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Befreite Städte in Libyen fürchten Gaddafis Rache

Straßensperren im Abstand von wenigen Metern, brennende Reifen an den Straßenecken und Schüsse als dauerhafte Geräuschkulisse: Obwohl sich die im Nordwesten Libyens gelegene Stadt Zintan (Sintan) seit mehr als zehn Tagen in den Händen der Gegner von Machthaber Muammar al-Gaddafi befindet, herrscht weiter Kriegszustand.
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Abendliche Meldungen über die Bewegung von Regierungstruppen verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Die Anspannung steigt sofort auf ein Maximum.

“Es herrscht Panik, die Stadt ist von unzähligen Armeefahrzeugen umstellt”, sagt Yussef, ein angesehener Mann in der Stadt, der seinen vollen Namen aber nicht nennen will. “Die Menschen erwarten von einem Moment auf den anderen einen Racheangriff Gaddafis, weil wir unter den ersten waren, die revoltiert haben.” Tatsächlich griffen die Proteste aus dem Osten Libyens Mitte Februar zuerst auf Zintan über. Von dort aus, rund 145 Kilometer von Tripolis entfernt, verbreiteten sie sich dann im Westen des Landes weiter.

Von einem Berg aus beobachten Wachmänner die Vorgänge vor den Toren von Zintan. Es seien Lastwagen, Panzer mit Luftabwehrraketen und Fahrzeuge mit Flugkörpern im Anrollen, melden sie in die Stadt. Sie kämen gleichzeitig von Norden und Süden. “Es waren vorher schon Lastwagen vor der Stadt stationiert, aber nun ist ihre Zahl gestiegen, außerdem sind die Panzer hinzugekommen”, sagt Yussef. Er wirkt außerordentlich beunruhigt und befürchtet eine Belagerung wie in der Stadt Az-Zawiya (Al-Sawiya), die ebenfalls von der Armee eingekreist wurde.

Plötzlich schallt der Donner von Schüssen durch die Stadt. “Sie fangen an zu schießen”, tönt es in den Straßen. Es folgen weitere Schüsse, dann Leuchtraketen, schließlich wird es wieder ruhig. Später laufen junge Männer durch die Stadt, die schwere Armeerucksäcke wie Trophäen auf den Schultern tragen. Was genau passiert ist, bleibt unklar.

Große Anspannung herrscht auch in der östlichen Stadt Benghazi (Bengasi), wo der Volksaufstand am 15. Februar seinen Anfang nahm. Auch dort haben die Menschen von den Truppenbewegungen gehört und versuchen nun, das in der Stadt vorhandene militärische Gerät in einen einsatzbereiten Zustand zu bringen. Sie fürchten sich vor einem Luftangriff, nachdem zu Beginn der Woche mehrere Munitionslager in der Nähe beschossen wurden. “Wir müssen uns schützen und verteidigen”, sagt Adel, ein desertierter Reservist.

“Wir sind vorbereitet, gestern mussten sie sich wegen unserer Luftabwehr zurückziehen”, fügt er mit Blick auf die ersten Angriffe hinzu. In einer Kaserne am Stadtrand arbeitet er zusammen mit zahlreichen weiteren Männern daran, altes Kriegsgerät wieder fit zu machen. “Wir sind etwa 200 Soldaten, und wir haben alles, was wir brauchen”, sagt ein Mann namens Khaled, der die Arbeiten organisiert. Die Waffen kämen aus vielen Kasernen im Umkreis und müssten repariert werden. Vor allem Luftabwehrgeschoße würden gebraucht, sagt er.

In der Montagehalle stehen neben den Geschützen viele Kisten mit Munition. Einige von ihnen tragen die Herkunftsbezeichnung “Demokratische Republik Nordkorea”. “Mit diesen Waffen und diesen Kugeln schießt Gaddafi auf das libysche Volk”, sagt Khaled und zeigt fast vier Zentimeter dicke Geschoße mit einer Länge von 20 Zentimetern. Für ihn ist das unvorstellbar. Gaddafi habe Libyens Armee zerstört, sagt er und zeigt auf seine Männer in der Halle. “Wir sind alle Soldaten, und wir alle wollen ihn stürzen”, bekräftigt er.

Gaddafis Truppen eroberten Stadt zurück

Gaddafi-treue Truppen haben nach Angaben von aufständischen Offizieren die im Osten Libyens gelegene Stadt Brega nach heftigen Kämpfen zurückerobert. Der TV-Sender Al-Jazeera meldete am Mittwoch, auch die in derselben Gegend gelegene Stadt Ajdabiyah sei aus der Luft angegriffen worden. Dort kontrollieren Rebellen einen Militärstützpunkt und ein Waffenlager. Nuri al-Obeidi, ein Polizeikommandant aus der von den Aufständischen kontrollierten Stadt Bengasi (Benghazi), widersprach dieser Darstellung.

Nach Angaben staatlicher libyscher Medien sind am Dienstagabend zwei neue Minister für Justiz bzw. Inneres ernannt worden. Ihre Amtsvorgänger hatten sich den Aufständischen angeschlossen.

Vor einem Krankenhaus in Tripolis ist am Mittwoch ein Tankwagen mit Öl in Brand geraten. Das berichtete ein Augenzeuge in der libyschen Hauptstadt. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Der Augenzeuge sagte, es handle sich um einen Unfall und nicht um einen Anschlag.

(Quelle: APA)

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