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"Bin ein typischer Lustenauer, mit Zigeunerblut!"

„Es braucht Querdenker, anders gepolte Leute – weg von dem Einheitsbrei, weg von der Nivellierung nach unten!“ - Chris Alge
„Es braucht Querdenker, anders gepolte Leute – weg von dem Einheitsbrei, weg von der Nivellierung nach unten!“ - Chris Alge ©MiK
Chris Alge, Leiter von High 5 outdoor, war davor Offizier und wagte einen Ausflug in die Politik. Im W&W Sonntags-Talk spricht er über Berge, die er bestiegen hat, und Täler, die er durchschreiten musste.

WANN & WO: Was machst Du seit dem Ausscheiden aus der Politik?

Chris Alge: Ich gehöre zum arbeitenden Teil der Bevölkerung und bin voll dran. Von etwa 6 bis 8 Uhr erledige ich das Office, von 8 bis 18 Uhr bin ich Outdoor – also auf Tour, fünf bis sechs Mal pro Woche. Bungy, Rafting, Canoe, Outdoor Parcours, BBQ und mit den Leuten was trinken – das ist mein Ding. Ist auch interessanter als die Politik.

WANN & WO: Als Du bei den NEOS warst, gab es ja viel Gerede.

Chris Alge: Das Gerede kenne ich nicht. Ich habe sechs Monate in der ersten Reihe fußfrei mitbekommen, wie das läuft und hatte keine Lust, dort noch mehr Zeit zu investieren.

WANN & WO: Warum bist Du so viel in der Welt unterwegs?

Chris Alge: Ich bin ein typischer Lustenauer mit Zigeunerblut. Es ist ein Geschenk, jedes Jahr andere Länder und Kulturen kennenlernen zu können. Auch viele Sachen dann in der Heimat umzusetzen. So ist das High 5 entstanden: Die ersten sieben Jahre habe ich in der Bar geschlafen, dann drei Jahre in einem Wälderbähnle-Waggon – Visionen, vorauszudenken und etwas zu entwickeln, das gefällt mir.

WANN & WO: Bist Du ein echter Globetrotter?

Chris Alge: Ich habe auf jedem Kontinent mindestens ein Jahr lang gelebt. Was es da zu erzählen gibt? Wie viele Seiten hat das WANN & WO (lacht)?

WANN & WO: Was sind sonst Deine Leidenschaften?

Chris Alge: Outdoor, Fußball und Psychologie. Auf Reisen sind jetzt oft meine Jungs dabei – Finn hat mit vier Jahren schon 140.000 Flugkilometer hinter sich. Andererseits kann ich nicht mehr tagelang Kajak fahren, Gebirgszüge durchstreifen, Tauchsafaris machen etc. Es sind wilde Burschen, kein Wunder bei Genen aus Lustenau und dem Bregenzerwald. Meine größte Leidenschaft ist natürlich Liz, meine Frau.

WANN & WO: Profitierst Du als Outdoor-Trainer auch von Deiner militärischen Ausbildung?

Chris Alge: Zu 100 Prozent! Der österreichische Offizier ist einer der am besten ausgebildeten weltweit. Nicht nur militärische Grundsätze, sondern auch Didaktik und Führung werden dort gelehrt – wir hatten insgesamt 40 Fächer.

WANN & WO: Warum bist Du Offizier geworden?

Chris Alge: Ich wollte Kriegsberichterstatter werden, habe aber die Aufnahmeprüfung bei der Militärakademie geschafft – 100 von 500 wurden genommen. Später war ich Kommandant des Katastropheneinsatzzuges in Vorarlberg und UNO-Offizier. Dann sollte ich vom Oberleutnant zum Major befördert werden, also zwei Dienstgrade überspringen – so hat es der UNO-Kommandant vorgeschlagen. In Österreich hatte es so etwas noch nie gegeben, weshalb der Widerstand groß war. Das war für mich mit ein Grund, meine militärische Karriere zu beenden – als Beamter. Mama hatte Albträume! Der Gedanke, etwas nicht zu wagen, weil es das noch nie gegeben hat, ist falsch. Das ist genau das, was die Welt braucht! Es braucht Querdenker, anders gepolte Leute – weg vom Einheitsbrei, weg von der Nivellierung nach unten.

WANN & WO: Wie hast Du die Militärakademie in Erinnerung?

Chris Alge: Da gibt es nur 120 Prozent, Vollgas! Einige scheiden aus, weil sie es physisch oder psychisch nicht schaffen. Die Kameradschaft steht über allem. Dass junge Offiziere nichts anbrennen lassen, kann man sich vorstellen – die drei Jahre waren der Wahnsinn. Die Freundschaften halten bis heute!

WANN & WO: Dein Haus ist gelb gestrichen. Wie haben die Leute damals auf den Aprilscherz reagiert?

Chris Alge: Das Pink war eine halbe Stunde Arbeit im Photoshop. Ich glaube, es haben heute noch nicht alle überzuckert, dass es ein Aprilscherz war. Man kann sich über alles aufregen, wenn man möchte.

WANN & WO: Was macht Vorarlberg als Wirtschaftsstandort aus?

Chris Alge: Wir haben geniale Unternehmer, leider keine geniale Politik. Bei vielen frage ich mich, was die da überhaupt machen im Landtag. Was haben die für eine Ausbildung, dass sie ein fantastisches Land wie Vorarlberg führen können? Ich bin aber kein Jammerer, sondern Optimist.

WANN & WO: Ist das ein Vorteil?

Chris Alge: Vielleicht bin ich manchmal zu optimistisch, zu vertrauensselig. Wenn Vertrauen enttäuscht wird, ist es umso bitterer. Dann muss man auch gleich die Konsequenzen ziehen.

WANN & WO: Bist Du einer, der die eigenen Grenzen ständig austesten und erweitern möchte?

Chris Alge: Ja, dann lebt man. Die lauwarme Suppe war noch nie mein Ding. Für andere kann das aber das Richtige sein. Manche leben in der Vergangenheit, andere in der Zukunft, es gibt Sicherheitsdenker, Kreative. Das ist auch gut so – der Mix macht es aus.

WANN & WO: Wo würdest Du Dich selbst zuordnen?

Chris Alge: Ich bin ein Unternehmer. Nichts zu riskieren, ist mir zu riskant. Jemand wie ich, liebt die höchsten Berge, muss aber auch durch dunkle Täler. Wenn ich etwas riskiert habe, war es aber kalkulierbar – ein Restrisiko bleibt immer. Vor 20 Jahren machte ich eine Fehlinvestition in Costa Rica und war pleite. Ich habe einen Paragleiter-Absturz in Neuseeland hinter mir, fünf Motorradunfälle, wäre beim Klettern in den Dolomiten fast gestorben, ich bin zwei Mal unter eine Lawine geraten und auch beim Tauchen war es schon knapp. So gesehen fast ein Wunder, dass ich noch lebe! Das war allerdings mein Leben vor den Kindern.

WANN & WO: Verändern einen solche Grenzerfahrungen?

Chris Alge: Wenn man heil rauskommt, denkt man, das Leben ist echt cool, man ist unbesiegbar! Jeder Tag ist eine Draufgabe zum Genießen. Wenn man Kinder hat, schaltet man einen Gang zurück – ich gleich vier. Das heißt aber nicht, dass man morgen nicht vom Auto überfahren werden kann oder zwölf Tage den Grand Canyon mit dem Kajak befährt, wie letztes Jahr.

WANN & WO: Gibt es Dinge, die Dich wütend machen?

Chris Alge: Zorn und Wut kenne ich eigentlich nicht. Diplomatie ist aber zugegeben nicht meine Stärke. Wenn mir etwas nicht passt, nehme ich keine Rücksicht auf mein Gegenüber – daran muss ich noch arbeiten. Ich war immer ein Indianer, auf der Seite der Schwächeren. Ungerechtigkeit hasse ich.

WANN & WO: Darum auch der Gedanke, in die Politik zu gehen?

Chris Alge: Ich hatte schon das Gefühl, dass das zu mir passt. Irgendwie ist es aber eine Welt voller Unwahrheiten. Statt die Menschen und die gute Sache in den Mittelpunkt zu stellen und dann zu entscheiden, ist sich jeder selbst der Nächste – Opportunismus und Posten stehen im Vordergrund. Den kompetenten Idealisten ist es zu blöd, in diesem System zu agieren. Ich kann gut verstehen, dass sich das viele nicht antun wollen und darum nicht in die Politik gehen.

WANN & WO: Was würdest Du als Deine beste Eigenschaft bezeichnen?

Chris Alge: Ich habe so viele, da ist es schwierig, eine auszusuchen (lacht schallend). Nein ernsthaft, ich glaube, es ist meine Ehrlichkeit.

WANN & WO: Wie geht es mit High 5 weiter?

Chris Alge: Nächstes Jahr feiern wir das 20-jährige Jubiläum. Beim Bungy haben viele gesagt, das geht keine zwei Jahre gut. Bald sind es 20 Jahre und über 5000 Sprünge ohne einen einzigen Vorfall.

WANN & WO: Was ist besonders in Erinnerung geblieben?

Chris Alge: Der Sausi ist schon 1999 mit uns geraftet. Für mich war es normal, mit dem Gartenschlauch zu duschen, weil wir noch kein warmes Wasser hatten. Dass der Landeshäuptling aber auch unter den kalten Schlauch gestanden ist, werde ich nie vergessen. Chapeau – das war echt cool!

Wordrap

Natur: Spielwiese des Lebens.
Vorarlberg: Der schönste Ort für mich und meine Familie.
Politik: Erledigt, danke.
Sport: Immer Teil meines Lebens.
Extremes: Grenzen ausloten.
Reisen: Meinen Horizont erweitern.
Familie: Lotto 6er!
Träume: Sind alle in Erfüllung gegangen, auch solche, die ich nicht geträumt habe.
Grenzen: Ich bin Cosmopolit, die im Kopf braucht es auch nicht, aber Grenzerfahrungen sind ganz gut.

Zur Person

Name: Chris Alge Geboren: 9. Dezember 1963 Herkunft/Wohnort: Lustenau/Lingenau Familie: Verheiratet mit Liz; vier Kinder Beruf: Geschäftsführer High 5 Outdoor

(WANN & WO)

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