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Berta

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©VOL.AT
"Ich hatte unlängst Namenstag. Es war der 4. Juli. Niemand gratulierte. Es kam auch keine Glückwunschkarte."

Ich hatte unlängst Namenstag. Es war der 4. Juli. Niemand gratulierte. Es kam auch keine Glückwunschkarte. Ich achtete den ganzen Tag darauf, dass mein Handy durchgehend eingeschaltet war. Sicherheitshalber steckte ich es an den Strom, falls jemand anruft und mir gratulieren will. Dann saß ich den ganzen Vormittag davor und wartete. Wie ein Kater vor dem Mausloch. Es gibt ja kaum Mauslöcher mehr. Nur Golflöcher und solche, die hineingolfen. Ich gestehe, dass ich Golfer nicht mag, genausowenig wie Tennisspieler, obwohl letztere ihren Ball zwar nicht in ein Loch, aber dafür banal hin und her spielen und dabei auf 15, 30 und 40 zählen. Auf so eine blöde Zählweise muss man erst einmal kommen. 1 Sportpluspunkt. Dass bei der Ballerei gleich ein ganzes Stadion zusieht, ist mir unverständlich.

Wie auch immer, zu dem vielen Ärger an meinem Namensfest blieb eines schmerzhaft weiter präsent: Niemand gratulierte. Mittags schaute ich sicherheitshalber im Kalender nach. Im Kalender stand Berta. Ich heiße aber nicht Berta. Ich will auch nie Berta heißen, auch wenn es im Kalender steht. Nie soll mich wer Berta rufen. Um ganz sicher zu gehen, dass ich nicht Berta heiße, suchte ich die Geburtsurkunde, fand sie nach zehn Minuten in einer verknudelten Plastikhülle. Da stand nicht Berta. Warum steht aber Berta im Kalender, wenn ich Namenstag habe und nicht Berta heiße? Eine Zumutung. Wie in jedem Jahr schmiss ich daraufhin den Kalender in den Müll, natürlich zum Altpapier. Ich warte seit Jahren auf einen Kalender, in dem am 4. Juli nicht Berta steht.

Zusätzlich achtete ich heuer auf die Hausglocke, falls doch noch wer kommt, um mir zu gratulieren. Es kam wer. Die Sammlerin fürs Rote Kreuz. Wie immer mochte ich sie auch diesmal nicht und das Rote Kreuz schon gar nicht, weil es schwarzfunktionärig ist und alle Täppen äppen will. Da sagte sie plötzlich: „Sie haben doch heute Namenstag. Ich gratuliere Ihnen, ich hab nämlich auch Namenstag auch, heute ist Berta!“ Das war ein schwerer Angriff auf mein Selbstbewusstsein. Geht’s noch? Hau Äpp, rief ich und warf sie samt Sammelliste raus und trat drauf aus dem schwarzen Roten Kreuz aus. Doch es war bereits um mich geschehen. Was zuviel ist, ist zuviel. Ich beschloss nachzugeben und zu meinem Namensfest, Berta zu werden: eine schicke Berta. Ich zog Conny‘s Rock, Conny‘s weiße Seidensticker-Bluse und ihren Fit Smart von Triumph an, kaufte mir in der Trafik eine Namenstagsglückwunschkarte „Für Berta“, eine die man im Herrgottswinkel aufstellen kann, samt einem Überraschungspäckchen und gratulierte mir handschriftlich noch vor Ort. Karte und Päckchen warf ich in meinen Briefkasten und fand sie hocherfreut kurz danach im Haus.

Neugierig öffnete ich das überraschende Geschenk und las: „Meine liebe Berta, alles Gute zum Namenstag!“ Dabei lag ein Päckchen „Kiss SUPER Slim“. ©Coronastory

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