Bär zog nach Tirol weiter

Von dem Braunbären, der in den vergangenen Tagen im Montafon mehrere Tiere gerissen hat, hat es am Sonntag rund um das Tiroler Galtür vorerst keine weiteren Spuren gegeben.

Das Tier war zuletzt im Gebiet Zeinisjoch an der Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg gesehen worden. Den Bauern wurde empfohlen, ihre Stalltüren zu verschließen, berichtete der Galtürer Bürgermeister Anton Mattle am Sonntag der APA.

Die Bevölkerung sei über einen möglichen Aufenthalt des Tieres auf Tiroler Boden informiert worden. „Wir haben die Menschen gebeten, dass sie achtsam sind, wenn sie im freien Gelände unterwegs sind“, sagte Mattle. Außerdem sollen alle Beobachtungen bezüglich des Bären gemeldet werden. Die Situation sei „nicht so dramatisch, weil bei uns gerade keine touristische Saison ist“ und vorwiegend Einheimische im Gebiet seien.

WWF-Bärenanwalt Jörg Rauer erklärte der APA, dass der Bär, der auffällig wenig Scheu vor Menschen zeige, bisher gegenüber ihnen aber nie aggressiv gewesen sei. “100-prozentig könne man aber nichts sagen“, räumte Rauer ein. Für den Fall, dass ein Mensch dem Bären begegne, solle er sich ruhig verhalten und dem Tier nicht das Gefühl geben, dass es bedroht sei.

Rauer sagte, dass man „mal schauen wird, wie es weiter geht“. Man könnte dem Bären eine Falle stellen. Wenn man den Bären gefangen habe, müsse man dann gegen ihn „Verdrängungsmaßnahmen“ anwenden. Darunter verstehe man zum Beispiel ihn mit Gummikugeln zu beschießen, damit der Bär schlechte Erfahrungen in der Nähe von Menschen mache und sich ihnen in der Folge nicht mehr so weit nähert, erklärte Rauer. Um den sehr wanderfreudigen Meister Petz zu erwischen, müsse man aber zuerst wissen, wo er sich zur Zeit genau aufhält. Ein Ort, an dem er Schaden anrichtet (Anm.: also zum Beispiel wo er Schafe reißt), würde sich dafür eignen, da der Braunbär an diesen Ort womöglich wieder zurückkehren würde.

Bei dem Braunbären handelt es sich vermutlich um „JJ2“, der im vergangenen Jahr in Graubünden gesichtet wurde. Eine endgültige Erkenntnis darüber wird aber erst eine im Gang befindliche DNA-Analyse vorgefundener Bären-Haare bringen.

In Gargellen bzw. St. Gallenkirch war der Bär in der vergangenen Woche nachts in Ställe eingebrochen. Dort riss er ein Schaf und einen Zuchtwidder und verletzte zwei Schafe so schwer, dass sie eingeschläfert bzw. geschlachtet werden mussten.


NEUE-Interview: “Sensationelles Erlebnis”

Sensationelles Erlebnis für einen Jäger aus Partenen, seinen Sohn und zwei Jagdgäste: Vorarlbär „JJ 2“ tauchte Samstagfrüh in der Nähe des Kops-Stausees auf und wanderte Richtung Galtür. Die Jäger beobachteten ihn dabei. Der NEUE erzählte Walter Dich, wie er die einzigartige Begegnung erlebt hat.

Es war sein langgehegter Traum: nach Kanada zu fahren und Bären zu beobachten. Wegen des Geldes konnte sich Walter Dich (48) diesen Traum nicht erfüllen. Der Traum blieb ein Traum. Bis zum 13. Mai 2006. Diesen Tag wird der Jäger aus Partenen so schnell nicht mehr vergessen. Denn an diesem Tag erfüllte sich sein Traum – in Vorarlberg.

Der Jäger geht mit seinem Sohn Christopher (25) und zwei Jagdgästen (ein Ehepaar aus Deutschland) gegen 3 Uhr in der Früh auf die Jagd. „Wir wollten einen Birkhahn schießen“, so der Jäger zur NEUE.

Die vier fahren die Ganiferstraße hinauf bis zum Zeinisjoch. Das liegt auf einer Höhe von 1800 Metern. Ab 4.15 Uhr sitzen sie ganz ruhig hinter einem großen Stein oberhalb des Zeinissees beziehungsweise hinter dem Kops-Stausee. Gegen fünf Uhr in der Früh – es dämmert gerade – hören sie das Gebalze von Birkhähnen.

Plötzlich meldet sein Sohn Christopher: „Birkhahn 60 Meter vor mir.“ Sekunden später: „Birkhahn links oben.“ Weitere Sekunden später: „JJ 2 kommt.“ Die Jagdgefährten lachen. Der Vater sagt zum Sohn: „Du spinnst.“ „Nein, er kommt“, beteuert sein Sohn. Der Vater nennt den Sohn abermals einen Spinner. Dreht sich dann aber doch um. Und sieht, wie JJ 2 von links direkt auf die Gruppe zukommt. Seine Entfernung: rund 240 Meter.

„Er hat dann aber rechts abgeschwenkt. Er hat uns nicht gesehen“, so der Jäger aus dem Montafon. Zum Glück muss man sagen. Denn die Gruppe wäre gegen einen Angriff des Bären nicht gewappnet gewesen. „Wir hatten nicht einmal ein gescheites Gewehr dabei. Das hätte für einen Bären nie ausgereicht.“

Dennoch: Angst hätten sie keine gehabt, sagt der Waidmann. „Dazu waren wir zu fasziniert vom Anblick des Bären.“

Dieser sei von der Färbung her ziemlich dunkel gewesen. „Auch ist er mir sehr groß vorgekommen.“ „JJ 2“ sei ziemlich schnell unterwegs gewesen. „Er hat zwei Schneefelder im Tempo eines leicht galoppierenden Pferdes überquert.“ Der Jäger muss schmunzeln. Noch am Abend zuvor hätten sie in der Runde scherzhaft gesagt: „Was tun wir wenn der Bär kommt?“ Und nun sei er prompt gekommen.

Der Partenener kann es noch immer nicht glauben. „Es ist schon gewaltig, dass ich bei uns daheim einen Bär in freier Wildbahn gesehen habe. Als Jäger habe ich schon viel Aufregendes erlebt, aber das war das absolute Highlight“, kommt er aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Das ganze sei so unglaublich, „dass ich es niemandem erzählt hätte, wenn ich allein gewesen wäre. Es hätte mir ohnehin keiner geglaubt.“

Nach der Bärensichtung schießen Dich & Co noch einen Birkhahn. „Den Bär haben wir vorbeilassen“, scherzt Dich. Später sieht das Quartett noch, wie im Grenzgebiet zu Tirol einige Gämse aus einem Tobel flüchten. „Die muss er ganz gehörig aufgescheucht haben“, so der Illwerke-Angestellte schmunzelnd. Seine Frau Erika möchte auch noch etwas zur Bärenbegegnung ihres Mannes sagen: „Jetzt muss mein Mann nicht mehr nach Kanada reisen. Sein Traum ging daheim in Erfüllung.“ Wo sich der Bär zurzeit befindet weiß niemand. Nur so viel: Jäger entdeckten Samstagnachmittag 5 Kilometer vor Galtür im Schnee Spuren von JJ2.

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