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ÖBB-Beamter suspendiert

Erste Konsequenzen nach dem Zugunfall in Lochau mit drei Todesopfern: Ein Mitarbeiter in Innsbruck soll Informationen nicht weitergegeben haben, er wurde außer Dienst gestellt.   

Lochau – Der Bahnunfall, bei dem vergangenen Freitag zwei Polizeibeamte und ein Leichenbestatter ums Leben gekommen sind, hat erste Konsequenzen: Wie die NEUE Vorarlberger Tageszeitung exklusiv erfuhr, ist ein Mitarbeiter der ÖBB-Leitstelle in Innsbruck bis zum Vorliegen der offiziellen Ergebnisse außer Dienst gestellt worden.

Auch wenn die polizeilichen Ermittlungen noch nicht endgültig abgeschlossen sind, deutet ja alles darauf hin, dass ein ÖBB-interner Kommunikationsfehler – also menschliches Versagen – zu dem verhängnisvollen Unfall geführt hat. Wie die NEUE berichtete, hatte die Exekutive die Bahn informiert, dass sie an der Strecke arbeite (in der Nacht war ein 18-Jähriger dort ums Leben gekommen, seine Leiche sollte geborgen werden). Offenbar wurde der Lokführer des Schweizer Eurocity, der kurz nach 10 Uhr Lochau passieren sollte, aber nicht informiert: Er kam mit unverminderter Geschwindigkeit (Tempo 100) aus einer Kurve, konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen.

Der betroffene Lokführer befindet sich nach wie vor im Krankenstand. Er braucht nicht nur die Betreuung durch Laienhelfer und Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, sondern professionelle Hilfe durch einen Psychologen. Der 45-Jährige soll danach einen Kuraufenthalt mit Gruppentherapie absolvieren. Das wird in schwerwiegenden Fällen angeordnet. Denn ein Unfall ist schwerer zu verkraften als ein Selbstmord.

“Lokführer werden missbraucht, um den letzten Willen zu erfüllen”

Zwei Selbstmörder warfen sich vor den Zug des ehemaligen Lokführers Ernst Lerch. Wie gehen Lokführer mit solchen Vorfällen um?

„Es war noch im alten Bahnhof von St. Anton“, erinnert sich Lerch an seinen ersten Selbstmörder, einen unglücklich Verliebten. „Der Bahnsteig war vollbesetzt, als ein Mann aus der Menge Richtung Zug gesprungen ist. In dem Moment weißt du nicht, ob er noch stehen bleibt oder es noch über das Gleis schafft.“

Dies sei ähnlich der Situationen, bei denen Leute noch schnell über die Gleise springen würden. „Es gibt nicht nur die Selbstmörder, sondern auch tragische Unfälle, die durch Bequemlichkeit, Mutproben oder drängelnde Menschen am Bahngleis entstehen.“

Beim zweiten Unfall, den Lerch miterleben musste, trat ein Mann auf der Arlbergstrecke hinter einem Elektromasten her und stellte sich auf das Gleis.

„Es ist 13 oder 14 Jahre her und dennoch sehe ich ihn genau vor mir, wie er mir in die Augen geschaut hat, seine Gesichtszüge, die Wildlederjacke mit Fransen. Man bremst und pfeift und pfeift, aber er ging einfach nicht weg. Das sind die schrecklichsten Sekunden“, sagt der 52-Jährige. „Die Lok macht keinen Hupfer oder so etwas. Aber man hört den Aufprall, das Zermalmen des Körpers und das geht einem durch Mark und Bein.“

Lerch selbst hatte damals niemanden, der ihn psychologisch betreute. Inzwischen hat sich viel geändert: Neben dem Kriseninterventionsteam (KIT) gibt es auch das Laienhelfersystem der ÖBB.

„Im Moment gibt es zwei Laienhelfer im Ländle, wobei einer stark als Betriebsrat eingespannt ist. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Helfer gibt, die noch schneller erreichbar sind. Die Laienhelfer sind Arbeitskollegen, die sich auskennen und mitunter sogar selbst Betroffene, so dass sie eine gute Ergänzung zum KIT sind“, meint Lerch.

Dutzende Suizide passieren jährlich auf Vorarlbergs Schienen. Bereits im Vorfeld werden die Lokführer auf solche Situationen vorbereitet. „Psychologen versuchen ihnen zu vermitteln, dass sie zum Instrument geworden sind. Sie werden missbraucht, um den letzten Willen zu erfüllen.“ Was offenbleibt, sei die Frage, warum es gerade mich getroffen hat oder ob der Selbstmörder keine andere Möglichkeit gehabt hätte.

Einige Lokführer sind aufgrund von Angstzuständen nach solchen Vorfällen nicht mehr in den Zug gestiegen. 17 Jahre bleiben diese Ereignisse im Unterbewusstsein haften.

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