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Beschuldigung: Milosevic gab Mordaufträge

Der frühere serbische Geheimdienstchef Radomir Markovic hat den als Kriegsverbrecher angeklagten ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic beschuldigt, Politikermorde in Auftrag gegeben zu haben.

Der lange juristische Streit um entsprechende Aussagen von Markovic vor genau zwei Jahren sei vom Obersten Gerichtshof endgültig entschieden worden, berichtete die Zeitung „Danas“ am Donnerstag in Belgrad.

Die Beschuldigungen gegen Milosevic seien jetzt wieder endgültig in die Akten der laufenden Gerichtsverfahren eingefügt worden. Der Geheimdienstmann und enge Mitarbeiter von Milosevic hatte seine ursprüngliche Aussage zurückgezogen, nachdem ihm der Status eines Kronzeugen verweigert worden war.

Milosevic soll danach die Ermordung seines langjährigen politischen Förderers und ehemaligen serbischen Republikspräsidenten Ivan Stambolic sowie den Mordversuch gegen den heutigen Außenminister von Serbien-Montenegro, Vuk Draskovic, befohlen haben. Die Aussagen von Markovic sind nach Darstellung der Zeitung „der bisher konkreteste Beweis gegen Milosevic“.

Die Anklage sowohl des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag als auch bei mehreren Prozessen in Belgrad hatte in den vergangenen Jahren Probleme, konkrete Beweise für die Schuld von Milosevic vorzulegen. Der fast unumschränkt regierende Milosevic hatte über seine mehr als zehnjährige Herrschaft fast keine schriftlichen Aufzeichnungen zugelassen und die meisten Anordnungen nur mündlich gegeben. Daneben sollen viele Schriftstücke nach der Entmachtung von Milosevic von dessen Mitarbeitern vernichtet worden sein.

Gesundheitszustand von Milosevic noch nie so schlecht

Der Gesundheitszustand des vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien angeklagten ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic hat sich rasch verschlechtert und ist in seiner kritischsten Phase seit Prozessbeginn. Die in Podgorica erscheinende Tageszeitung „Republika“ berichtet dies am heutigen Donnerstag unter Berufung auf westliche Quellen. Die Sprecherin der Tribunalsanklage, Florance Hartmann, wollte gegenüber dem Blatt diese Information allerdings weder bestätigen noch bestreiten.

Der Prozess gegen Milosevic musste am Dienstag wegen seiner erneuten Probleme mit hohem Blutdruck vorläufig unterbrochen werden. Seit dem Prozessbeginn im Februar 2002 war es bereits rund 15 Mal zum Ausfall der Verhandlungen wegen der Gesundheitsprobleme des Angeklagten gekommen. Laut „Republika“ scheint der Gesundheitszustand von Milosevic dieses Mal viel ernster als zuvor zu sein.

Tribunalsärzte, die am Dienstag Milosevic untersucht hatten, wiesen in ihrem Gutachten darauf hin, dass dem Angeklagten womöglich auch ein Schlaganfall droht.

Milosevic, der sich vor dem UNO-Tribunal wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo zu verteidigen hat, führt seit letztem November selbst seine Verteidigung. Er soll per Tribunalsbeschluss nur im Krankheitsfall durch den britischen Pflichtanwalt Steven Kay ersetzt werden.

Dem Anwalt ist es allerdings diese Woche nicht gelungen, Verteidigungszeugen zu sichern. Diese weigern sich, in Abwesenheit des Angeklagten auszusagen.

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