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Beerdigung reißt Gräben auf

Bludesch - Zwischen Bludesch und Pfarrer hängt der Haussegen schief. Bis zu dieser Beerdigung ging’s noch. Aber als Claus Hämmerle unter der Erde lag, wurde es den Menschen zu viel.

„Herz aus Stein“

„Gehen Sie zur Gesundenuntersuchung“, hat ein Verärgerter dem Pfarrer geraten, „denn Sie haben ein Herz aus Stein.“ Rebekka Heim schüttelt den Kopf: „Wie ein Tier hat man den Claus begraben.“ Dessen Lebensgefährtin weint bitterlich. Und viele Bludescher sind sich einig: Diesmal hat Pfarrer August Bechter den Bogen überspannt.

Der 63-jährige spät berufene Sibratsgfäller ist seit sieben Jahren Pfarrer in Bludesch. Der ehemalige Senn pflegt kaumdiplomatischeUmgangsformen. „Aber in den ersten beiden Jahren war es gut.“ Da können die Bludescher nichts sagen. Warum sich alles so verschlechtert hat, darüber spekulieren sie.

Vergangene Woche kamen viele Bürger in die Kirche. Der junge Claus Hämmerle war bekannt. Ehe ihn ein unglückliches Geschick bewog, sich mehr und mehr zurückzuziehen, war er in vielen Vereinen Mitglied. Auch in der Kirche. „Er war ja Ministrant gewesen.“ Doch als er plötzlich starb, erfuhren seine Eltern und seine Lebensgefährtin Bianca Schuchter, dass er aus der Kirche ausgetreten war.

Willen respektieren

Vorarlbergs Katholische Kirche hat sich in solchen Fällen auf ein Vorgehen geeinigt. „Wir wollen einerseits den Willen des Verstorbenen respektieren“, sagt Generalvikar Benno Elbs, „aber auch das Bedürfnis der Hinterbliebenen nach kirchlichem Beistand.“ Im Falle von Claus Hämmerle wählte August Bechter einen Wortgottesdienst. Diakon Tinkhauser hielt die Predigt.

Doch Bechter betonte in der Erinnerung von Bianca Schuchter, „dass wir Gott und nicht den Verstorbenen ehren müssen“. Er untersagte Freunden und Angehörigen, Bilder des Verstorbenen zu zeigen. Am Ende des Gottesdienstes ging er einfach weg. „Niemand wusste, wie es weitergeht.“ Letztendlich haben Freunde den Sarg von Claus Hämmerle aus der Leichenkapelle geholt und eingegraben. Schuchter: „Ich hab schon einmal einen Mann verloren. Aber so was . . .“ Und wieder sind die Tränen schneller.

Keine Antwort

Pfarrer Bechter will zu alldem nichts sagen. Er habe alles richtig gemacht. „Reden Sie mit dem Generalvikar.“

Benno Elbs hat inzwischen August Bechter zu einem klärenden Gespräch mit Bischof Elmar Fischer nach Feldkirch geladen. Elbs erachtet „Achtung und Respekt vor dem Leid der Hinterbliebenen als eine ganz zentrale Aufgabe des Priesters“.

Indessen gehen immer mehr Bludescher einfach woanders zur Messe. Der Pfarrer aber hat der Caf-besitzerin Ulrike Kölly gegenüber gesagt: „Die größte Strafe für das Dorf ist, wenn ich bleibe.“

Probleme nicht neu

Bechter hat nicht zum ersten Mal Schwierigkeiten. So wohl gelitten er in Lingenau als Pfarrer diente, konnte er das Projekt der Regionalisierung in Mäder nicht mittragen. Die Kooperation lehnte er ab. Er wollte eine eigene Pfarrei.

Jahre später kam es dann in Bludesch zum Zerwürfnis mit seinem Kaplan Celestin, der heute die Pfarrei in Thüringerberg betreut. In Bludesch munkeln sie, dass in Wahrheit die Köchin des Pfarrers die Geschicke der Pfarre leite. Und manche stoßen sich an einem zunehmend rückorientierten Stil von Bechter, der etwa die Handkommunion nicht mehr vorsieht. Dennoch „wollen wir gar keinen neuen Pfarrer“, sagt eine Frau, die nicht genannt werden will. „Wir wollen nur, dass er wieder normal wird.“

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