"Besetzung nicht ausreichend"

Schwarzach - Der Landesrechnungshof-Direktor Herbert Schmalhardt nimmt im "VN"-Interview zum Pflege-Prüfbericht Stellung.

VN: Sie haben 51 Pflegeheime unter die Lupe genommen. Erkenntnis?
Schmalhardt: Es wurden Verbesserungen bei der Personalausstattung erzielt, die gesetzlich notwendige Besetzung mit ausreichend qualifizierten Pflegekräften ist aber in mehreren Heimen noch nicht ausreichend.

VN: War Rankweil nur die Spitze des Eisbergs?
Schmalhardt: Die Missstände in Rankweil wurden öffentlich bekannt, die Defizite in anderen Heimen sind amtsbekannt, teilweise wurden von den BH Aufnahmestopps verhängt.

VN: Wie stellt sich die Situation in Bizau, Andelsbuch und Schwarzenberg dar? Sie sprechen im Bericht ja von einer „fahrlässigen Gefährdung der Bewohner“.
Schmalhardt: Trotz mehrfacher Urgenz der Pflegeaufsicht wurde die Personalausstattung im Prüfungszeitraum nicht verbessert. Pflegerische Tätigkeiten dürfen eben nur von Pflegefachkräften ausgeführt werden. Fehlen diese und fallen pflegerische Tätigkeiten an, wovon im Regelfall auszugehen ist, kann juristisch von einer fahrlässigen Gefährdung gesprochen werden.

VN: In fünf Heimen wurden in den letzten Jahren Aufnahmestopps verhängt, Aufnahmestopps, die nach wie vor in Kraft sind.
Schmalhardt: Ja, diese gelten noch heute und wurden teilweise bereits 2005 verhängt.

VN: Betroffen sind gemeinde­eigene Heime genauso wie Heime der Benevit und der St.-Anna-Hilfe . . .
Schmalhardt: Das Prüferergebnis zeigt, dass Heime privater und öffentlicher Träger nicht über ausreichend qualifiziertes Personal verfügen. Und es wird mit unterschiedlichen Argumenten versucht, die Anforderungen des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes zu umgehen.

VN: Gibt es zu wenig Personal für eine angemessene Pflege in Vorarlberg? Wie lautet Ihr Fazit?
Schmalhardt: Pflegeheime sind keine Altenheime. Die Pflegebedürftigkeit der Bewohner hat sich erhöht und wird weiter steigen. Es gibt in mehreren Pflegeheimen zu wenig qualifiziertes Personal, um die angemessene Pflege umzusetzen.

VN: Gibt es eine Lösung?
Schmalhardt: Neue Berechnungsmodelle für den Personalbedarf sind festzulegen. Es ist zu prüfen, wie diese Anforderungen von Heimen erfüllt werden können (alleine oder in Kooperation). Die Pflegeaufsicht ist zu verstärken. Und die BH sind gefordert, im Vollzug mit der nötigen Konsequenz zu agieren.

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