"Bild"-Zeitung befeuert deutsche Kampagne gegen Wien

Bild-Zeitung wirft Österreich Tricksereien vor
Bild-Zeitung wirft Österreich Tricksereien vor ©APA/Bild.de
Der raue Ton zwischen Wien und Deutschland wird von der deutschen Boulevard-Zeitung "Bild" zusätzlich befeuert. Das Blatt berichtete am Mittwoch online unter der Schlagzeile "So tricksen die Österreicher in der Flüchtlingskrise!" über einen Syrer, der angeblich in Österreich Asyl haben wollte, aber nach Deutschland weitergeschickt wurde.
Österreich als Schlepper tätig
"Technische Sicherungen" geplant

Die oberösterreichische Polizei wies das zurück. Der Asylwerber Namens Mohamad soll trotz eines Zettels, auf dem “I want have Asyl Austria” stand, von den Österreichern dazu angehalten worden sein, weiter in Richtung deutscher Grenze zu gehen, dort würde er “nach Wien kommen”, schreibt die “Bild”. Solche “Vorfälle” passieren laut der Zeitung “ständig”.

“Kompletter Schwachsinn”

Die oberösterreichische Polizei wies das auf APA-Anfrage als “kompletten Schwachsinn” zurück. Diese Geschichte verfüge über keinerlei Wahrheitsgehalt. Menschen, die in Österreich Asyl beantragen, werden im Land behalten. Das würden die Zahlen belegen. Sieben bis acht Prozent der Migranten, die in Österreich einreisen, stellen hier einen Asylantrag. Das seien 500 pro Tag. Österreich nehme damit mehr Asylwerber als Deutschland auf.

Heftige Kritik von de Maiziere an Österreich

Scharf wie nie zuvor hat am Mittwoch auch der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) die fehlenden Kooperationsbereitschaft Österreichs in der Flüchtlingskrise kritisiert. “Das Verhalten Österreichs in den vergangenen Tagen war nicht in Ordnung”, sagte er vor Journalisten in Berlin. Er erwarte sich, dass Österreich “ab sofort” wieder zu einem geordneten Verfahren zurückkehre.

maziere
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“Wir haben zu beanstanden, dass Flüchtlinge ohne jede Vorwarnung nach Eintritt der Dunkelheit an bestimmte Stellen gefahren worden sind und dort unvorbereitet und ohne jede Vorsorge an die deutsche Grenze gekommen sind”, so der deutsche Innenminister.

Es habe intensive Gespräche zwischen beiden Ländern dazu gegeben. “Österreich hat gestern zugesagt, wieder zu einem geordneten Verfahren zurückzukehren”, sagte der Minister. “Ich erwarte, dass das ab sofort geschieht. Wir sind dazu auch in ständigem Kontakt.”

Erneut Kritik der bayerischen Polizei

Auch die bayerische Polizei hat am Mittwoch Kritik an der fehlenden Kooperationsbereitschaft ihrer österreichischen Kollegen in der Flüchtlingskrise geübt. Wieder seien viele Flüchtlinge erst am späten Dienstagabend zur Grenze gebracht worden. Dies habe dazu geführt, dass Hunderte vier oder fünf Stunden bei empfindlicher Abendkälte unter freiem Himmel ausharren mussten, monierte ein Sprecher.

“Wir hatten an der Grenze zwischen Achleiten und Passau am Abend bereits mehr als 1.000 wartende Flüchtlinge, als um 1.00 Uhr nochmals acht voll besetzte Busse kamen”, zitierte die deutsche Nachrichtenagentur dpa den Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Frank Koller. Das Problem sei zudem, dass Österreich weiterhin deutlich mehr Flüchtlinge zur Grenze bringe als es ankündige und dass viele Busse fast gleichzeitig ankämen. Dies führe zu Engpässen bei den Kontrollen.

“Österreich selbst ein Schleuser”

Vor diesem Hintergrund drohte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der am Dienstag ausgesprochen harsche Kritik an Österreich geübt hatte, einmal mehr mit einer Verfassungsklage gegen Berlin. In der Flüchtlingspolitik “überschreitet die Bundesregierung augenblicklich ganz eindeutig ihre verfassungsrechtlichen Kompetenzen”, sagte Herrmann im “Morgenmagazin” von ARD und ZDF. Deshalb erwarte Bayern, dass die Bundesregierung “als Gesamtheit ihren Kurs korrigiert”. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte Merkel bereits zuvor aufgefordert, bis zum Sonntag für eine Begrenzung der Zuwanderung zu sorgen.

joachimhermann
joachimhermann

Herrmann hatte am Dienstag von einem “unverantwortlichen Verhalten der österreichischen Regierung, das ich nur als skandalös bezeichnen kann” gesprochen. “Es ist ohne Beispiel in den letzten Jahrzehnten.” Die Republik Österreich umgehe mit dem Transport von Flüchtlingen an die Grenze “ganz offensichtlich” absichtlich die deutschen Grenzkontrollen, so der bayerische Innenminister. “Ich muss fast sagen, sie ist jetzt selbst als Schleuser von Slowenien nach Bayern tätig”, fügte er in der ORF-Sendung ZiB2 hinzu.

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