. In vielerlei Hinsicht kann Clark geradezu die Musterbiographie eines Präsidentschaftkandidaten vorweisen: An der Militärakademie in West Point schloss er als Bester seiner Klasse ab, in Oxford studierte er als Rhodes-Stipendiat Philosophie, Politik und Wirtschaft, im Vietnamkrieg wurde er vierfach verwundet und mit Orden ausgezeichnet, und beim Militär legte er dann eine steile Karriere hin, die ihn 1997 an die Spitze der militärischen NATO-Struktur brachte.

Doch Clark hatte sich nie zuvor um ein politisches Amt beworben – und diese Unerfahrenheit brachte ihn gleich zu Beginn seiner Kampagne ins Straucheln, als er sich in Widersprüche zum Irak-Krieg verwickelte. Einen schweren taktischen Fehler beging Clark dann auch mit dem Verzicht auf seine Teilnahme an der ersten Vorwahl in Iowa.

Kerry brachte so viel Schwung aus seinem Überraschungssieg in Iowa mit, dass er von Clark nicht mehr aufgehalten werden konnte.

Das Ende seiner Präsidentschaftkampagne muss aber nicht schon das endgültige Aus von Clarks politischen Ambitionen bedeuten. Er wird nach wie vor als möglicher Kandidat für das Vizepräsidentenamt gehandelt. Und wenn daraus nichts wird, gibt es noch eine andere Option: Clark könnte in seinem Heimatstaat Arkansas für den Senat kandidieren, wie bereits in den US-Medien spekuliert wird.

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