Bildung: "Gehören ins erste Drittel"

Schwarzach (VN) -  ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon spricht über seine Rolle in der Bildungspolitik.
Herr Amon, sind Sie der Blockierer in der Schulpolitik, als den Sie vor allem die Grünen bezeichnen?

AMON: Der Eindruck, dass ich betonieren würde, ist falsch. Da bitte ich schon um eine intellektuelle Redlichkeit der Medien. Nur weil ich sechs Jahre lang der Generalsekretär des Fritz Neugebauer im ÖAAB war, verdiene ich nicht dieses Image. Es ist ein Unterschied, ob jemand aus einer gewerkschaftlichen Position heraus agiert, oder ob man ganzheitlich zu denken hat. Das ist meine Aufgabe als Bildungssprecher. Danach möchte ich bewertet werden.

 
Sie gelten als der neue starke Mann für die ÖVP-Bildungspolitik. Dabei konnte Ministerin Schmied vorher so gut mit ihrer Minister-Kollegin Karl.

AMON: Ich habe auch bisher schon alle Schulpakete dieser Legislaturperiode mit der Bildungsministerin verhandelt und für die legistische Umsetzung gesorgt. Das gilt für den Schulversuch Neue Mittelschule genauso wie für die neue Reifeprüfung, die modulare Oberstufe oder für die Bildungsstandards. Es ist eine Sache der Wahrnehmung, dass ich Beatrix Karl abgelöst haben soll. Die Trixi ist in Bildungsfragen eine ganz innovative Wissenschaftsministerin. Ich bin nicht der neue starke Mann.

 
Sie haben sich mit einem spektakulären Sager unlängst Gehör verschafft. Die Lehrer sollen länger an der Schule bleiben, meinten Sie. Wollten Sie damit einen Paukenschlag setzen?

AMON: Ich habe gesagt, dass man – entsprechende Arbeitsbedingungen vorausgesetzt – für neu eintretende Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit schaffen solle, mehr Zeit an der Schule mit den Schülern zu verbringen. Mit dem Ziel, einen qualitativ hochwertigen Nachmittagsprozess in Gang zu setzen: hochwertige Nachmittagsbetreuung, Deutsch-Kurse etc. Mir ist das deshalb so wichtig, weil der Lehrer eine ganz zentrale Schlüsselfigur in unserem gesellschaftlichen System darstellt.

 
Wie lauten Ihre Vorschläge, um Österreich aus dem PISA-Schlamassel herauszuholen?

AMON: Man darf PISA nicht überbewerten. PISA ist das, was es ist. Die Überprüfung in drei Fächern eines Jahrgangs an einem Tag. Aber auch hier reicht’s mir nicht, dass wir Durchschnitt sind. Wir gehörenins Spitzenfeld, wir sind ein hochentwickeltes Land. Man muss auch in diesen drei Fächern Ergebnisse bringen, die deutlich im erstenDrittel anzusiedeln sind. Dazu ist im Bildungssystem einiges notwendig. Dazu zählt, Kinder und Jugendliche dort abzuholen, wo sie tatsächlich stehen. Wir müssen sie in den Kulturtechniken sicher machen, ihnen auch im Bereich der Unterrichtssprache Sicherheit geben. Aber eine Systemfrage kann man aus diesem Test nicht seriös ableiten.

 
Wie ist Ihr Verhältnis zu Claudia Schmied?

AMON: Wir haben eine hervorragende Gesprächsbasis. Natürlich sind wir Repräsentanten unterschiedlicher Parteien, die aber sehr gut miteinander arbeiten können. Es gibt eine Vertrauensbasis, die stark genug ist, Reformen umzusetzen.

 
Trotzdem gab es diese funktionierende Partnerschaft Schmied-Karl, in die Sie, wie es viele sehen, geplatzt sind. Warum?

AMON: Die Außenwahrnehmung kann ich schwer beurteilen. Ich hab gelesen, dass die Wissenschaftsministerin gebeten hat, sich ausschließlich auf den Universitätsbereich konzentrieren zu können. Persönlich habe ich wahrgenommen, dass mich der Parteiobmann gebeten hat, das ÖVP-Programm im Finale mit den Ländern und den Teilorganisationen zu akkordieren. Diesem Auftrag bin ich gerne nachgekommen. Und wir haben dieses Programm dann auch vergangenen Freitag einstimmig im Parteivorstand beschlossen.

 
Sie sagen also, dass die Frau Karl von sich aus den Rückzug aus der Schulpolitik gewollt und vollzogen hat?

AMON: Das sag nicht ich. Das hat sie mitgeteilt. Das habe ich nur nachgelesen.

 
Die Verhandlungen mit den Lehrervertretern über ein neues Dienst- und Besoldungsrecht stehen an. Wie sehen Sie diesen entgegen und wie gemeinsam werden Sie mit Ministerin Schmied in diese gehen?

AMON: Geplant ist, dass es am Dienstag eine Sitzung der Steuerungsgruppe gibt. Dieser Sitzung werden die Bildungsministerin, die Beamtenministerin, der Finanzstaatssekretär und ich beiwohnen. Da wird das Thema innerhalb der Regierungsparteien erörtert. Und dann liegt es an der Unterrichtsministerin mit ihren Personalvertretern eine Gesprächsstruktur aufzubauen.

 
Was sind denn Ihre Erwartungen für die Verhandlungen?

AMON: Da will ich den Gesprächen nicht vorgreifen.

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