AA

Berlusconi lockt Wähler

Silvio Berlusconi versucht, Wähler mit Steuerversprechen für sich zu gewinnen. Im letzten Fernsehduell vor den Wahlen erklärte er, er wolle die Steuer auf das erste Eigenheim abschaffen.

„Für uns ist das erste Haus so heilig wie die Familie. Darum haben wir entschieden, die ICI-Steuer abzuschaffen“, sagte Berlusconi und sorgte damit für einen Paukenschlag. Sein Herausforderer Romano Prodi hatte während der TV-Sendung keine Zeit mehr, zu reagieren.

Berlusconi schulde den Bürgermeistern des Landes eine Erklärung, woher das Geld für die öffentlichen Aufgaben kommen solle, die bislang durch die Eigenheimsteuer finanziert würden, sagte später der Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino. Der „Corriere della Sera“ warf Berlusconi „grösstmöglichen Populismus“ vor.

Selbst Vertreter von Berlusconis Bündnis äusserten Skepsis. „Das ist ein Eigentor“, sagte Amadeo Ciccanti von der christdemokratischen UDC. Die Ankündigung sei nicht glaubhaft.

Dieser wehrte sich und erklärte, dass mit dem Wegfall der ICI- Steuer 2,3 bis 2,5©Milliarden Euro im Budget fehlen würden: „Das ist eine kleine Veränderung. Wir können leicht andere Einnahmequellen finden.“ Rund drei Viertel der Italiener besitzen Wohneigentum. „Italien ist ein schwieriges Geschäft“

Beobachter meinten, das Duell, das von zwölf Millionen Italienern gesehen wurde, sei wesentlich ausgeglichener gewesen als jenes als vor drei Wochen. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Prodi wirkte jedoch auch während des zweiten TV-Duells besonnener als der Regierungschef.

Berlusconi habe aus Italien ein Land gemacht, das „zwischen Arm und Reich, Nord und Süd, Jung und Alt, Arbeitslosen und Angestellten“ gespalten sei, hielt Prodi dem Premier vor. Dieser räumte ein, dass „wir es vielleicht hätten besser machen können, aber Italien ist eben ein schwieriges Geschäft.“ „Betrunkener“ vs. „nützlicher Idiot“

Die erwartungsgemäss von der Steuerpolitik dominierte Debatte glich zeitweise einem Austausch von Beleidigungen. Prodi verglich Berlusconi mit einem „Betrunkenen, der sich an einem Laternenmast festhält“.

Berlusconi wiederum bezeichnete seinen Herausforderer, der bereits von 1996 bis 1998 Ministerpräsident war, mit Blick auf Kommunisten und Sozialisten in dessen Links-Bündnis als „nützlichen Idioten“.

Mit seiner bisweilen fragwürdigen Ausdrucksweise sorgte Berlusconi auch nach dem TV-Duell für Aufsehen. „Ich habe zu viel Wertschätzung für die Intelligenz der Italiener als dass ich denken könnte, dass es hier tatsächlich so viele Idioten gibt, die gegen ihr eigenes Interesse wählen“, sagte er vor Geschäftsleuten in Rom. Viele Unentschlossene

Der Ausgang der Parlamentswahlen am 9./10. April gilt als offen. Die letzten Umfragen in der vergangenen Wochen hatten dem Mitte- Links-Lager Prodis zwar einen leichten Vorsprung von drei Prozent vorausgesagt.

Allerdings gebe es vier Millionen unentschlossene Wähler, die meisten seien Frauen. Im Falle einer Patt-Situation hatte der frühere EU-Kommissionspräsident Prodi bereits Neuwahlen angeregt.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Berlusconi lockt Wähler
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen