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Begonnen hat es in der Kellerbar

Hotelpionier Fridolin Lucian erhält den Preis für das unternehmerische Lebenswerk.
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Bregenz Das Vorarlberger Wirtschaftsforum war am Donnerstag zum sechsten Mal Schauplatz für eine ganz besondere Auszeichnung. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg, die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die Vorarlberger Nachrichten haben den „Ehrenpreis der Vorarlberger Wirtschaft für das unternehmerische Lebenswerk“ an den Oberlecher Hotelier und Tourismuspionier Fridolin Lucian überreicht.

Gespür eines Pioniers

VN-Herausgeber Eugen. A. Russ erläuterte in seiner Laudatio auf den aus dem Klostertal stammenden und in Oberlech lebenden Unternehmer die Intention des vor sechs Jahren erstmals vergebenen Preises. „Wenigen Menschen in der Wirtschaft gelingt es, in ihrer Schaffensphase ein Unternehmen, wie es Fridolin Lucian gelungen ist, nicht nur zu führen, sondern kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Was motiviert mehr, als erfolgreiche Beispiele ins Rampenlicht zu rücken. Im Alltag würden wir es Benchmarking nennen. Also von den Besten zu lernen. Und gerade in Vorarlberg haben wir solche Leuchturm-Unternehmer. Es fesselt einfach, diese überprüfbaren und spannenden Geschichten von Menschen aus unserer Region, und dazu aus erster Hand, zu erfahren“, so Russ.

Bei den Kriterien für diesen Preis wird auf den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg, die vorbildliche Unternehmenskultur, die Treue zum Standort Vorarlberg und die Einzigartigkeit des Lebenswerks der geehrten Person Bedacht genommen. Die Wahl fiel heuer auf Fridolin Lucian, den Russ in der Laudatio als „einen einzigartigen Hotelier“ bezeichnete.

Zurecht, denn Lucians Lebenswerk ist beeindruckend, „Aus kleinsten Anfängen begonnen, führte sein Weg, nicht immer geradeaus, in vielen auch kleinen Schritten, aber nach oben. Hindernisse mussten genommen werden und ständige Anpassungen an den Markt sind für ihn selbstverständlich“, sagte Russ über den heurigen Preisträger, bevor die Werkstattbühne zum Kino wurde. Marion Flatz vom ORF Vorarlberg hat zur Verleihung des Lebenswerkpreises ein filmisches Porträt des Geehrten produziert, in dem Wegbegleiter zu Wort kommen und der Porträtierte auch in historischen Aufnahmen zu sehen ist.

Von den rund 600 Teilnehmern des Wirtschaftsforums wurde die Auszeichnung für Fridolin Lucian heftig beklatscht. Im Interview mit Moderatorin Angelika Böhler erzählte der Tourismuspionier über seine Einstellung zur Arbeit, entscheidende Momente im Berufsleben und schwierige Situationen und seine Beharrlichkeit, wenn er Pläne umsetzen wollte, um den Hotelbetrieb ständig auszubauen, um den Gästen, von denen viele Stammgäste und Freunde der Familie Lucian geworden sind, stets höchste Gastlichkeit und Komfort zu bieten. Dazu gehört auch, die Entwicklung der Infrastruktur nicht nur für seine Betriebe, sondern für ganz Oberlech, zu verbessern.

Eine kühne Vision

Fridolin Lucian hatte gar nie vor, Hotelier zu werden. Passiert ist es ihm aber auch nicht. Lucian, geboren am 29. Dezember 1938, ist gelernter Maurer. Das ist auch der Grund dafür, dass er überhaupt die Laufbahn einschlug, die ihn zu einer herausragenden Unternehmerpersönlichkeit gemacht hat. Denn im Winter hatte Fridolin Lucian viel freie Zeit und die wollte er sinnvoll nutzen. „In unserem Dorf gab es einen großen Wirtshaussaal, der nur gelegentlich genutzt wurde. Meine Idee war es, dort eine eigene Gastronomie zu betreiben. Der Wirt hat sie mir nicht gegeben, aber schlug mir vor, im Keller die ehemalige Bäckerei zu nutzen.“ Das Lokal des Nebenberufsschlagzeugers schlug ein. „Wir haben glasweise Sekt verkauft und die Leute kamen, ohne dass wir Werbung gemacht hätten“, erzählt er. Der Erfolg machte mutig. Ehefrau Helga, geborene Zimmermann, ist Oberlecherin und ihr Vater hatte dort ein Grundstück mit Flurname Burg, das das junge Ehepaar nach reiflicher Überlegung im Jahr 1960 mit dem Burgstüble bebaute. Errichtet wurde der Bau mit viel Eigenleistung im Sommer, im Winter boten die Lucians wieder ein Getränk, das so niemand im Angebot hatte: offenes Bier. Die Leute stürmten die Skistation, die Gemeinde Lech forderte ihren Teil und führte eine „Stuhlsteuer“ genau für diesen Betrieb ein. Später wurde die Steuer höchstgerichtlich wieder abgeschafft. Das Material für den Hausbau und das offene Bier mussten mit der Seilbahn nach Oberlech transportiert werden

Ruhe kannte Lucian nicht. Aus dem Stüble wurde bereits ein Jahr später das Gasthaus Burg, 1972 erhielt das Gasthaus Gästezimmer und ein Hallenbad, außerdem wurde das erste und einzige Selbstbedienungslokal in Oberlech eröffnet, auch die erste Eisbar war eine Idee von Fridolin Lucian, die einschlug. Das Hotel entwickelte sich kontinuierlich weiter, Anbau folgte auf ­Anbau. Was blieb, war die schwierige Infrastruktur ob Lech. Im Sommer ein Alpweg, im Winter die Seilbahn.

Lucian entwarf eine kühne Vision. Er wollte die Zufahrt wintersicher machen – nicht nur für sein Haus, sondern für ganz Oberlech. Das brachte ihm mehr Spott als Zustimmung ein. Doch Fridolin Lucian ließ sich nicht beirren. Er gewann die anderen Hoteliers und Bewohner von Oberlech für seine Idee. Als Gemeinderat und Vorsitzender des Bauausschusses, der er wurde, nachdem er eine eigene Liste initiierte, konnte er politisch Einfluss nehmen. Und er suchte sich die entsprechenden Spezialisten, die aus der Vision ein umsetzbares Projekt formten.

Nach Volksabstimmung in Oberlech wurde mit den Tiefbauarbeiten begonnen. Die Oberlecher finanzierten das bahnbrechende Projekt, immerhin rund sieben Millionen Euro, selbst, die Gemeinde steuerte lediglich die Zufahrtsstraße bei. Der Tunnelbau in Oberlech sorgte branchen- und österreichweit für Aufsehen und wurde preisgekrönt.

Für Oberlech begann damit eine neue Ära. Die Sonnenterrasse von Lech war damit vom Autoverkehr befreit und trotzdem verlässlich erreichbar. Die Gäste dankten es durch eine starke Zunahme der Buchungen. Heute ist Oberlech der Ortsteil von Lech, dessen Hotels und Pensionen die beste Auslastung haben, freut sich Lucian, der allerdings noch einen Wunsch hat: „Ich wäre dafür, dass Oberlech auch im Sommer autofrei wird.“

Das rund einen Kilometer messende Tunnelsystem ist eine Pionierleistung von Lucian, doch Vorreiter war er auch bei anderen Dingen. Er war der erste, der ein eigenes Heizkraftwerk baute, später wurde auch das als Gemeinschaftskraftwerk für ganz Oberlech erweitert, um nur zwei Innovationen des weitsichtigen Touristikers zu nennen. Die Oberlecher Wege und Garagengesellschaft, in der die gemeinsamen Aktivitäten der Oberlecher gebündelt sind, ist übrigens schuldenfrei, betont Lucian stolz.

Lucian hat bei all seinen Projekten schon zu einer Zeit, als Nachhaltigkeit noch kein Maßstab war, auf die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie geachtet. Wie gut, das zeigt das unternehmerische Lebenswerk des Familienunternehmens. Aus dem Burg Stüble sind das Burg Hotel und das Burg Vital Resort in Oberlech entstanden, Sohn Hugo betreibt mit seiner Frau das Hotel Stadtkrug in Salzburg und einen Bauernhof, der auch die Lecher Hotels mit bestem Fleisch versorgt. Das Burg Hotel wurde erst vor Kurzem für sein Weinangebot ausgezeichnet - es ist eines der besten der Welt. Spitzenleistung auch im Burg Vital Resort. Dort betreibt die Familie eines der besten Restaurants Österreichs. Fridolin Lucian erhielt für seine Initiativen und sein Engagement bedeutende Auszeichnungen. Der Preis für sein unternehmerisches Lebenswerk würdigt sein Engagement und seine Pionierleistungen für den Oberlecher, Lecher und Vorarlberger Tourismus.

Zitat: „Fridolin Lucians Weg führte nicht immer geradeaus, aber immer nach oben.“ Eugen A. Russ Herausgeber VN

Zur Person

Fridolin Lucian Geboren 29. Dezember 1938 Ausbildung Maurer Laufbahn Arbeit in Bauunternehmen, Gründung der ersten Bar, ständige Erweitertung des Betriebes, Geschäftsführung im eigenen Unternehmen und bei weiteren Infrastruktur­unternehmen. Familie verheiratet mit Helga, drei Kinder: Hugo, Gerhard und Thomas Unternehmen Burg Hotel, Burg Vital Hotel, Stadtkrug in Salzburg, Beteiligungen an der Oberlecher Wege und Garagengesellschaft; Seillifte Oberlech, Bergbahn Lech-Oberlech

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