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Baubeginn für Hafen früher

Bregenz - Am Mittwoch beginnt das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Umgestaltung des Bregenzer Hafens - Teilprojekte könnten vorgezogen werden. Grafik  | Umfrage  Interview Linhart  | Fragebogen | Begleitbrief

War bisher der Baubeginn auf unbestimmte Zeit verschoben und für 2009 erst die Detailplanung ins Auge gefasst, überrascht Illwerke-Vorstand Dr. Christof Germann im „VN“- Gespräch mit der Neuigkeit, dass Teilprojekte der Umgestaltung schneller in Angriff genommen werden sollen. „Wir können uns gut vorstellen, dass gewisse Bereiche vorgezogen werden und zum Beispiel die Bauarbeiten für die Trennung der Berufs- und Privatschifffahrt bald beginnen“, sagt Germann.

Baubeginn Winter 2008

Zunächst wolle man die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung abwarten, diese werden am 23. Oktober präsentiert. „Nachher könnte schon ein allfälliges Bewilligungsverfahren beginnen“, erklärt Germann. Gebaut werden könne sinnvollerweise aber nur bei Niedrigwasser, also im Winter. „Das wird sich in diesem Jahr nicht mehr ausgehen, jedoch im Winter darauf sollte das Ausbaggern des Seebeckens der erste Punkt sein“, so der Illwerke-Vorstand, über die Seestadt-GmbH der Hauptakteur.

Wackelt Finanzierung?

Eigentlich schien die Finanzierung der Umbauarbeiten geklärt zu sein. „Den finanziellen Hauptpart tragen über die Seestadt Illwerke, Hypo – und Walter Klaus“, bestätigt der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart. „Es gab ein gewisses Grundverständnis. Der Grundsatz: Wer den Nutzen hat, soll für die Kosten aufkommen“, schildert auch Germann. Wenn die Seestadt-GmbH will, dass die private Schifffahrt ans Ostmolo verlegt wird, „zahlen wir“, Christof Germann. Wenn Bürgermeister Linhart das Blumenmolo mit Steinstufen neu gestalten wolle, müsse eben die Stadt zahlen. “Und das Ausbaggern des Hafeckens wird zur Hälfte zwischen Kommerzialrat Klaus und aufgeteilt“, so Germann.

Doch Walter Klaus sieht bei den Hafen-Planungen im “VN”-Gespräch erstmals „massive wirtschaftliche Probleme“. Die Frage der Finanzierung müsse sich jeder der Projektbeteiligten stellen, sagt Klaus. „Aber ich weiß nicht, was da bereits geklärt sein soll.“

Er habe die Zusage gegeben, beim Hafen und der Hafenplanung mitzuwirken. „Da immer wirtschaftliche Lösungen zu finden, ist nicht einfach“, sagt Klaus und fügt kritisch hinzu: „Ich muss leider feststellen, dass ich den jetzt vorliegenden Planungen nicht zustimmen kann.“ Er legt Wert darauf, dass er natürlich weiterhin hinter dem Hafen stehe: „Mir wäre am liebsten, wir könnten morgen mit einer gesicherten Finanzierung mit dem Bau starten.“ Seine Ansicht: „Der einzige Weg wird dahin führen, auf Dinge bei der Planung zu verzichten“, sagt Klaus. Konkretisieren will er das auf Nachfrage nicht.

Von der Seestadt-GmbH (Illwerke, Hypo, Stadt) heißt es, es sei in den nächsten Tagen ein klärendes Gespräch vereinbart: „Ich sehe keinen Spaltpilz zwischen uns und Walter Klaus“, so Germann optimistisch zu den „VN“. Jedenfalls habe die Ideenskizze der Architekten Hörburger und Kuess durchaus das Potenzial, zum „Masterplan“ zu werden – wenn die Bürger zustimmen.

Bregenzer am Wort

Die Bregenzer Bürger haben dieser Tage einen Fragebogen erhalten, um sich zum Hafenumbau äußern zu können. Zudem steht ab Mittwoch bis zum 12. Oktober im Bregenzer „Bürgerhaus“ (Belruptstraße 1) täglich von 11 bis 12 und 17 bis 18.30 Uhr Fachpersonal zur Verfügung, um die Machbarkeitsstudie zu präsentieren und Fragen zu beantworten.

KOMMENTAR: Wer zahlt was?
Gerold Riedmann

Einfach wurde es den Bregenzern bei der Bürgerbeteiligung nicht gemacht: Drei lange Seiten wollen ausgefüllt werden. So will das Amt der Landeshauptstadt wissen, ob ihre Bürger einen intensiven Bezug zum See haben, Schwimmer, Wasserskifahrer oder Spaziergänger sind. Unzählige statistische Angaben – man darf sich schon die Powerpoint-Präsentation mit unzähligen Balkendiagrammen bei der Präsentation am 23. Oktober im Gössersaal vorstellen. Nur eineinhalb der insgesamt 22 Fragen drehen sich wirklich um die konkreten Anliegen der Bürger zum Hafen. Der Bürgermeister sagt, es ist echte Bürgerbeteiligung. Dennoch entsteht der Eindruck, dass das Ausfüllen des Statistik-Fragebogens Beschäftigungstherapie ist. Ein Abklenkungsmanöver, bis hinter den Kulissen entschieden ist, ob Bodensee-Kapitän Walter Klaus bei diesem Hafenkonzept weiter mit an Bord ist.

Kommerzialrat Klaus hält offenbar – das lässt er durchblicken – das derzeitige Hafenprojekt für nicht finanzierbar oder noch schlimmer, für nicht rentabel. Bürgermeister und Seestadt sind sich unterdessen einig, wer was bezahlt. Nur Walter Klaus spricht vom „reichen Onkel aus Amerika“, der notwendig wäre, um alle in der heute erstmals veröffentlichten 3D-Grafik angedachten Teilprojekte zu verwirklichen. Dabei soll er einen guten Teil der Kosten übernehmen.

Die bisherige Ideenskizze des Architektenduos Hörburger und Kuess hat durchaus das Potenzial, zum Masterplan für den neuen Hafen zu werden. Die ersten Reaktionen jedenfalls sind sehr positiv. Jeder Bregenzer ist froh, dass sich endlich etwas am Hafen tut.

Nur bezahlen muss es einer. Das sollte man gerade in Bregenz gut wissen.

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